Eine Publikation der Binkert Medien AG
Mit Pracar und Pramag von Wanko erfolgreich Prozesse optimieren : Ausgabe 12/2014, 16.12.2014

Der Nullfehlerquote ein Stück näher gekommen

Die arko GmbH steuert den gesamtem Materialfluss zwischen Wareneingang und -ausgang mit einem durchgängigen Logistiksteuerungssystem von Wanko.

«Jemanden glücklich machen, ist das höchste Glück.» Dieses Zitat stammt von Theodor Fontane. Wäre der Schriftsteller noch am Leben, hätte er an der arko GmbH seinen Spass. Das auf feinen Kaffee und Confiserie spezialisierte Unternehmen bezeichnet sich als «Glücklichmacherei» und hat diesen Begriff sogar als Marke eingetragen. In 240 arko-Geschäften, einem Online-Shop und 3500 Depots in Supermärkten und Bäckereien bietet die in Wahlstedt beheimatete Firma «das kleine besondere Extra zum Alltag», erklärt arko-Geschäftsführer Torsten Teufert.

Exakte Rückverfolgung

Ermöglicht wird diese Philosophie durch eine ausgeklügelte Lieferkette, wobei das Lagerverwaltungssystem eine zentrale Rolle spielt. Die im März 2014 eingeführte Software Pramag stammt von Wanko und hat bei arko die bestehenden Prozesse stark verändert. Sichtbar wird dies vor allem in der Kommissionierung, die jetzt papierlos mithilfe von Handterminals funktioniert. Über die Displays der MDEs (Mobile Datenerfassungsgeräte) erhalten die Mitarbeiter eindeutige Informationen zu den nächsten Arbeitsschritten. Zuvor basierte die Kommissionierung auf kleinen Papieretiketten, die vor der Kommissionierung seitenweise gedruckt wurden und während des Packens manuell auf die Packstücke geklebt werden mussten.

«Die Etiketten hatten uns seit Jahrzehnten begleitet, und deren Abschaffung bedeutete eine grosse Umstellung. Die Tragweite der Änderungen war uns am Anfang gar nicht bewusst», bekennt Helga Reck, die bei arko die EDV verantwortet. Gemeinsam mit ihrem Team hatte sie das neue Warehousemanagement eingeführt. Mit der Umstellung verfolgte arko eine Reihe von Zielen: Vor allem sollten die Fehler in der Kommissionierung minimiert und die Rückverfolgbarkeit noch exakter werden. Zudem sollten die Versandetiketten auf den gepackten Paletten mehr Informatio­nen bieten. «Ausserdem wollten wir die Vorlaufzeit der einzelnen Aufträge verkürzen und damit den Lagerbestand optimieren und flexibler werden», fasst Reck zusammen.

Grundstein im Wareneingang

Das neue Lagerverwaltungssystem Pramag hatte bei arko keinen Vorgänger. Die Steuerung der Lagerprozesse wurde zuvor in erster Linie durch die Mitarbeiter im Lager und durch Belege, gestützt durch das ERP-System, übernommen. Die Lagerorte für angelieferte Paletten wurden im Wareneingang manuell von Torsten Westphal festgelegt, der die Lagerkoordinaten dann an seine Mitarbeiter weitergab. Heute werden die Lagerorte von Pramag über konfigurierbare Einlagerstrategien vorgegeben, was den Prozess nicht nur enorm beschleunigt, sondern auch die beste Qualität sicherstellt. Das Erfassen der Daten läuft im Wareneingang weitgehend systemgestützt. Westphal prüft anhand der Bestelllisten die Vollständigkeit der Lieferung und legt für jede angelieferte Palette einer Sendung direkt am Handterminal einen Datensatz an. Darin enthalten sind Angaben zum Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), Anzahl der Packstücke pro Palette, Chargennummer und Palettenhöhe. «Wir erfassen jetzt mehr Daten als im alten System und legen damit den Grundstein für eine detaillierte Rückverfolgbarkeit», erklärt Reck. Der hauseigenen Qualitätssicherung wird zu jedem Wareneingang eine Probe zur Verfügung gestellt. Durch Pramag wird systemgeführt sichergestellt, dass die vom ERP vorgegebenen Entnahmemengen eingehalten werden.

Pramag schafft Voraussetzungen

Anschliessend wird der Bestandsdatensatz per Scan mit einem neu an der Palette angebrachten Barcode-Etikett verknüpft und an Pramag übertragen. «Künftig werden diese Angaben bereits im Barcode-Etikett des Lieferanten stehen», plant Reck. Bereits im nächsten Jahr werden die fünf grössten Lieferanten von arko diesem Anspruch genügen. «Das wird den Aufwand im Wareneingang erheblich verringern», so Westphal. Das Anbinden der Lieferanten wird ein weiterer Meilenstein des Supply-Chain-Projekts von arko, das von Kristina Lohmann koordiniert wird. «Mit Pramag haben wir die Voraussetzungen für die nächsten Schritte entlang der Lieferkette geschaffen», stellt Lohmann fest. Nach den Lieferanten sollen dann auch die Filialen an das System angebunden werden, um zukünftige Bestellungen auf Basis der tatsächlichen Verkäufe noch besser planen zu können. «Wir haben unser Supply-Chain-Projekt sozusagen in der Mitte begonnen und werden es jetzt nach rechts und links ausdehnen», beschreibt Lohmann.

