Eine Publikation der Binkert Medien AG
FMS Technik AG liefert Montagelinie für Doping- und Drogenkontroll-Equipment : Ausgabe 12/2014, 16.12.2014

Sicher unter Verschluss

Anpassbare Montagetechnik von Rexroth verbessert die Ergonomie bei der Herstellung von Probe­flaschen für Dopingkontrollen. Die Ausführungsplanung lag in den Händen der FMS Technik AG – einem auf flexible Montagesysteme spezialisierten Vertriebspartner von Bosch Rexroth.

Im Sport ist Fairness gefragt. Körperliche Leistungssteigerungen sollen ausschliesslich das Ergebnis von Training sein. Damit dieser Anspruch an sportliche Ideale gewahrt bleibt, gibt es Dopingkontrollen. Die Berlinger Special AG aus der Schweiz hat sich auf die für diese Untersuchungen notwendigen Probeflaschen spezialisiert. Die ausgeklügelten Verpackungssysteme werden auf höhenverstellbaren Montage­arbeitsplätzen von Rexroth hergestellt. Bei der Konzeption der neuen Montagelinie ging Ergonomie vor Effizienz – und damit die Gesundheit der Mitarbeiter vor Produktivität.

Die Berlinger Special AG tritt für Mensch und Tier gleichermassen als Komplettversorger für professionelles Doping- und Drogenkontroll-Equipment auf. Das «Bereg-Kit» etwa schützt die A- und B-Proben nach dem Verschliessen zuverlässig gegen Manipulationen. Jeder Versuch, die Flaschen unautorisiert zu öffnen, zerstört den Verschluss oder hinterlässt zumindest deutlich sichtbare Spuren. Ursprünglich in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Olympischen Verband entwickelt, wird dieses Hochsicherheitsfläschchen heute in die ganze Welt geliefert. Derzeit stehen vier unterschiedliche Flaschen­systeme zur Verfügung, die je nach Bedürfnis individuell angepasst oder mit speziellen Accessoires für Transport und Labor ergänzt werden können.

Flexible Montage plus Ergonomie

Damit die Flexibilität für nationale Besonderheiten oder Anforderungen von Sportverbänden gewahrt bleibt, hat Berlinger in eine neue Montagelinie investiert. Ziel des Projekts: Effiziente Arbeitsabläufe mit maxi­maler Ergonomie für das Personal kombinieren. Die ersten Entwürfe entstanden in Zusammenarbeit mit der Leonardo-Gruppe als Experten für Lean Management. Die Ausführungsplanung lag in den Händen der schweizerischen FMS Technik AG – ein auf flexible Montagesysteme spezialisierter Vertriebspartner von Bosch Rexroth.

«Bei diesem Projekt ging es weniger darum, möglichst zeitsparend und effizient zu produzieren, sondern vielmehr, gesundheitlich richtig zu arbeiten. Ergonomie stand ganz klar im Vordergrund», blickt FMS-Vertriebsleiter Martin Willener zurück. Weil die U-förmig angelegten Produktionsmittel aus dem Rexroth-Baukasten heraus durchgängig manuell in der Höhe verstellbar sind, lässt sich die Linie sehr einfach an die Körpergrösse der Mitarbeiter anpassen. Für den fördertechnischen Verbund der Arbeitsplätze kommen bei Berlinger Rollen- und Transportbänder des Rexroth-Kettenfördersystems VarioFlow S zum Einsatz. Sie bilden im «Montage-U» die Hauptschlagader für den Materialfluss der Transportboxen, die für die Montage und das Konfektionieren der Dopingprobensets genutzt werden. Die saubere Trennung von Montage und Materialzuführung war bei Berlinger massgeblich, um schlank produzieren zu können und Ordnung am Arbeitsplatz zu halten.

Die Produktionsaufträge unterscheiden sich in der Praxis aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Ansprüche an die genaue Ausführung der Probensets vornehmlich im Detail und im Umfang ergänzender Accessoires. Hierzu zählen beispielsweise Zwischenversiegelungen oder Utensilien zur Blutentnahme. Aber auch individuelle Kennzeichnung mit Organisations- und Verbandslogo sind möglich. Damit die Montagetechnik leicht sich verändernden Produktionsaufträgen folgen kann, muss die Linie erweiter- und veränderbar sein. Die Zukunftssicherheit des etablierten Rexroth-Produktprogramms spielte für Monika Egli, Senior Product Manager bei Berlinger, bei der Auswahl eine entscheidende Rolle. «Wir waren auf der Suche nach einem System, mit dem wir sicher und mit hoher Qualität arbeiten können und das es auch in den nächsten Jahren noch gibt.» Die Modularität des Programms bot Berlinger zudem die Möglichkeit, auch individuelle Anforderungen, wie die Integration von Behälterträgern in die Fördertechnik, umzusetzen. «Wir standen extrem unter Zeitdruck. Das Projekt ist sehr gut gelaufen, die Linie arbeitet perfekt», fasst Egli zusammen.

Möglichst einfache Hand­habung und Konfiguration

Hier waren es vor allem die einfachen Konfigurations- und Kombinationsmöglichkeiten des Montagetechniksystems von Rexroth, die bei Berlinger Aufbau und Inbetriebnahme in weniger als drei Monaten nach Angebotsabgabe ermöglichten. Diese kurze Zeitspanne resultiert im Wesentlichen aus der Arbeit mit der Projektierungssoftware MTpro von Rexroth. Sie unterstützt den Planer bei Auswahl und Konfiguration von Komponenten, hilft bei der Layout-Planung und erzeugt letztlich auch eine bestellfertige Stückliste mit allen für das Projekt notwendigen Baugruppen und Komponenten. «MTpro ist für uns eine super Geschichte», fasst Martin Willener für sein Unternehmen zusammen. Das Softwaretool ist so einfach aufgebaut, dass auch Planer ohne spezielle CAD-Kenntnisse damit effektiv, sicher und vor allem schnell zum Ziel kommen. Im MTpro Layout Designer lassen sich Baugruppen wie Arbeitstische und Regalsysteme individuell mit allem Zubehör konfigurieren und millimetergenau im 3D-Layout einer virtuellen Arbeitsumgebung platzieren.

