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«Neue» Betriebssicherheitsverordnung richtig umsetzen : Ausgabe 12/2015, 08.12.2015

Risiken und Kosten reduzieren

Maschinenbauer und Anwender beschäftigen sich mit der Umsetzung der Neuauflage der Betriebssicherheitsverordnung. Der Automatisierungsspezialist Pilz steht den Firmen bei Bedarf beratend zur Seite. Die Gefährdungsbeurteilung ist in dieser Sache der zentrale Punkt.

Autor: Christian Bittner, Customer Support, Pilz GmbH & Co. KG

Seit Juni 2015 ist die Novelle der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in Kraft. Die Neuauflage dient der Verbesserung des Arbeitsschutzes bei der Verwendung von Arbeitsmitteln. Insgesamt werden besonders unfallträchtige Bereiche wie Instandhaltungsarbeiten an Arbeitsmitteln sowie der Schutz vor Manipulationen von Schutzeinrichtungen stärker berücksichtigt. Die Änderungen tragen ausserdem der demografischen Entwicklung in Unternehmen sowie den ergonomischen und psychischen Belastungen Rechnung. Sprache und Struktur wurden vereinfacht und Doppelregelungen gestrichen. Als Anbieter von sicheren Automatisierungslösungen kann Pilz bei der Umsetzung der Vorgaben unterstützen.

Ausschliesslich sichere Arbeitsmittel gefordert

Arbeitgeber in allen EU-Ländern sind dazu verpflichtet, Arbeitnehmern ausschliesslich sichere Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Dazu müssen Gefährdungen bewertet, Anlagen überprüft, Prüffristen ermittelt, Prüfergebnisse dokumentiert und Mitarbeiter geschult werden. Auf dieser Grundlage muss der Arbeitgeber eigenverantwortlich alle Arbeitsschutzmassnahmen planen und durchführen, um durch diese seine Beschäftigten vor gesundheitlichen Schädigungen zu schützen. Als entsprechende Vorschrift richtet sich die Arbeitsmittelbenutzungsrichtlinie 2009/104/EG (Use of Work Equipment Directive) an die Verwender von Maschinen und Anlagen. Kurz gefasst, geht es um die (Maschinen-)Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Arbeitsmittelrichtlinie überträgt Unternehmern die Verantwortung für die Sicherheit des Betriebs. Das erhöht die unternehmerische Freiheit, verpflichtet aber auch zur konkreten Umsetzung der Gesetze.

In Deutschland wird die Arbeitsmittelbenutzungsrichtlinie spätestens seit Oktober 2002 durch die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) umgesetzt. Sie regelt die Bereitstellung von Arbeitsmitteln durch den Arbeitgeber, die Benutzung von Arbeitsmitteln durch die Beschäftigten während ihrer Tätigkeit sowie den Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen im Sinne des Arbeitsschutzes. Sie betrifft sowohl die Gerätesicherheit als auch die Ergonomie und auch die Hygiene am Arbeitsplatz. Das in ihr enthaltene Schutzkonzept ist auf alle Gefährdungen anwendbar, die von Arbeitsmitteln ausgehen können. Jetzt wurde die Verordnung konzeptionell und strukturell neu gestaltet.

Gefährdungsbeurteilung als zentrales Mittel

Anforderungen an den Arbeitsschutz sind jetzt als Schutzziele formuliert und gelten für alle Arbeitsmittel. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Gefährdungsbeurteilung ein. Sie schreibt dem Arbeitgeber vor «die notwendigen Massnahmen für die sichere Bereitstellung und Benutzung der Arbeitsmittel zu ermitteln». Die Gefährdungsbeurteilung sollte bereits bei der Beschaffung von Arbeitsmitteln begonnen werden und ist vor Beginn jeder Instandhaltungsmassnahme vorgeschrieben. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese Forderung sowohl beim erstmaligen Gebrauch des jeweiligen Arbeitsmittels als auch anschliessend regelmässig durch Prüfungen sicherzustellen. Erforderliche Schutzmassnahmen müssen in der Gefährdungsbeurteilung entsprechend dem Stand der Technik bewertet werden. Auf Basis der Gefährdungsbeurteilung legt der Arbeitgeber Art, Umfang und Prüffristen der erforderlichen Arbeitsmittelprüfungen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben selbst fest. Die gesamte Gefährdungsbeurteilung ist schriftlich zu dokumentieren und aktuell zu halten.

Ausserdem hat der Arbeitgeber für seine Arbeitsmittel Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen der Schutzeinrichtungen festzulegen. Hilfestellung findet der Arbeitgeber in der Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1201, die bewährte Prüffristen für wiederkehrende Prüfungen listet. Weitere Neuerungen zielen auf eine stärkere Berücksichtigung ergonomischer und psychischer Gesichtspunkte bei der Verwendung von Arbeitsmitteln. Genauer spezifiziert die Novelle auch die Anforderungen und Prüfpflichten für besonders gefährliche Arbeitsmittel wie Krane, bühnentechnische Einrichtungen oder auch Aufzüge. Diese überwachungsbedürftigen Anlagen sind jetzt in den Anhängen der Verordnung gelistet. Durch den Prozess der Gefährdungsbeurteilung und Dokumentation können Unfälle verhindert, arbeitsbedingte Erkrankungen vermieden und dadurch auch Kosten eingespart werden. In vielen Fällen lassen sich auch Versicherungsbeiträge senken.

