Eine Publikation der Binkert Medien AG
Global Warehouse and Logistics GmbH konzentrierte die Lagerverwaltung : Ausgabe 05/2015, 12.05.2015

Expansion per Copy and Paste

Die auf die Möbelbranche spezialisierte Global Warehouse and Logistics GmbH hat vier Lager­verwaltungssysteme durch eine zentrale und durchgängige Lösung von Wanko abgelöst.

Insider wissen es: Die Möbelbranche stellt sehr spezielle Anforderungen an die Logistik. Die Bandbreite reicht von nicht normierten Ladungsträgern über extreme Sperrigkeiten bis hin zu sehr individuellen Warenannahme-Bedingungen. Hinzu kommt, dass jede Handelskette ihre eigenen Regeln definiert, was die Arbeit für Logistikdienstleister nochmals erschwert. Wer sich auf mehrere Kunden einstellen muss, braucht viel Erfahrung und konfigurierbare Software, mit der sich die unterschiedlichsten Prozesse und Wünsche abbilden lassen.

Für diese Aufgabe hatte die Global Warehouse and Logistics GmbH, Logistikdienstleister der Steinhoff-Gruppe, bis zum Jahr 2014 an zwei Lagerstandorten in Westerstede und Leinefelde vier verschiedene Lagerverwaltungssysteme (LVS) im Einsatz. Ergänzt wurde diese IT-Landschaft durch das Transportmanagementsystem (TMS) Pracar von Wanko, mit dem die rund 60 bis 80 täglichen Touren gebildet werden. Zu jedem einzelnen LVS bestand eine Schnittstelle zum Übertragen der Tourdaten, die als Basis der Kommissionierung dienen.

Individuell trotz Standardsoftware

«Die Konstellation mit vier verschiedenen Systemen für die Lagerverwaltung funktionierte zwar, war aber aus mehreren Gründen nicht optimal», so Frank Hagen, der als Prokurist der Geschäftsleitung von Global Warehouse and Logistics angehört. Neben dem hohen Kostenaufwand gab es für Programmänderungen meist mehrere Ansprechpartner. Ausserdem konnte das in Westerstede eingesetzte LVS nur noch bis Juni 2014 gepflegt und weiterentwickelt werden. Das Know-how hing an einem einzigen Mitarbeiter, der sich zu diesem Zeitpunkt in den Ruhestand verabschiedet hat. «Vor diesem Hintergrund war klar, dass wir rechtzeitig eine neue Gesamtlösung für beide Lagerstandorte benötigen», stellt Projektleiterin Susanne Tolle fest. Bereits 2011 nahmen Tolle und Hagen verschiedene Software-Anbieter unter die Lupe und entschieden sich auch bei der Lagerverwaltung für Wanko. «Mit Wanko hatten wir bereits seit 2003 gute Erfahrungen gemacht, sodass wir auch für das neue Projekt die Folgekosten absehen konnten», stellt Tolle fest, die bereits an der Einführung von Pracar beteiligt war. «Zudem kennt Wanko die Besonderheiten von uns und der Möbel­branche», ergänzt Hagen. Weitere Argumente lieferte das LVS Pramag, das harmonisch mit Pracar zusammenarbeitet und eine gemeinsame Datenbank nutzt. «Pramag kann sämtliche Formen von automatisierten und manuellen Lagern verwalten, fahrerlose Transportsysteme (FTS) steuern und beherrscht eine Vielzahl von Strategien und Abrechnungsmodellen», so Hagen. Diese Flexibilität war dringend notwendig, denn in der Möbelbranche erfolgt die Fakturierung mal nach Kubikmetern, mal nach Picks, Lademetern, Colli oder Paletten. «Hier bietet uns Wanko einen grossen Mehrwert, indem wir uns trotz Standardsoftware individuell auf unsere Kunden einstellen können», erklärt Hagen.

