Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ventilhersteller GEMÜ zügelt ganze Fabrik nach Emmen : Ausgabe 01/02/2014, 18.02.2014

Unter Druck: Mit Luftkissen in den Reinraum

Die Unternehmensgruppe GEMÜ ist auf dem Gebiet der Ventil-, Prozess- und Regelungstechnik tätig. In der Schweiz befindet sich das Kunststoff-Kompetenzzentrum des Weltmarktführers. Am Umzug von Rotkreuz in das neue, hochmoderne Reinraumwerk nach Emmen war die Bauberger AG mit Firmensitz in Elgg massgeblich beteiligt.

Von seinem Grossvater angespornt, gründete der 1939 geborene Fritz Müller nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker 1963 in der elterlichen Garage sein Unternehmen GEMÜ Gebr. Müller Apparatebau GmbH & Co. KG. Der 24-jährige Jungunternehmer aus dem deutschen Kochertal hatte kaum Kapital, aber eine Idee: Er wollte Ventile aus Kunststoff herstellen, die – anders als die bisher gebräuchlichen Metallventile – aggressiven Flüssigkeiten standhielten. Seine Produkte überzeugten die Kunden, GEMÜ expandierte und ist heute einer der weltweit führenden Ventilhersteller.

Fertigung nur im eigenen Haus

Nach und nach wurden rund um den Globus weitere Produktionsstandorte und Niederlassungen eröffnet. Neben Brasilien, England, Frankreich und Schweden kam 1981 auch die Gründung der GEMÜ Schweiz dazu, wo sich heute das Kunststoff-Kompetenzzentrum der gesamten Firmengruppe befindet. Bisher befand sich der Schweizer Standort in Rotkreuz im Kanton Zug. Neue Märkte und neue Produkte verlangen nach neuen Technologien und Fertigungskapazitäten. Gemäss der Grundstrategie von GEMÜ, die anspruchsvolle Produktion im eigenen Haus zu betreiben, wurden in den letzten Jahren Pläne zum Ausbau der Kapazitäten entwickelt. «Da sich der Standort dafür nur unter grossen Kompromissen geeignet hätte, machten wir uns auf die Suche nach einem neuen zusätzlichen Standort und wurden nur fünfzehn Autominuten entfernt im luzernischen Emmen fündig», sagt Michael Wasser, Betriebsleiter der GEMÜ GmbH in Emmen. «Damit ist ein schneller Austausch zwischen den Standorten und der reibungslose Übergang zur Produktion gewährleistet.»

Weitere Expansionsschritte möglich

Im September 2012 konnte das neue Fertigungswerk in Emmen eröffnet werden. Hier soll insbesondere die Kunststoffverarbeitung im Reinraum für die Medizintechnik noch stärker ausgebaut werden. Die Planung eines neuen Werks «auf der grünen Wiese» bot gemäss Wasser zudem die Chance, die interne Produktionslogistik und sämtliche Arbeitsabläufe anzupassen. «So bietet das Grundstück genügend Reserven für Erweiterungsbauten, aber auch die gesamte Architektur, Infrastruktur und Betriebsplanung sind auf weitere Expan­sionsschritte ausgelegt.» Grundlage für die Gestaltung der äusseren und der inneren Erscheinung war das Corporate Design von GEMÜ. Dieses wird bei sämtlichen eigens erstellten Gebäuden angewendet. So weisen beispielsweise die Gebäude in Deutschland, Frankreich und Schweden die gleiche Formensprache auf. Auch das Farbkonzept mit den drei Firmenfarben spiegelt sich in der Gebäudegestaltung. Ein wichtiges Ziel war, dass der Neubau genügend Produktionskapazitäten sicherstellen sollte, um dem erwarteten Wachstum von GEMÜ in den nächsten Jahren Rechnung zu tragen. Zusätzlich sollte auch die Infrastruktur auf den modersten Stand der Technik gebracht werden.

Reinraumproduktion gewinnt an Bedeutung

«Medizin und Pharmazie, Halbleiterindus­- trie und Lebensmittelherstellung entwickeln sich rasant und benötigen immer mehr Produkte, die unter Reinraumbedingungen hergestellt werden», weiss der Betriebsleiter des neuen Schweizer Werkes. Reinräume sind Räume, die bei konstanter Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Druck eine möglichst geringe Konzentration von Schmutzpartikeln aufweisen, da diese die Produktion von hochtechnologischen Gütern negativ beeinflussen würden. Entsprechend wurde das Gebäude nach neuesten Erkenntnissen und Richtlinien der Reinraumtechnik erstellt. Im Reinraumwerk Emmen werden für die gesamte GEMÜ-Gruppe Komponenten und Systemlösungen für die Mikroelektronik, Solar- und Halbleiterfertigung produziert. Ebenso entstehen hier innovative Produkte für die biopharmazeutische Industrie.

Mehr als nur ein Umzug

Die Vorfreude auf den Einzug in das komplett neue Fabrikationsgelände in Emmen war bei allen Beteiligten gross. Doch zuerst galt es, den Umzug säuberlich vorzubereiten und zu bewältigen – was Michael Wasser die eine oder andere unruhige Stunde bescherte. «Man zügelt nicht jeden Tag eine Fabrik», meint der Betriebsleiter. Doch eine vorzeitige Planung und die baldige Gewissheit, für dieses gigantische Zügelprojekt die richtigen Partner gefunden zu haben, waren gut für die Nerven. «Bereits ein Jahr vor dem Umzug führten wir erste Gespräche mit den Planern der Schnellmann Firmendislokationen AG. Umgehend war auch Bauberger im Spiel, weil klar war, dass wir für das Verschieben von schweren Lasten sowie Demontage- und Montagearbeiten Spezia­listen brauchen würden.» «Ruedi Bauberger kam nach Rotkreuz, um sich alles anzuschauen. Sofort erkannte er, wie man den Umzug angehen muss. Gemeinsam wurde eine passende Gesamtlösung in Etappen erarbeitet», erinnert sich Wasser. Die langjährigen Erfahrungen der Mechanikprofis bei komplexen Industrie- und Produktions­umzügen, das grosse Fachwissen und die Routine im Umgang mit Reinräumen (inklusive der entsprechenden Spezialausrüstungen) überzeugten den GEMÜ-Betriebsleiter sogleich. Dass der neue Nachbar des Kunststoffwerks in Emmen – der Lebensmittelkonzern Emmi – ein langjähriger Kunde der Elgger ist und somit eine ausgezeichnete Referenz, bot dann sozusagen noch das «Tüpfelchen auf dem i» für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und Michael Wasser von GEMÜ wurde nicht enttäuscht: «Vorbereitungen und Umzug sind unkompliziert und reibungslos abgelaufen. Wir würden sofort wieder mit diesen Partnern zusammenarbeiten.


Info
Bauberger AG
8353 Elgg
Tel. 052 368 60 60, Fax 052 368 60 70
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Transport einer Spritzgussmaschine auf Luftkissen in den Reinraum.