Umsetzung durch befähigte Person

Für die Erstellung der notwendigen technischen Dokumentation sowie Durchführung der sicherheitstechnischen Prüfungen nach BetrSichV müssen Unternehmen auf sogenannte befähigte Personen zurückgreifen. Welche Anforderungen eine befähigte Person erfüllen muss, gibt die Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 1203 vor. Grundsätzlich muss eine Berufsausbildung vorliegen, eine gewisse Berufserfahrung, eine zeitnahe berufliche Tätigkeit und entsprechende regelmässige Weiterbildungen auf dem zu prüfenden Gebiet. Ein Arbeitgeber ist in seiner Entscheidung frei, welchen Mitarbeiter er zur befähigten Person ernennt. Er muss sich von dessen Kompetenz überzeugen und diese im Rechtsfalle nachweisen können. Die schriftliche Ernennung zur befähigten Person ist dabei obligatorisch.

Gemeinsame Sache mit dem Dienstleister machen

Alternativ kann ein Unternehmen diese Verpflichtung auch an eine externe Stelle vergeben. Dies entbindet ihn jedoch nicht von der Pflicht, die Kompetenz des ausführenden Unternehmens zu prüfen. Im Gegensatz zu zertifizierten Unternehmen erweisen sich hierbei akkreditierte Stellen als besonders hilfreich, da eine Akkreditierung eine rechtlich verbindliche Kompetenzaussage solcher Stellen trifft. So ist der Nachweispflicht Genüge getan. Die Pilz GmbH & Co. KG, Ostfildern, z. B. unterhält eine unabhängige Inspektionsstelle, akkreditiert durch die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS), die im Auftrag von Unternehmen als befähigte Person die Vorgaben der BetrSichV umsetzt. Das Expertenteam bei Pilz kann aufgrund seiner Erfahrungen, wie auch der Akkreditierung, als befähigte Person im Sinne der BetrSichV auftreten und bietet entsprechende Services an. Diese reichen von der Gefährdungsbeurteilung nach BetrSichV (Anhang 1) und Ermittlung von Prüf­umfang und -fristen für Arbeitsmittel bis zur Erarbeitung von konkreten Lösungsvorschlägen zur Risikominimierung sowie dem rechtssicheren Aufbau der technischen Dokumentation für Behörden.

Gemeinsam mit den Unternehmen erarbeiten die Experten von Pilz Lösungsvorschläge für die Umsetzung konkreter Schutzmaßnahmen, die bei der Gefährdungsbeurteilung ermittelt wurden. Durch eine strukturierte Vorgehensweise bei der Gefährdungsbeurteilung wird dem Anwender aufgezeigt, wie Gefahren reduziert und damit Haftungs- und Betriebskosten des Betreibers gesenkt werden können.

Gefährdungsbeurteilung vom Spezialisten

Pilz erstellt die Gefährdungsbeurteilung für Ihre Maschinen bzw. Maschinenanlagen, die im Fall eines Arbeitsunfalls von erheblicher Bedeutung ist und als Nachweis gegenüber den Behörden dienen kann. Weiterhin kann Pilz Ihnen die Prüfung von Schutzeinrichtungen (z. B. BWS) innerhalb der EU, aber auch weltweit anbieten. Denn, aufgrund der Akkreditierung werden die Inspektionsdienstleistungen von Pilz international anerkannt. Die Inspektionsstelle greift dabei auf qualifizierte Inspekteure in Deutschland sowie in anderen EU-Mitgliedsstaaten zurück.


Info
Pilz Industrieelektronik GmbH
5506 Mägenwil
Tel. 062 889 79 30
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Pilz unterstützt Unternehmen bei der Erstellung der notwendigen technischen Dokumentation sowie bei der Durchführung der sicherheitstechnischen Prüfung nach BetrSichV. Dabei werden mögliche Gefahrenquellen aufgedeckt und so Haftungs- und Betriebskosten reduziert. (Bilder: Pilz)


Die ordnungsmässige Beschaffenheit und Montage sowie die regelmässige Überprüfung von Schutzeinrichtungen (z. B. Lichtgitter, Schutztürsysteme, etc.) sind unerlässlich. Umfang und Frist der Inspektionen werden in verschiedenen nationalen Richtlinien und Gesetzen, wie z. B. BetrSichV in Deutschland, Osha in den USA und Puwer in UK, festgelegt.


Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) ist die deutsche Umsetzung u.a. der Arbeitsmittelbenutzungsrichtlinie 2009/104/EG und dient dem Schutz des Arbeitnehmers und der Überwachung von Maschinen und Anlagen.