Eine Publikation der Binkert Medien AG
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Energiespartagung für die Antriebskompetenz von morgen : Ausgabe 09/2014, 18.09.2014

Verbrauch pro Applikation senken

Am 13. Juni 2014 kamen Fachleute aus der HLK- und Antriebstechnik in der Umweltarena Spreitenbach zusammen, um sich über den aktuellen Stand der Technik, Einsparpotenziale und konkrete Lösungsmöglichkeiten für effiziente Antriebe zu informieren.

Was ist für Betreiber zu beachten, welche Chancen ergeben sich mit der neuen EU-Effizienz-Direktive? Die Veranstalter und Spezialisten von Emerson Industrial Automation, EE AG Hinwil, KSB Zürich AG und Emerson Process Management luden dazu Kunden, Experten und Partner zum Motto «Komm, wir machen Technik» ein. Denn die Einsparpotenziale sind enorm und könnten sogar ganze Kernkraftwerke ersetzen. Fachreferate ergänzten das Wissen aus der Praxis. Im Folgenden zwei Kurzinterviews mit Tagungsteilnehmern von Emerson Industrial Automation (EIA) und Emerson Process Management (EPM).

Energieeffizienz in der Gesamtbetrachtung sehen

Rund 70 Prozent der in der Industrie benötigten elektrischen Energie werden von Elektromotoren benötigt. Angesichts der Vorgaben zur Verringerung der CO2-Emissionen und zur Erfüllung der geforderten Energieeffizienz stellte Hansjörg Biland von EIA eine innovative Technologie für drehzahlvariable Antriebe vor, den Dyneo Permanentmagnetmotor.

Material Handling: Herr Biland, 80 Prozent der industriellen Antriebe sind (noch) nicht geregelt. Welches Potenzial sehen Sie für frequenzgeregelte Elektromotoren?

Hansjörg Biland: Viele Applikationen laufen heute auf Netzbetrieb, also unabhängig vom Leistungsbedarf wird vom Elektromotor die Energie gezogen, und dieser wird nicht lastgeregelt gefahren. Da ist ein grosses Potenzial vorhanden, neue Technologien (Motor & Drives) für die Applikatio­nen einzusetzen, die auf den Prozess abgestimmt und genau zu diesem Zeitpunkt auch benötigt werden.

Wo liegt der konkrete Mehrwert dieser Effizienzsteigerung?

Ein direkter Mehrwert ist natürlich, die Energiekosten zu reduzieren, also nur die Energie zu nutzen, die für den Prozess verlangt respektive benötigt wird. Energie­kosten werden für die Zukunft ein wichtiges Thema, da diese mit grosser Sicherheit nur noch steigen werden. Dann kommt hinzu, dass man die Energieeffizienz in einer Gesamtbetrachtung aller ökonomischen und ökologischen Aspekte steigern soll und kann.

Was bieten die Dyneo-IE 4-Permanent­magnetmotoren?

Das Besondere an dieser Permanentmotor-Technologie ist, dass die Leistungsverluste des Rotors eliminiert werden können. Dieser Motor ist wie ein Asynchronmotor aufgebaut, aber hier hat man keine Verlustleistung im Rotor, was eine höhere Effi­zienz – auch im Teillastbereich ermöglicht.

Für welche Einsatzgebiete ist der Dyneo-Permanentmagnetmotor prädestiniert?

Für Einsatzgebiete, wo man eher grössere Leistungen benötigt, und speziell für Anwendungen, welche auch im Teillastbereich betrieben werden. Besonders im Teillastbereich macht sich ein effizienter Antrieb in den Gesamtkosten bemerkbar.

Auswirkungen der EU-Energieeffizienz-Direktive für die Schweiz?

Die EU-Energieeffizienz-Direktive sowie die vom Bund erlassenen Regelwerke wie die ES 2050 tangieren alle Betreiber von Antriebsanlagen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, in welcher Form sich diese unterscheiden und ob sich die entsprechenden Massnahmenpakete in unserer vernetzten Welt gegenseitig tangieren und beeinflussen. Bernhard Amacker von der Division Emerson Process Management (EPM) klärt über die Zusammenhänge auf.

Herr Amacker, wer muss sich zukünftig mit der EU-Direktive beschäftigen?

Bernhard Amacker: Die EU-Direktive ist nur für Firmen relevant, die im EU-Raum geschäftlich tätig sind. In der Schweiz ist die ES 2050 massgebend.

Was sind die drei wichtigen Kernaussagen zur ES 2050?

Motiv ist das Bestreben, Energieeffizienz landesweit zu erhöhen, um längerfristig die Energieversorgung sicherzustellen. Der Massnahmenkatalog ist noch in Arbeit und wird in Kürze von den Räten verabschiedet.

26 Prozent sollen durch diese Massnahmen eingespart werden, aber 14 Prozent fehlen, wenn der Atomstrom wegfällt. Was meinen Sie dazu?

Ja, das ist eine riesengrosse Herausforderung. Man ist sich im Klaren, dass diese Anforderungen enorm ehrgeizig sind. Aber man muss alles unternehmen, um in diese Richtung zu arbeiten. Es handelt sich dabei um eine essenzielle Frage hinsichtlich unserer Prosperität sowie bezüglich dem Ziel, den Industriestandort Schweiz langfristig zu sichern. Mit geringerem Verbrauch pro Applikation möchte man auch mehr Energie verfügbar haben.

Wie sieht die Zielvereinbarung in der ES 2050 aus?

Grössere Industriebetriebe werden künftig verpflichtet sein, Zielvereinbarungen auszuhandeln. Über sogenannte Audits wird die bisherige Effizienz eruiert. In der Folge legt man fest, was man an Einsparungen erreichen möchte. Anschliessend wird geprüft, ob die Massnahmen greifen. Je nach Bewertung kann entweder eine Prämie oder eine Pennale resultieren. Grundsätzlich ist es sicher ratsam, sich zu hinterfragen, ob im Betrieb alle Prozesse richtig funktionieren, wo die grössten Einsparpotenziale bestehen. Auf dieser Basis ist es vernünftig, mit Fachgremien Massnahmen zu erarbeiten und einen Plan zur Umsetzung zu erarbeiten.


Info
Emerson Industrial Automation
5413 Birmenstorf
Tel. 056 201 42 42, Fax 056 201 42 43
controltechniques.ch@emerson.com
www.controltechniques.ch




Bernhard Amacker: «Das Thema Energieeinsparung ist eine der Kernfragen, um den Industriestandort Schweiz langfristig zu sichern.»


Hansjörg Biland: «Besonders im Teillastbereich macht sich ein effizienter Antrieb in den Gesamtkosten bemerkbar.»


Beim Dyneo-IE 4-Permanentmagnetmotor von Emerson sind die Leistungsverluste des Rotors eliminiert worden. (Bilder: Emerson)