Eine Publikation der Binkert Medien AG
Still RX 60-80 im Probebetrieb bei der Krombacher Brauerei : Ausgabe 07/08/2014, 26.08.2014

Erfahrungen gesammelt

Der neue Still-Elektrogabelstapler RX 60-60/80 mit einer Tragkraft von 6 bis 8 Tonnen steht energie­geladen in den Startlöchern. Er ist das erste Elektrofahrzeug dieser Tragkraftklasse in der Geschichte der Marke Still. Kann das Elektro-Kraftpaket den hohen Erwartungen der Zielbranchen gerecht werden?

Im imposanten Lkw-Bahnhof des Logistikzentrums der Krombacher Brauerei, Deutschlands grösster Privatbrauerei. verladen rund um die Uhr 10 bis 15 Stapler gleichzeitig die Brauereierzeugnisse auf Lkws – während der Hochsaison auf bis zu 400 täglich. Im Akkord pendeln die Stapler zwischen Blocklager, «Lkw-Boxengasse» und den Endpunkten der Abfüllanlagen. Das sind zwei Förderbänder, eines für Leergut, das andere für volle Getränkekisten.

Motorisierter «Ameisenhaufen»

Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie wie ein motorisierter Ameisenhaufen. Alle Fahrzeuge scheinen in einer beängstigenden Geschwindigkeit wild durcheinander­zufahren. Doch auf den zweiten Blick offenbart sich die unglaubliche Filigranität, mit der die Fahrer ihre Gabelstapler durch die Halle manövrieren. Jeder weiss zu jeder Zeit genau, wo er hin muss. Und obwohl der Platz begrenzt ist und die Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind, liegt nicht einmal der Hauch einer möglichen Kollisionsgefahr in der Luft. Fast, als wäre es Telepathie. Natürlich ist es keine Telepathie, wie Günter Hombach, Leiter Fertigwarenlager und Verladung bei Krombacher, erklärt: «Jeder Gabelstapler ist einer bestimmten Abfüllstation zugeordnet. Er ist dafür verantwortlich, die dort ankommenden vollen Getränkekisten abzutransportieren.» Eine wichtige Aufgabe, denn: «Sollten sich an einer Station zu viele Kisten anstauen, kommt im schlimmsten Fall die ganze Abfüllanlage zum Stillstand.» Damit auch die übrige Arbeitsaufteilung schnell, übersichtlich und reibungslos funktioniert, sind die Fahrerkabinen der Stapler mit Terminals ausgestattet. «Dort werden die aktuellen Be- und Entladeaufträge angezeigt und die Fahrer können sie mit einem einfachen Fingertipp für sich reservieren», so Hombach.

Felderprober im Test

Die Heckgewichte der Fahrzeugflotte tragen ein Lackkleid im typischen Krombacher-Türkis. Bis auf eine Ausnahme: Mitten im hervorragend organisierten Getränke­verladungstreiben sticht ein grosses orange­farbiges Heckgewicht hervor. Es gehört zu einem sogenannten Felderprober des RX 60-80, den Still der Krombacher Brauerei seit Dezember letzten Jahres zur Verfügung stellt. Es ist der erster Elektrogabelstapler mit einer Tragkraft von bis zu 8  Tonnen in der Geschichte der Still GmbH. Felderprober sind weit fortgeschrittene Prototypen, die ausgewählten Kunden kurz vor Abschluss der Produktentwicklung zur Verfügung gestellt werden, um sie unter realen Einsatzbedingungen zu testen. Das Ziel: letzte mögliche Schwachstellen offen­legen und ausmerzen. Krombacher ist ein optimaler Partner für einen derartigen Praxistest: In Blocklager und Lkw-Bahnhof wird den Staplern alles abverlangt. Würde man sämtliche Kisten stapeln, die hier an einem Tag auf Lkws verladen werden, so entstünde ein Kistenturm neunmal höher als der Mount Everest. Da die Arbeit folglich schnell gehen muss und Paletten mit Getränkekisten schwer sind, kommen hier ausschliesslich Fahrzeuge mit einer Tragkraft zwischen 5 und 8 Tonnen zum Einsatz. Sie können schwere Lasten transportieren und sind dennoch kompakt genug, um sicher durch die engen Lagergassen zu steuern. Bis zu 6 mit insgesamt 288 vollen Getränkekästen beladene Paletten transportiert der starke Still-Elektro­stapler mühelos. Geht es um das Bewegen leerer Fässer, hebt der RX 60-80 sogar ganze 18  Paletten auf einmal.

Umweltfreundlicher Betrieb

Neben Kraft und Kompaktheit bietet der E-Stapler einen weiteren grossen Vorteil: Umweltfreundlichkeit. Die Stapler bei Krombacher sind die meiste Zeit im Innenbereich des Blocklagers und im Lkw-Bahnhof unterwegs. Mittlerweile sind zwar auch verbrennungsmotorische Fahrzeuge sehr schadstoffarm, doch mit Elektrostaplern lassen sich Abgase und Co komplett vermeiden. «Wir haben deshalb vor einigen Jahren das Ziel ausgegeben, die gesamte Staplerflotte im Lagerbereich durch Elektro­stapler auszutauschen», so Günter Hombach. Gesagt, getan: Ende 2013 erreichte das Umrüstungsprojekt einen wichtigen Meilenstein, als der letzte verbliebene Fünf-Tonnen-Dieselstapler eines Mittbewerbers durch einen neu entwickelten Still-RX 60-50-Elektrostapler abgelöst wurde.

