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Klaus-Dieter Schwabenthan, GB Handhabungssysteme, J. Schmalz GmbH: Ausgabe 05/2015, 11.05.2015

Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft

Aluminium-Leichtkransysteme verbessern mit ihren guten Laufeigenschaften die Ergonomie und Effizienz im innerbetrieblichen Material- und Warenfluss. Sie können für verschiedenste Anwendungen flexibel und kostengünstig eingesetzt werden.

Klaus-Dieter Schwabenthan ist für den Geschäftsbereich Handhabungssysteme beim Vakuum-Spezialisten J. Schmalz GmbH in Glatten/Deutschland, verantwortlich. Im Interview sieht er einen Trend zu Aluminium-Leichtkransystemen. Das Schmalz Kranprogramm ist als Baukasten­system aufgebaut und ermöglicht eine perfekte Integration in das Arbeitsumfeld.

Material Handling: Herr Schwabenthan, wie entwickelt sich der Markt für Krane?

Klaus-Dieter Schwabenthan: Den Markt für Krane haben lange die etablierten Hersteller von Stahl-Kransystemen dominiert. Deren Ursprung liegt in der Handhabung sehr grosser und schwerer Lasten von bis zu mehreren Tonnen. Als dann kleinere Traglasten von unter 1000 Kilogramm zum Thema wurden, haben viele dieser Anbieter einfach ihr System motorisch angetriebener Schwerlastkrane geschrumpft. Allerdings ist bei diesen Anwendungen der Anteil handgeführter Kransysteme deutlich grösser, und die Anforderungen an Leichtgängigkeit und Ergonomie der Systeme sind andere.

Welche Potenziale gibt es für Schmalz?

Wir haben den Trend zu Leichtkransystemen aus Aluminium mit initiiert und als einer der ersten Hersteller im Jahr 2006 ein ausgereiftes System präsentiert. Seither beobachten wir ein sehr dynamisches Wachstum im Markt für Leichtkransysteme. Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Wachstumstreiber sind unter anderem die wachsende Logistikbranche und das steigende Bewusstsein der Industrie für Ergonomie und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Was erwarten die Kunden heute von modernen Kranlösungen?

Unsere Kunden erwarten von einer modernen Kranlösung, dass sie individuell auf ihre räumlichen Gegebenheiten und ihre spezielle Anwendung angepasst ist. Es geht also nicht um die maximale Traglast, sondern vielmehr um eine der Handhabungsaufgabe angepasste Lösung. Im Vordergrund steht die Entlastung und Akzeptanz der Mitarbeiter. Gleichzeitig sollen natürlich Durchlaufzeiten verkürzt und die Produktivität gesteigert werden. Auch die Investitionssicherheit in Form einer langen Lebensdauer und geringer Verschleisswerte ist für unsere Kunden wichtig.

Welche Branchen und Anwendungen fokussiert Schmalz?

Wir decken die Handhabung von Lasten kleiner 1000 Kilogramm in sämtlichen Logistikprozessen ab. Dazu gehören das Kommissionieren und Umsetzen von Gütern ebenso wie die Maschinenbeladung und die Handhabung in Montageprozessen. Grosses Potenzial für Aluminium-Kransysteme sehen wir in der Automobilbranche, welche als Vorreiter bei der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen gilt.

Mit Ergonomie und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sprechen Sie ein wichtiges Thema an. Welche Bedeutung hat diese Thematik für Sie?

Einerseits steigt das Durchschnittsalter von Arbeitnehmern immer weiter an. Andererseits wird es für Unternehmen schwieriger, Nachwuchskräfte zu finden. Diese strukturellen Veränderungen machen ein Umdenken erforderlich: Arbeitgeber müssen jetzt dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter die Arbeit auch in 10, 20 oder 30 Jahren möglichst noch ohne Beeinträchtigung ausüben können.

Welchen Beitrag können Krane in diesem Bereich leisten?

Krane im Allgemeinen und unsere Alu­minium-Krane im Besonderen reduzieren die Belastungen für den Mitarbeiter beim Transport von Lasten deutlich. Wir haben nachgerechnet: Der nötige Kraftaufwand zum Verfahren der Last ist bei unseren Alu-Kranen nur etwa halb so hoch wie bei vergleichbaren Systemen aus Stahl. Diese Leichtgängigkeit erreichen wir durch eine optimale Masse-Traglast-Relation. Entsprechend reduziert ist das Risiko von Verschleisserscheinungen des Muskel-Skelett-Apparates und Verletzungen durch Überbelastung. Die ergonomischere Arbeit wirkt sich durch geringere Ermüdungserscheinungen natürlich auch positiv auf die Produktivität aus.

Schmalz hat sein Kransystem kürzlich überarbeitet. Was ist neu?

