Eine Publikation der Binkert Medien AG
Bito liefert Lagertechniksysteme für den Neubau der Läckerli Huus AG: Ausgabe 05/2015, 11.05.2015

Welches Regal-Layout passt in die «Blechdose»?

Die Original Basler Läckerli werden seit August 2014 in Frenkendorf gebacken. Auch sämtliche anderen Spezialitäten produziert das Unternehmen am neuen Standort. Entsprechend der lang­jährigen Tradition des Hauses in Sachen kreative Verpackung wurde die Aussenfassade des Neubaus in Form einer Blechdose gestaltet. Die Bito-Lagertechnik Bittmann AG erhielt den Auftrag für die Integration der Lagertechnik.

Basler Läckerli sind in der Schweiz und im angrenzenden Ausland zu einem Begriff geworden. Die Spezialitäten des Hauses, wie die Original Basler Läckerli, Rahmtäfeli, sowie neu Truffes & Pralinen, sind wahrlich in aller Munde. Die ausgezeichnete Produktquali­tät trägt ihren Teil dazu bei. Originelle Verpackungen sprechen die Kunden an. In etlichen Haushalten werden die kunstvoll designten Blechdosen nach dem Genuss der Basler Läckerli als Schmuckstücke zur Dekoration weiterverwendet. Doch wie kommen die Basler Läckerli auf den Tisch der Konsumenten? Der Griff ins Verkaufsregal ist einfach. Aber kaum einer weiss, wieviel Arbeit hinter den Kulissen verrichtet wird, um den Erfolg der Backwaren auch in Zukunft sicherzustellen. Bert Schmitz war von Anfang an in das Projekt Neubau in Frenkendorf involviert. Daniel Böhm hat zusammen mit ihm in etlichen Sitzungen die optimale Lösung für den Bereich Lagertechnik gefunden. Beide gaben im Interview mit «Material Handling» Auskunft über die Herausforderungen bei der Projektumsetzung.

Material Handling: Herr Schmitz, warum wurden am Standort Frenkendorf lagertechnische Einrichtungen benötigt?

Bert Schmitz: Wir haben in unserem Neubau in Frenkendorf die gesamte Produktion konzentriert. Die bisherigen Gebäude in Münchenstein und Gelterkinden entsprachen nicht mehr unseren Anforderungen. Sie wurden stillgelegt. Wer produziert, braucht auch eine effiziente Lagertechnik. Unser Neubau garantiert optimale Produktions- und Logistikabläufe sowie modernste Produktionstechnologien, kombiniert mit einer energetisch umweltfreundlichen Nutzung. Die Anlagen wurden im Herbst 2014 in Betrieb genommen.

Wie sind Ihre ersten Betriebserfahrungen?

Schmitz: Die Anlagen mussten gleich zu Produktionsbeginn am neuen Standort eine erste harte Bewährungsprobe bestehen. Doch wir wickelten das hektische Weihnachtsgeschäft unter Einhaltung unserer hohen Qualitätskriterien problemlos ab. Die Konzentration der bisherigen Lager in Münchenstein und Gelterkinden an einem Ort hat sich sehr positiv auf unsere Betriebsabläufe ausgewirkt. Die Effizienz des Materialflusses konnte gesteigert werden.

Welcher Zeitplan war für die Montage der Lagersysteme vorgesehen?

Schmitz: Die Installation des Lagerbereiches hatte Priorität. Erstens, weil wir bereits sehr früh Lagerkapazitäten für zugelieferte Ware bzw. Rohmaterial und die kurzfristigen Produktionsreserven aus den bisherigen Standorten benötigten und zweitens, weil wir das Lager vor der Inbetriebnahme unserer Produktionsanlagen fertiggestellt haben wollten. Wir arbeiten entsprechend den Vorgaben für Lebensmittelproduktionen in Hygienezonen. Umzugsmonat war der Juli 2014 während der Betriebsferien. Am 4. August 2014 wurde die Produktion am neuen Standort Frenkendorf hochgefahren.

Wie gestalteten Sie das lagertechnische Layout entsprechend den Vorgaben für einen effizienten Warenfluss?

Schmitz: Wir unterscheiden drei Lager­bereiche. Das Rohmateriallager im Dachgeschoss ist für die angelieferten Zutaten bestimmt. Dazu gehören zum Beispiel Nüsse, Gewürze, Honig, Couverture und vieles mehr. Mehl und Zucker werden grundsätzlich als Siloware eingelagert. Im Produktionsbereich werden Zwischenprodukte in Klimaräumen vorübergehend gelagert. Im Erdgeschoss befindet sich das Kommissionierungslager. Im Untergeschoss werden die notwendigen Betriebsmittel bevorratet. Dazu gehören beispiels­weise Verpackungsmaterial (Blister, Karton, Blechdosen etc.) und Gebinde. Unser Materialfluss wurde so gestaltet, dass wir von oben nach unten arbeiten. Von unten kommt das Verpackungsmate­rial und in der Mitte – nämlich im Erdgeschoss – wird konfektioniert.