Kompakt und stark

Dieser Erfolg könnte sich nun mit dem RX 60-80 in der Acht-Tonnen-Gewichtsklasse wiederholen. Und das nicht nur bei Krombacher. «Ein solcher Stapler ist für alle Branchen interessant, in denen es gilt, mit einem kompakten Fahrzeug sowohl im Aussen- als auch im Innenbereich schwere Lasten zu transportieren. So wie es beispielsweise in der Getränkeindustrie der Fall ist», erläutert der für den neuen RX 60 zuständige Still-Produktmanager Gerald Strugg. «Gerade im Innenbereich bieten Elektrostapler den grossen Vorteil, dass sie nahezu lautlos und völlig abgasfrei unterwegs sind. Auch extreme Anforderungen an die Sauberkeit, wie zum Beispiel in der Papierindustrie, sind kein Prob­lem, denn die Fahrzeuge stossen keinen Russ aus.» An Stückzahlen gemessen sei der Bedarf an Acht-Tonnen-Staplern zwar geringer als im Fünf-Tonnen-Segment, aber «als Komplett­anbieter wollen wir mit unseren Fahrzeugen natürlich auch den kompletten Bedarf unserer Kunden abdecken», nennt Strugg eines der Argumente, aus denen heraus Still sich für die Entwicklung des RX 60-60/80 entschied.

Positiver Gesamteindruck

Stellt sich die brennende Frage: Wie macht sich der seit Dezember 2013 bei Krombacher eingesetzte Felderprober in der Praxis? Kurzantwort: Äusserst vielversprechend, wenn auch noch nicht ganz perfekt. «Ein grosser Pluspunkt ist die enorme Wendigkeit. Der Wendekreis liegt deutlich unter dem der eingesetzten Dieselfahrzeuge», benennt Günter Hombach einen der Aspekte, die ihm am grossen RX 60 gefallen. Ihm fallen noch mehr ein. So habe ihn nicht nur die Standfestigkeit des Fahrzeugs «absolut positiv überrascht», sondern auch die Zuverlässigkeit: «Obwohl es sich um einen Felderprober handelt, hatte unser Werkstattmeister bislang nicht die geringste Arbeit mit dem Fahrzeug.» Doch es gibt auch kleine Verbesserungen, die Hombach sich für das fertige Serienfahrzeug wünscht. Beispielsweise eine etwas weiter vorstehende Trittstufe: «Wenn unsere Fahrer vorschriftsgemäss rückwärts absteigen, ist die Trittstufe völlig ausreichend. Allerdings kommt es in der Praxis immer wieder vor, dass Bediener ihr Fahrzeug vorwärtsgewandt verlassen. Daher wäre es gut, wenn die Trittstufe so weit herausragen würde, dass man sie auch mit dem Hacken nutzen kann.»

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Fahrzeughersteller und einem möglichen Kunden mit praktischem Bedarf für ein entsprechendes Fahrzeug ist für den Entwicklungsendspurt sehr wichtig, wie Still-Produktmanager Gerald Strugg unterstreicht: «Durch die aus dem praktischen Einsatz gewonnenen Erfahrungen gelang es uns, das Fahrzeug noch weiter zu verbessern. Beispielsweise ist das Serienfahrzeug leistungsfähiger als die Felderprober und optional mit einer grösseren Trittstufe erhältlich.» Dabei sind sich die Verantwortlichen von Krombacher und Still jedoch bewusst, dass ein Elektrostapler nie ganz an die Leistung eines Dieselstaplers heranreichen wird. Aber Strugg zufolge habe man nun «sichergestellt, dass der Elektrostapler nicht der logistische Flaschenhals ist.» Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Still-Dieselstapler RX 70-60/80 insgesamt zwar etwas flotter unterwegs ist als sein neuer Elektrobruder, dass aber auch der RX 60-60/80 so leistungsstark ist, dass er den harten Anforderungen der Zielbranchen genügt. Im Vergleich zu verbrennungsmotorischen Staplern bietet das elektrische Kraftpaket den Unternehmen über die Umweltfreundlichkeit hinaus einen weiteren grossen Vorteil: «Die Betriebskosten des Elektrostaplers liegen 30  Prozent unter denen der von uns eingesetzten Dieselstapler», so Hombach.

Derzeit befinden sich noch 14 ver­brennungsmotorische Acht-Tonnen-Stapler eines Wettbewerbers bei Krombacher im Einsatz. Stück für Stück sollen diese gegen Elektrostapler ausgetauscht werden. Sobald es ein geeignetes Fahrzeug zu einem vernünftigen Preis gäbe, wie Hombach betont. Dann würde die gesamte Getränkeverladung bei Krombacher komplett mit Elektrostaplern erfolgen und somit gesundheitsschonender, sauberer und günstiger als bisher. Mit dem RX 60-60/80 ist Still auf dem besten Wege, zahlreichen Unternehmen diverser Branchen einen solch vorteilhaften Austausch zu ermöglichen.

Heiko Görtz, Still GmbH, DE-22113 Hamburg


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Der kompakte und übersichtlich gestaltete Stapler besticht durch feinfühlige Bedienung, präzises Fahren und punktgenaues Heben mit guter Sicht nach allen Seiten.


Wie alle Elektrogabelstapler von Still bietet auch der RX 60-60/80 einen seitlichen Batteriewechsel. (Bilder: Gerd Knehr, DE-72760 Reutlingen)