Eine Publikation der Binkert Medien AG
Saubere Logistiklösung von TGW macht bei Kärcher den Unterschied : Ausgabe 04/2014, 16.04.2014

Hochdruck in der Ersatzteilversorgung

Wenn es um Reinigungssysteme geht, wird weltweit auf Produkte und Lösungen von Kärcher gesetzt – sowohl von privaten als auch von professionellen Anwendern. Doch was tun, wenn eine Düse des Hochdruckreinigers verstopft ist? Kein Problem, das von TGW realisierte Logistikzentrum von Kärcher in Obersontheim sorgt für schnellsten Ersatz.

Bei der grossen Anzahl an privaten und gewerblichen Anwendern weltweit trägt eine schnelle Ersatzteilversorgung wesentlich zur Kundenzufriedenheit bei. Kärcher setzt dabei auf eine Zentrallagerlösung. Seit 1993 betreibt das Unternehmen in Obersontheim ein Logistikzentrum. Das rasche Wachstum, die ständige Ausweitung des Teilespektrums und die Zunahme der direkten Belieferung von Endkunden machten 2009 eine Neukonzeption des Standortes notwendig. Miebach Consulting hat Kärcher in der Projektleitung unterstützt. Mit der Realisierung der technischen Lösung wurde nach einer breiten Ausschreibung der Systemintegrator TGW betraut. «Wir haben einen Komplettanbieter gesucht, der möglichst viel abdecken kann. TGW hatte diese Möglichkeiten: Sie können die Technik liefern, die entsprechende Software programmieren und nicht ‹nur› ein AKL, eine Hochregallagervorzone oder ein Shuttle bauen, sondern die gesamten Gewerke im Verbund realisieren», erklärt Roland Fahrmeier, Bereichsleiter Logistics Management bei Kärcher. Über 60 000 Ersatzteile und rund 5000 Zubehörartikel sind derzeit in Obersontheim auf Lager, darunter auch Langsamdreher, die ein starkes, zentrales Distributionszentrum sinnvoll machen. 2,8 Mio. Auftragspositionen werden pro Jahr versendet. In den Spitzenmonaten im Frühjahr wickelt das Distributionszentrum bis zu 300 000 Auftragspositionen im Monat ab. Früher wurde Mann-zur-Ware kommissioniert, heute erfolgt der Prozess hauptsächlich umgekehrt. Kärcher hat sich für eine Lösung entschieden, die aus mehreren Lager- und Kommissionierbereichen besteht, um für jeden Artikel den richtigen Prozess wählen zu können. Den mengenmässig grössten Anteil nimmt dabei das Kleinteilelager ein, aus dem zirka 70 Prozent der Auftrags­positionen kommissioniert werden.

Ware-zur-Person

Das von TGW realisierte AKL umfasst 85 000 Stellplätze für Behälter, die im Waren­eingang mit den Artikeln befüllt werden, die aufgrund ihrer Grösse für die Lagerung in Behältern geeignet sind. In den acht Regalgassen mit jeweils 77 m Länge sorgen Einmast-Regal­bediengeräte des Typs Mustang für die einfachtiefe Ein- und Auslagerung in den 14 m hohen Regalen. Dieses AKL sorgt für die vollautomatische Versorgung der Kommissionierarbeitsplätze. In der Kommissionierung wird nach dem Prinzip Ware-zur-Person gearbeitet. Beim Design der Kommissionierplätze legten Kärcher, Miebach und TGW besonderes Augenmerk auf ergonomische Gestaltung und hohe Kommissionierleistung. Deshalb kommen hier acht TGW PickCenter-Arbeitsplätze zum Einsatz. An jedem wird abwechselnd aus den beiden verfügbaren Quellbehältern kommissioniert. In der Mitte befindet sich der offene Auftragsbehälter. Alle drei Positionen sind geneigt angeordnet, um den Mitarbeitern einwandfreie Einsicht und einen optimalen Greifweg zu ermöglichen. Ausserdem wurde in diesen Arbeitsplätzen ein sehr schneller Wechsel der Behälter realisiert, damit während des Vorgangs keine Wartezeiten entstehen.