Wie wird die Produktion versorgt?

Schmitz: Im Obergeschoss werden je nach Rezeptur die benötigten Zutaten bereitgestellt. Grosse Mengen gelangen von den Silos dorthin. Couverture wird beispielsweise direkt über Leitungen zu den Maschinen geführt.

Wie gross sind die Lagerkapazitäten?

Schmitz: Das Kommissionierungslager bietet Platz für 800 Palettenplätze. Im Verpackungslager des Untergeschosses sind es 2500 Palettenplätze.

Herr Böhm, war die Erstellung des Lager-Layouts eine schwierige Angelegenheit?

Daniel Böhm: Die Läckerli Huus AG ist bereits in einem frühen Projektstadium an uns herangetreten. Das erweist sich stets als grosser Vorteil. Speziell im Untergeschoss wollten wir das Maximum an verfügbarer Lagerkapazität herausholen. Dafür brauchte es eine für uns passende Anordnung der Fensterfront und der Stützen. Wir konnten noch auf die Gebäudestatik Einfluss nehmen.

Schmitz: Kommissioniert wird bei uns mit einem Schubmaststapler. Das hatte ebenfalls Einfluss auf die Regalauslegung. Kurze und sichere Wege waren als Zielsetzung vorgegeben.

Welche Ladungsträger stehen im Einsatz?

Schmitz: Gelagert wird grösstenteils auf Europaletten. Ein geringerer Teil sind Meterpaletten, die von Lieferanten ausserhalb Europas stammen. Die maximale Last pro Palette beträgt 600 Kilogramm. Das Gewicht selbst spielt eigentlich keine grosse Rolle. Wichtiger ist das Volumen. Die Blechdosen können nur aufeinander auf der Palette platziert werden. Da ist sehr viel Luft dazwischen. Wir müssen beim Handling der Blechdosen besonders darauf achten, dass sie nicht beschädigt werden.

Wie kommissionieren Sie die online gebuchte Ware?

Schmitz: Zu diesem Zweck wurde im Kommissionierlager ein Durchlaufregal installiert. Wir können so sehr flexibel reagieren. Kommissioniert wird mit dem Barcode-Scanner. Gearbeitet wird nach dem FIFO-Prinzip (First-in-First-out). Eine Person kommissioniert immer den gesamten Auftrag.

Wie kontrollieren Sie die Aufträge vor der Auslieferung?

Schmitz: Bei der Verpackung werden zwei Kontrollen durchgeführt. Erstens wird der Inhalt visuell begutachtet und zweitens die Lieferung gewogen. Es sind Referenzgewichte hinterlegt. Sollten sich Abweichungen ergeben, muss der Sache nachgegangen werden.

Wie gelangt die Ware zum Kunden?

Schmitz: Wir spedieren im Bereich BtoC mit Swiss Post.

Bestehen Erweiterungsmöglichkeiten für das Lager?

Schmitz: Hinter unserem neuen Gebäude hat es noch Landreserven. Wir haben uns speziell in diesem Punkt Gedanken gemacht und wollten nicht von Anfang an platzmässige Beschränkungen akzeptieren.

Basler Läckerli sind klassische Schweizer Spezialitäten, die momentan noch grösstenteils im eigenen Land verkauft werden. Rechnen Sie mit einer Marktausweitung?

Schmitz: Ich denke, dass unser Auslandsgeschäft zunehmen wird.

Böhm: Speziell an Flughäfen sieht man im Ausland vermehrt Basler Läckerli, die dort zum Verkauf angeboten werden.

Herr Böhm, wie gestaltet Bito eine partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Kunden?

Böhm: Die Stärke von Bito ist unser Know-how in Sachen Lagertechnik und -systeme. Speziell in anspruchsvollen Projekten liegt der Fokus darauf, sich in das Projekt des Kunden hineindenken zu können. Wenn ein Kunde spürt, dass man seine Projektproblematik versteht, wird rasch Vertrauen aufgebaut. Das wiederum ist unabdingbar für eine speditive Zusammenarbeit.

… und wenn der Kunde eigene Ideen auf den Tisch legt?