Mit der Überarbeitung unseres Kransystems haben wir die Ergonomie weiter verbessert. Zunächst haben wir den Transporthänger genau unter die Lupe genommen. Die Geometrie war bisher hauptsächlich fertigungstechnisch bestimmt und schrieb einen Rollendurchmesser von 50 Millimetern vor. Durch das neue Design des Transporthängers können nun breitere Rollen mit einem grösseren Durchmesser eingesetzt werden. Dadurch lassen sich Lasten einfacher in Bewegung bringen – Fachleuchte sprechen von einer geringeren Losbrechkraft. Auch das Verfahren der Last wird erleichtert. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Fahrrädern: Ein Rad mit 28-Zoll-Bereifung lässt sich deutlich kräftesparender fahren als ein 24-Zoll-Rad. Weil die Laufleistung pro Rad geringer ist, reduziert sich zudem der Verschleiss.

Sie haben auch das Aluminium-Profil verändert. Was ist in dieser Hinsicht konkret umgesetzt worden?

Das neue Profil ist durch eine vertikale Abstützung in der oberen Hohlkammer deutlich belastbarer. Es nimmt vertikale Kräfte nach unten wie nach oben besser auf und biegt sich weniger durch. Das ist nicht nur in Anwendungen mit hohen vertikalen Kräften wie zum Beispiel bei Manipulatoren von Vorteil. Anwender können in vielen Fällen ein kleineres Profil wählen oder den Aufhängeabstand vergrössern – beides verringert die Systemkosten.

Gibt es weitere Optimierungen?

Wir haben das Zubehörangebot erweitert. So bieten wir unseren Kunden zukünftig Servicestationen, mit denen sie einfach Transporthänger austauschen oder weitere Kranträger nachrüsten können. Ausserdem haben wir elektrische Fahrantriebe in unser Programm aufgenommen. Sie unterstützen die Werker bei unnatürlichen Bewegungen oder der Handhabung von höheren Lasten. Ein modulares Anbindungskonzept vereinfacht die Montage und Anpassung an die Infrastruktur vor Ort. Damit kann sich der Kunde in den meisten Fällen einen Stahlüberbau zur Befestigung der Krananlage sparen.

Wirkt sich die Überarbeitung auch auf die Säulen- und Wandschwenkkrane aus?

Selbstverständlich. Unsere Schwenkkrane bauen auf denselben Komponenten wie die Hängekrananlagen auf. Dadurch wirken sich alle Vorteile wie die reduzierte Teilevielfalt, die erhöhten Widerstandsmomente der Profile und die verbesserten Leichtlaufeigenschaften auch hier aus.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.


Info
Schmalz GmbH
8309 Nürensdorf
Tel. 044 888 75 25, Fax 044 888 75 29
schmalz@schmalz.ch
www.schmalz.com



Klaus-Dieter Schwabenthan: «Der nötige Kraftaufwand zum Verfahren der Last ist bei unseren Alu-Kranen nur etwa halb so hoch wie bei vergleichbaren Systemen aus Stahl.»


Das modulare System für die Realisierung individueller Kranlösungen, flexibel einsetzbar und kostengünstig. (Bilder: Schmalz)


Aluminium-Profil und Transporthänger aus dem neuen Kransystem von Schmalz haben an Belastbarkeit gewonnen.

Schwenkkrane und Krananlagen

Die Aluminium-Krananlagen und Schwenkkrane sind perfekt auf die Schmalz Vakuumheber abgestimmt. In den Schmalz Kransystemen steckt die ganze Erfahrung und Kompetenz des Systemherstellers. Durch den konsequenten Leichtbau sind sie die optimale Ergänzung zu den Vakuum-Schlauchhebern Jumbo oder dem Vakuum-Hebegerät VacuMaster. Ob als Schwenkkran oder Krananlage – das Schmalz Baukastensystem ermöglicht immer eine perfekte Integration in das Arbeitsumfeld. Auch als Stand-Alone-Lösung profitiert der Anwender von den vielen Vorteilen der modernen Kransysteme.

Anwendungsbereiche: Fexibler Baukasten zum Aufbau von individuellen Kranlösungen sowie Einsatz in nahezu allen innerbetrieblichen Handhabungs- und Logistikprozessen.

Nutzen: Optimale Anpassung an die Nenntraglast des Schlauchhebers oder Hebegerätes, hervorragende Leichtlaufeigenschaften und geringe bewegte Masse, hochwertige, verschleissarme Komponenten, modernes Design mit eloxierter Profiloberfläche, hohe Arbeitsgeschwindigkeit und Positioniergenauigkeit sowie Unterstützung ergonomischer und ermüdungsfreier Arbeit.