Eine Publikation der Binkert Medien AG
Türen und Tore auf ihre Sicherheit und Funktionalität prüfen: Ausgabe 06/2014, 12.06.2014

Im Zweifelsfall den Fachmann fragen

Schliessende Rolltore, insbesondere Schnelllauftore, sind eine Gefahrenquelle. Die Unfalluntersuchungen ergaben: Die vorgeschriebene Sicherung der Hauptschliesskante des Tors reicht nicht immer aus, wenn auch Fussgänger das Tor benutzen. In diesem Fall ist eine zusätzliche Schutzmassnahme notwendig.

Szenario: Es herrscht reger Staplerverkehr. Kurz nachdem ein Stapler das geöffnete Schnelllauftor passiert hat, schliesst sich dieses auch schon wieder automatisch und fährt mit hoher Geschwindigkeit nach unten. Die eingestellte Zeitverzögerung verhindert, dass der Schliessvorgang des Tors zu früh beginnt. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Fussgänger vom herunterfahrenden Tor getroffen werden. Meist werden die Fussgänger bei diesen Unfällen am Kopf verletzt. Auch Prellungen und/oder Stauchungen der Wirbelsäule sind häufig die Folge.

An die Fussgänger denken

Die Untersuchungen von Unfällen mit Schnelllauftoren ergaben, dass die Tore meist sowohl für den Fahr- als auch für den Fussgängerverkehr vorgesehen sind. Aber auch wenn für den Fussgängerverkehr eine separate Tür vorhanden ist, wird sie oft nicht benutzt.

Bei den Unfalluntersuchungen wurde ausserdem festgestellt, dass die Schnelllauftore dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik entsprachen. Trotzdem verletzen sich Mitarbeiter, weil sie sich während der Schliessbewegung im Gefahrbereich aufhielten. Reicht die aktuell vorgeschriebene Sicherheitstechnik aus?

Gefährdungsbeurteilung gibt Gewissheit

Das automatische Öffnen des Tors wird ausgelöst, wenn ein Gabelstapler oder ein anderes Transportmittel über die im Boden angebrachten Induktionsschleifen fährt. Dieser Vorgang des Öffnens kann aber auch eingeleitet werden, wenn sich in diesem Bereich Fussgänger befinden. Und wenn sich ein Fussgänger dann im ungünstigen Moment, nämlich wenn die Schliessbewegung des Tors schon eingeleitet ist, genau im Torbereich befindet, kommt es zum Unfall. Wie lassen sich solche Unfälle verhindern?

Der Betreiber muss eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Dabei muss er insbesondere das Vorfeld der Tore betrachten sowie die gesamte Logistik einschliesslich des Personenverkehrs auf vorhandene Gefährdungen analysieren und beurteilen. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass trotz den für Rolltore vorgeschriebenen Schutzmassnahmen nicht ganz auszuschliessen ist, dass durch sie Personen verletzt werden können, muss der Betreiber eine zusätzliche Schutzmassnahme durchführen. Eine solche zusätzliche Schutzmassnahme kann z. B. die Installation von Bewegungsmeldern sein, die den gesamten Bereich vor dem Tor erfassen. Sie sorgen dafür, dass die Schliessbewegung des Tors erst dann freigegeben wird, wenn sich niemand mehr in diesem gesamten Bereich befindet. Sollten die Tore nicht umrüstbar sein, empfiehlt sich, neue Tore durch eine Fachfirma installieren zu lassen.

20 Fragen zur Situation im Betrieb

Bei der Gefahrenbeurteilung empfehlen wir, 20 Fragen zu beantworten, die Ergebnisse zu protokolieren, Massnahmen umzusetzen und deren Ausführung zu kontrollieren.

1.   Sind gefährliche Klemm- und Scherstellen ausreichend gesichert? Dies kann durch Kraftbegrenzung des Torantriebs oder ausreichend grosse Sicherheitsabstände zu umgebenden Toren erfolgen.

2. Sind bei kraftbetriebenen Türen und Toren die Antriebe gesichert, z. B. durch Einhausung oder bei Kettenantrieben durch Sicherung der Auflaufstellen?

3. Kann bei Toren mit Schlupftür der Torflügel nur bewegt werden, wenn die Schlupftür geschlossen ist (Verriegelung)?

4. Besitzen kraftbetätigte Türen und Tore einen Hauptschalter, mit dem der Antrieb allpolig abgeschaltet werden kann?

5. Kann der Hauptschalter gegen irrtümliches oder unbefugtes Einschalten gesichert werden (z. B. durch Vorhangschloss)?

6. Sind Schiebetüren und -tore gegen «Entgleisen» (Herausfallen) und Ausheben gesichert?

7. Sind nach oben öffnende Schiebetüren und -tore gegen Herausfallen gesichert (z. B. durch eine Fangvorrichtung)?

8. Sind die Gegengewichte geführt und ist ihr Gefahrenbereich mit robusten Verdeckungen gesichert?

9. Sind zur Vermeidung von Gefahren durch innerbetrieblichen Verkehr im Bereich von Türen und Toren (z. B. Aufschlagen von Türen gegen Personen, Personendurchgang direkt in eine Fahrbahn usw.) geeignete Massnahmen getroffen worden?

10. Sind Pendeltüren durchsichtig oder mit einem ausreichend grossen Sichtfenster versehen?

11. Sind nicht bruchsichere Türen aus durchsichtigem Material z. B. durch in Augenhöhe angebrachte Kleber erkennbar?

12. Bestehen lichtdurchlässige Flächen von Türen in Verkehrswegen, in denen regelmässig Material von Hand oder Beförderungsmitteln transportiert wird, aus Sicherheitsglas oder einem Kunststoff mit vergleichbaren Sicherheits­eigenschaften?

13. Ist sichergestellt, dass kraftbetätigte Türen und Tore nach Bedarf (aber mindestens einmal jährlich) von einem Sachkundigen geprüft werden?

14. Werden diese Prüfungen durch Prüfbescheinigungen dokumentiert?

15. Werden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten nur durch qualifiziertes Personal durchgeführt?

16. Lassen sich Türen in Fluchtwegen jederzeit rasch und ohne Hilfsmittel in Fluchtrichtung öffnen?

17. Können kraftbetätigte Türen und Tore von beiden Seiten und ohne besonderen Kraftaufwand auch von Hand geöffnet werden?

18. Sind Hand- und Kraftantrieb gegeneinander verriegelt?

19. Sind für alle kraftbetätigten Türen und Tore Betriebs- und Instandhaltungsanleitungen der Hersteller vorhanden?

20. Ist sichergestellt, dass sich kraftbetätigte Türen und Tore, die einen Brandabschluss bilden, bei Ausfall der Energieversorgung selbsttätig schliessen?

Machen Sie einen Rundgang in Ihrem Betrieb und beantworten Sie bitte diese Fragen. Bei Unklarheiten empfiehlt sich, den Rat eines Spezialisten für Türen und Tore einzuholen.


Info
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5080 Laufenburg
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Schnellauftore nach dem neuesten Stand der Technik sorgen für maximale Betriebssicherheit. (Bild: Efaflex).