Ergonomische Arbeitsplätze

Neben der funktionalen und optischen Gestaltung legte TGW auch bei der Bedienerführung die Erkenntnisse aus der Ergonomieforschung zugrunde. Die Position des Bildschirms, auf dem die Anweisungen für den Mitarbeiter so gross und einfach wie möglich angezeigt werden, wurde entsprechend gewählt ebenso wie die Taster zum Bestätigen der Kommissioniervorgänge. Um auch bei mehrfach unterteilten Behältern die Sicherheit zu haben, das richtige Teil zu nehmen, markiert ein rotes Licht das korrekte Fach, aus dem die Ware entnommen werden muss. Alle diese Massnahmen ermöglichen den Mitarbeitern an jedem Arbeitsplatz eine sehr hohe Kommissionierleistung. Parallel zur Kommissionierung im Kleinteilebereich werden auch die grösseren Waren in anderen Bereichen des Distributionszentrums kommissioniert. «In der Regel haben wir mindestens drei Positionen je Auftrag», sagt Fahrmeier. «Das heisst, wir müssen die Waren aus verschiedenen Bereichen konsolidieren. Das war auch einer der Gründe, das Shuttle-System einzusetzen.» 5200 Behälter haben in diesem zweigassigen Pufferlager Platz. Insgesamt 36 TGW-Stingray-Shuttles sorgen in diesem System für die notwendigen 1800 Ein- und Auslagerungen in der Stunde. Die kommissionierten Behälter werden konsolidiert und in der optimalen Reihenfolge für die Verpackung zur Verfügung gestellt.

Hochleistungs- Konsolidierungs-Puffer

«Das Shuttle-System gibt uns die Möglichkeit, zum spätest möglichen Zeitpunkt die Waren herauszuholen, in ein Paket zu konsolidieren und an den Kunden zu senden. Dadurch schaffen wir es, möglichst wenige Packstücke für unsere Kunden zu erzeugen. Und wenn der Kunde mehrmals am Tag bestellt, haben wir auch das Ziel, diese Mehrfachbestellungen in ein Paket zusammenzubringen», erzählt der Kärcher-Logistikleiter. Die Kunden des Reinigungsspezialisten haben den Vorteil, dass sie genau ein Paket am Tag bekommen, für Kärcher bedeutet das ausserdem, dass weniger Verpackungsmaterial benötigt wird, die Verpackung effizienter arbeiten kann und weniger Pakete versendet werden. Zusätzlich zu den Waren in Behältern, die aus dem Stingray-Shuttle-System automatisch an die Verpackungsarbeitsplätze kommen, werden grössere Waren manuell bereitgestellt. Der Arbeitsschwerpunkt in diesem Bereich liegt am Nachmittag zwischen 12 und 18 Uhr, um rechtzeitig vor den Abfahrtszeiten der Lkw die Bestellungen versandfertig zu haben. Die neue Logistiklösung in Obersontheim trägt wesentlich dazu bei, dass Kärcher hoch zufriedene und begeisterte Kunden hat.

Die Zukunft liegt im e-Commerce

Für das Logistikteam von Kärcher heisst das aber nicht, dass man sich jetzt ruhig zurücklehnen kann. Weiteres Wachstum und damit eine weitere Ausweitung des Teilespektrums sind so gut wie sicher. Die aktuelle Logistiklösung wird dieses Wachstum einige Zeit gut bewältigen können. Für die Zeit danach wurde schon in der Planung mit vorhandenen Flächen vorgesorgt, die eine Verdopplung der derzeitigen Kapazitäten ermöglichen. Im Mittelpunkt dieser Herausforderung steht dabei das Thema e-Commerce.


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Aus dem automatischen Klein­teilelager werden 70 Prozent der Auftragspositionen kommissioniert. (Bild: TGW)