Schrittweise Einführung bringt Sicherheit

Unterstützt wird dieser Effekt durch den graphischen Workflow-Editor. Dieser erlaubt es den Anwendern, ihre spezifischen Abläufe selbst im System abzubilden. Komplette Ablaufsequenzen können so auf einen Knopfdruck aktiviert werden. Über definierte Schnittstellen können die individuell gestalteten Workflows in die Standardprozesse eingebunden werden, ohne das Modifikationen an den Programmen vorgenommen werden müssen. «Mit dem Workflow-Editor haben wir zum Beispiel eine kurze Prüf-Routine für das Anlegen von Aufträgen eingesetzt», sagt Tolle. Im konkreten Fall rechnet die Software aus, ob die bestellte Menge einem Vielfachen der Packungseinheit entspricht und schlägt bei Abweichungen Alarm. «Bei uns im Lager reissen wir nämlich keine Verpackungen auf», so Tolle. Nach der Entscheidung für Wanko im Jahr 2012 hatten Hagen und sein Team noch zwei Jahre Zeit für das eigentliche Projekt. Für Westerstede und Leinefelde entwickelte man dabei unterschiedliche Pläne für die Einführung, die in beiden Fällen in mehreren Schritten erfolgte. «Als weitere Besonderheit bot uns Pramag die Möglichkeit der stufenweisen Umstellung, wodurch wir ein Höchstmass an Sicherheit erhielten», betont Hagen.

Geräuschlose Umstellung

Pramag erlaubt eine Umstellung, die komplett parallel zur bestehenden Ablauforganisation verläuft. Diese Parallelität wird möglich, indem der Ist–Ablauf des Kunden im Soll–System von Wanko abgebildet wird. Damit konnte die Umstellung in beliebig grossen Schritten und Zeitabständen gesteuert werden. «In Westerstede haben wird das Projekt in vier Phasen über einen Zeitraum von 18 Monaten eingeteilt, wobei die Steuerung der zwölf FTS und achtzehn RBG (Regalbediengeräte) den Anfang machte», erinnert sich Tolle. Es folgten der Wareneingang und in zwei weiteren Projektstufen der Warenausgang. Hier wurde noch einmal in die einfache und die komplexe Kommissionierung unterschieden. In Westerstede fahren im Hochregal- und Flachlager insgesamt 30 Kommissionierfahrzeuge. Allein im Flachlager arbeiten auf zwei Ebenen bis zu 19 Mitarbeiter im Ein- bis Zweischichtbetrieb, die pro Tag rund 700 Kubikmeter Waren zusammenstellen. Am Standort Leinefelde gibt es nur Block- und Regallager. Dafür waren hier drei der vier früheren Lagerverwaltungssysteme im Einsatz. Die Umstellung auf Pramag erfolgte Kunde für Kunde. Global Warehouse and Logistics konnte das neue LVS an beiden Standorten langsam und schrittweise hochfahren. Die einzelnen Arbeitsschritte wurden währenddessen parallel zum Soll–Ablauf mitgezogen. Im letzten Schritt erfolgt die Inventur der Bestände in der Kommissionierzone und die Einführung von Pramag konnte abgeschlossen werden. «Wir hatten zu jeder Zeit die Möglichkeit, in das altes System zurückzukehren», betont Hagen. Insgesamt habe das Verfahren dazu geführt, dass die Kunden «von der Umstellung nichts gemerkt haben».

Online-Portal macht transparent

Bemerkt wurden hingegen die beschleunigten Abläufe und die höhere Transparenz. Denn parallel mit Pramag wurde das ebenfalls von Wanko stammende Kundenportal «Praweb» eingeführt. Damit kann jeder Kunde online den Status seiner Aufträge oder Abliefernachweise abrufen. Unabhängig davon generiert Pracar zu jedem Auftrag bis zu vier Tage vor Anlieferung eine Avisierung, auf die der Kunde reagieren kann. Fazit: Nach der Einführungsphase läuft Pramag störungsfrei und effizient. Weiteren Expansionsschritten des schnell wachsenden Unternehmens steht somit nichts im Wege. Frank Hagen bringt es auf den Punkt: «Für das neue Lager in der Schweiz machen wir hinsichtlich Software und Prozessen nur noch Copy and Paste».


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Die Umstellung auf Pramag erfolgte Kunde für Kunde. Global Warehouse and Logistics konnte das neue LVS an beiden Standorten langsam und schrittweise «hochfahren». (Bild: Wanko)