Automatische Nachschubsteuerung

Bis es soweit ist, konzentriert sich der Nutzen von Pramag auf die Prozesse in Wahlstedt: Direkt nach der Datenerfassung im Wareneingang erstellt das Lagerverwaltungssystem die Fahraufträge für die Einlagerung. Diese werden sofort automatisch auf die mit einem Display ausgestatteten Stapler übertragen, vom Fahrer bestätigt und ausgeführt. Ein weiterer Scan am Lagerort schliesst diesen Vorgang ab. Die nächste Palettenbewegung erfolgt, sobald in der Kommissionierzone ein Bedarf an den betreffenden Waren gemeldet wird.

Auch dieser Prozess wurde durch Pramag automatisiert. Denn die mit MDE ausgerüsteten Kommissionierer melden per Tastendruck, sobald das letzte Packstück einer Palette entnommen wird. Damit wird sofort ein Umlagerungsauftrag ausgelöst, der an einen der Stapler gesendet und ausgeführt wird. Durch die getaktete Nachschubsteuerung von Pramag wird ein unterbrechungsfreies Arbeiten der Kommis­sionierer ermöglicht. Aufgrund der palettengenauen Buchungen kann für jeden Kundenauftrag exakt nachverfolgt werden, von welchem Lagerort die entnommenen Waren stammen und welche Bestandseigenschaften, wie zum Beispiel Charge oder MHD, ausgeliefert wurden.

Durchgängige Lösung

Neben der Kommissionierung auf Paletten bestehen bei arko weitere Packbereiche für den Online-Shop und für DHL-Pakete. «Aufträge mit einem Volumen von bis zu 0,3 Kubikmeter werden aus Kostengründen per KEP-Dienst abgefertigt», erklärt Reck. Diese Regel wird nur bei sommerlichen Aussentemperaturen ausser Kraft gesetzt, um die Qualität der Confiserie nicht durch Hitze zu gefährden. Die Zuordnung der Aufträge übernimmt Pramag automatisch, wobei grundsätzlich jeder Auftrag aus dem Online-Shop in einem abgetrennten Lagerbereich zusammengestellt wird. Hier geht es um Kleinstaufträge, die direkt zum Endverbraucher gesendet werden.

Der grösste Teil der Aufträge wird jedoch auf Rollcontainern und Paletten kommissioniert, die anschliessend per Lkw zum Kunden transportiert werden. arko verfügt über einen eigenen Fuhrpark mit sechs Lkws und arbeitet zusätzlich mit Logistikdienstleistern zusammen. Bei der Disposition profitiert arko vom Tourenplanungssystem Pracar, das mit derselben Datenbank arbeitet wie Pramag. arko arbeitet bereits seit über zwanzig Jahren mit Pracar und hat die ständige Weiterentwicklung der Lösung live miterlebt.

Beide Systeme stammen von Wanko und bilden ein durchgängiges Logistiksteuerungssystem. Unmittelbar nach Planung der Touren löst Pracar in Pramag die Reservierung der am Folgetag benötigten Waren aus. Ausserdem kann die Disposition am Tag der Verladung das Entstehen der Paletten verfolgen und frühzeitig am Bildschirm erkennen, zu welchem Zeitpunkt die Sendungen bereitstehen.

Kleines Stück vom Glück

Apropos: Mithilfe der Handterminals schafft ein Kommissionierer im Durchschnitt rund 120 Packstücke pro Stunde beziehungsweise mehr als 900 Pack­stücke pro Tag. Die Produktivität beim Picken stand jedoch gar nicht im Fokus der Softwareeinführung. arko kam es vor allem auf das Verringern der Pickfehler an – und hier sprechen die Werte für sich. «Wir wollten die Pickfehler um 30 Prozent reduzieren und haben dieses Ziel bereits im ersten Monat nach Einführung von Pramag übertroffen. Im Juni 2014 lag die Fehlerquote mit nur noch 0,12 Prozent bereits um 76 Prozent unter dem Jahresdurchschnitt von 2013», sagt Reck. Damit verbunden sind erhebliche Kosteneinsparungen, denn jeder Packfehler verursacht einen Aufwand von rund sieben Euro.

Vor allem sorgt die verbesserte Kommissionierqualität für noch zufriedenere Kunden, Filialen und Vertriebsmitarbeiter. «Unser Ziel ist die vollständige, pünktliche und fehlerfreie Belieferung», fasst Reck zusammen. Ein Anspruch, der gut zu arko passt: Schliesslich vermeidet eine hohe Lieferqualität viel Ärger und liefert damit einen Beitrag zum alltäglichen persön­lichen Glück.


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Unmittelbar nach Planung der Touren löst Pracar in Pramag die Reservierung der am Folgetag benötigten Waren aus. (Bilder: Wanko)


Mit den Handterminals schafft ein Kommissionierer im Durchschnitt rund 120 Packstücke pro Stunde beziehungsweise mehr als 900 Packstücke pro Tag.