Böhm: Unser breit gefächertes Portfolio eröffnet die Möglichkeit, fixe Vorstellungen des Kunden kontrovers zu diskutieren. Wir haben in etlichen Projekten dem Kunden alternative Wege zu einem effizienteren Materialfluss skizziert, die schlussendlich realisiert worden sind. Solche Diskussionen zu führen, ist schwierig, sie lohnen sich aber.

Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür?

Böhm: Wir hinterfragen beispielsweise zusammen mit dem Kunden, ob das gewählte lagertechnische Layout auch für ein späteres Online-Geschäft tauglich ist. Im französischen Markt sind die Kunden gewohnt, ihre Lebensmittel aus dem Büro per Handy zu bestellen und auf dem Nachhauseweg an einem Übergabeort in Empfang zu nehmen. In der Schweiz gehen die Tendenzen ebenfalls in diese Richtung.

Was bedeutet das Ihrer Ansicht nach für die Läckerli Huus AG?

Böhm: Es ergeben sich neue Umsatzpotenziale. Das Unternehmen kann sich auf einer Plattform präsentieren, die sehr viel Kreativität zulässt. Zudem wird ein Shop an einer teuren Lage eingespart. Es nützt wenig, beispielsweise in Ebikon eine Verkaufsstelle einzurichten. Der Shop wird vorteilhaft in Luzern platziert. Das erfordert einen hohen Investitionsaufwand. Schöne Dekorationen gut und recht, aber mit dem Online-Geschäft bleibt die Kernkompetenz im Haus. Das versuchen wir, dem Kunden zu vermitteln.

Herr Schmitz, was fällt Ihnen auf, wenn Sie die Situation im Neubau mit der an den vorherigen Standorten vergleichen?

Schmitz: Hier in Frenkendorf sind die Abläufe transparenter. Wir können viel besser überblicken, welches Stadium der Produktion die Backwaren in den Anlagen erreicht haben. Das erleichtert die Arbeit und sorgt für eine hohe Prozesssicherheit. Wir sind gegenüber unseren Kunden zu Spitzenqualität verpflichtet.

Warum hat Bito im Rennen um den Läckerli-Huus-Auftrag das Rennen gemacht?

Schmitz: Weil sich Bito intensiv unserer Problematik angenommen hat. Wir hatten mehrere Anbieter. Die Beratungskompetenz war ein entscheidendes Vergabekriterium. Bito hat sich durchgesetzt. Auch die Kommunikation muss stimmen. Das gibt uns Sicherheit. Wir werden diese positive Erfahrung auch in spätere Evaluationen einfliessen lassen.

Meine Herren, besten Dank für die interessanten Ausführungen.

Info
Bito Lagertechnik-Bittmann AG
6343 Rotkreuz
Tel. 041 790 20 64
Fax 041 790 43 28
info@bito.ch
www.bito.ch


Läckerli Huus AG
4402 Frenkendorf
Tel. 061 264 23 00
info@laeckerli-huus.ch
www.laeckerli-huus.ch



Daniel Böhm (rechts): «Unser Fokus liegt darauf, sich in das Projekt des Kunden hineindenken zu können.» Bert Schmitz: «Die Beratungskompetenz war ein entscheidendes Vergabekriterium.»


Mit den SDS-Durchlaufregalen im Kommissionierlager wird flexibel auf Online-Bestellungen reagiert. Das Gebäude am Standort Frenkendorf hat die Form einer Blechdose. (Bilder: MH Redaktion)


Behälterkommissionierung auf der Rollenbahn vor dem SDS-Durchlaufregal.


Das Palettenlager im Untergeschoss liefert den Nachschub für die Konfektionierung im Erdgeschoss.


Verpackungskommissionierung im Untergeschoss.

Das Läckerli Huus in Kürze

Inhaber geführtes Unternehmen. Besitzerin seit 2007: Frau Miriam Blocher

rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Sitz: Frenkendorf/BL

Hersteller von Original Basler Läckerli, Rahmtäfeli, Gelée, weitere Biscuit- und Schokoladenspezialitäten, Bonbons (Marken Halsfeger, Cola Fröschli)

Vertrieb: eigene Läden, Versandhandel/Online-Shop, Detailhandel, Kundengeschenke

Lagertechnik vom Spezialisten Bito

Am Standort Frenkendorf wurden folgende lagertechnischen Einrichtungen installiert:

  • PRO-Palettenregale im UG und EG
  • PRO-Schutzbauteile im UG und EG
  • PRO-Beschriftung im UG und EG
  • SDS-Durchlaufregale im EG
  • SDS-Rollenbahn im EG
  • FBR-Fachbodenregale im EG