Ergonomische Gestaltung mit MTpro

Bei Berlinger stand zu Beginn des Projekts die strategische Ablaufplanung von Leonardo. «Auf dieser Basis haben wir im CAD die erste Zeichnung erstellt und mit dem Produktmanagement abgestimmt», erzählt Willener. Nach der Detailplanung wurde das Layout im MTpro Layout Desig­ner verfeinert und die Linie so konzipiert, wie sie heute aussieht.

«Ganz wesentlich hat uns dabei die in der Software enthaltene ManModel-Funktion geholfen.» Die sogenannten ManModels sind normgerechte 3D-Modelle der menschlichen Gestalt, die in das Layout der Montagelinie eingesetzt werden, um Greifräume zu visualisieren und Blickfelder zu simulieren. Damit können beispielsweise die Verstellbereiche von Stühlen und Tischen an die unterschiedlichen Körpergrössen der Werker angepasst und die Platzierung von Werkzeugen und Arbeitsmaterial optimiert werden. Die ManModels lassen sich dabei genauso leicht konfigurieren und im Layout verwenden wie die Komponenten und Baugruppen aus dem Montagetechnik-Baukasten von Rexroth.

Für die finale Konstruktion der Linie nutzte FMS Autodesk Inventor – ein etabliertes CAD-Programm. An dieser Stelle sieht der FMS-Vertriebsleiter einen weiteren wesentlichen Vorteil in der täglichen Arbeit mit MTpro: Die Software von Bosch Rexroth vereinfacht das Arbeiten – ohne dabei jedoch den Anschluss an herrschende CAD-Systeme zu verlieren. FMS konnte das in MTpro erstellte Layout direkt in Inventor übernehmen und dort weitere konstruktive Details der Montagelinie ergänzen. «Die Kombination aus schneller Planung mit Baukastenprodukten und individueller Verfeinerung der Konstruktion im CAD beschleunigt unsere Abläufe ungemein», bekräftigt Willener.

Vollständige Softwareunterstützung bereits in der Basisversion

Das Angebot von Bosch Rexroth, mit MTpro light eine kostenlose Variante des Layout Designers anzubieten, bringt für Partner wie FMS zwei weitere Vorteile mit sich. Zum einen können Kunden mit MTpro light die von FMS erstellten Layouts darstellen und sich wesentlich besser in die gerade zu planende Anlage hineindenken. Zum anderen bietet MTpro schon in der ebenfalls kostenlosen Basisversion Unterstützung in allen Phasen der Kundenbeziehung, von der Produktinformation und Dokumentation über Produktkonfiguratoren und CAD-Modelle für die Kon­struktion bis hin zur Ersatzteildokumentation mittels Explosionszeichnungen und Ersatzteillisten.

Letzter Punkt hat für Martin Willener den ungemeinen Charme, dass alle für eine Anlage notwendigen Daten immer auf dem Rechner verfügbar sind. Ist im Service etwa schnelle Hilfe gefragt, spart dieser Weg viel Zeit, da die gesamten Dokumente mit wenigen Klicks und ohne Suchen zur Verfügung stehen.


Info
FMS-Technik AG
8222 Beringen
Tel. 052 687 26 26
Fax 052 687 26 20
m.willener@fms-technik.ch
www.fms-technik.ch



Die Funktion ManModel der Rexroth-Projektierungssoftware MTpro erleichtert durch Simulation die Auslegung ergonomischer Arbeitsplätze. (Grafik: Bosch Rexroth AG)


Wird effizienten Abläufen und höchsten ergonomischen Anforderungen gerecht: Montagelinie mit dem Kettenfördersystem VarioFlow und der Förderbahn EcoFlow für die manuelle Verkettung und die höhenverstellbaren Arbeitsplätze. (Bilder: FMS-Technik AG)


Überzeugend sind die einfachen Konfigurations- und Kombinationsmöglichkeiten des Montagesystems von Rexroth. Aufbau und Inbetriebnahme erfolgten bei Berlinger in weniger als drei Monaten nach der Angebotsabgabe.

Perfekte Dopingkontrolle

Zwei Flaschen, zwei Deckel und ein Urinbecher: Das ist alles, was es für die Dopingprobe braucht. Den Sicherheitsdeckel nach dem Füllen der Flaschen zudrehen, bis es nicht mehr weitergeht. Ein Stück zurückdrehen, um sicherzugehen, dass sie richtig verschlossen sind. A- und B-Probe kommen dann in einen wasserdicht schliessenden Plastikbeutel. In der Originalverpackung des Kits oder in einer Kühlbox folgt jetzt der Versand zum Dopingkontrolllabor, das dann eine vollkommen anonymisierte Analytik startet. Damit die Zuordnung der Sportler zur Probe später eindeutig möglich ist, sind die mit einer Schrumpffolie versiegelten Glasflaschen, Sicherheitsdeckel und die Aussenverpackung eines Sets identisch nummerisch codiert. Sind die Flaschen mit der Probe einmal verschlossen, können sie nur durch das Trennen des Deckels in zwei Teile wieder geöffnet werden.