Eine Publikation der Binkert Medien AG
Peter Haag, Geschäftsführer Leimholz Haag AG, Steinach/SG : Ausgabe 06/2015, 08.06.2015

«Anlageneffizienz hat Erwartungen übertroffen»

Die Leimholz Haag AG erstellte im Jahr 2014 in Steinach ein neues Betriebsgebäude. In Sachen Lagertechnik ging das Unternehmen neue, unkonventionelle Wege und entschied sich für ein Hochregallager. Ausgeführt wurde der Auftrag von der Fehr Lagerlogistik AG in Winterthur.

Mit ihrer grossen Erfahrung in der Herstellung und Weiterverarbeitung von Brettschichtholz hat sich die Leimholz Haag AG in der Holzbranche zu einem renommierten Unternehmen entwickelt. Bei der Errichtung des Neubaus ging es in erster Linie darum, den Materialfluss so effizient wie möglich zu gestalten. Welche Ideen dabei verwirklicht worden sind, erklärt Peter Haag im Gespräch.

Material Handling: Herr Haag, welche Zielsetzung hatten Sie bei der Gestaltung der innerbetrieblichen Logistikprozesse?

Peter Haag: In unseren Diskussionen mit der Fehr Lagertechnik AG haben wir angesprochen, ob das Konzept eines Langgut-Hochregallagers auch in der Holzbranche realisierbar wäre. Was sich im Stahlhandel bewährt hat, sollte doch auch auf unsere Branche übertragbar sein.

Wie wurde das Fehr «honeycomb» Hoch­regallager ausgelegt?

Es besteht aus einem Regalbediengerät mit 16 Metern Höhe. 604 Lagerplätze werden damit angefahren. Über 3000 Kubikmeter Brettschicht- und Konstruktionsholz können maximal eingelagert werden. Wir führen über 200 verschiedene Dimensionen in diversen Qualitäten: Brettschichtholz, Rahmenholz, Lamellenbalken, Konstruktionsvollholz, Elementrippen, Baulatten und Schalungsträger. Das Fehr «honeycomb» Hochregallager ist als dachtragende Konstruktion errichtet worden. Es ist Ende Herbst 2013 fertiggestellt worden und wird seit Anfang 2014 genutzt.

Welche Vorteile bringt Ihnen das Fehr «honeycomb» Hochregal­lager?

Wir können den Kunden damit ein in der Schweiz einzigartiges Lagersortiment anbieten. Und der grosse Clou: Wir liefern in Rekordgeschwindigkeit aus. Innert zweieinhalb Minuten ist eine Kassette aus dem Lager entnommen und im Warenausgang parat gestellt und wieder ausgetauscht. Damit gehört das Warten auf Brettschicht- und Konstruktionsholz der Vergangenheit an. Wir sind damit nicht nur Meister im Lagern und Bewirtschaften – wir sind auch Meister in der Logistik.

Wieviel Personal benötigen Sie für den Betrieb des Fehr «honeycomb» Hochregal­lagers?

Die Anlage wird von einem Mann bedient. Er kann, nachdem der Auftrag am PC eingegeben worden ist, anderen Tätig­keiten nachgehen. Wenn Sie das mit dem Ein- und Auslagern in einem Kragarmlager vergleichen, reden wir von zwei Paar Schuhen. Zudem ist das Risiko von Unfällen deutlich vermindert. Das Prinzip «Ware zum Mann» ist eindeutig die effi­zientere Lösung.

Ist das Regalbediengerät an einem Stück angeliefert worden?

Es wurde vor Ort zusammengebaut. Die Montage erfolgte mit einem Mobilkran. Zuerst wurde die Bodentraverse platziert, dann folgten die beiden Maste und der Hubwagen sowie die obere Quertraverse. Die mechanische Montage war innert eines Tages abgeschlossen. Daraufhin wurde das Regalbediengerät elektrifiziert. Innerhalb einer Woche war das Regalbediengerät funktionsfähig. Es waren eindrückliche Momente, die wir bei dieser Montage erleben durften. Die Montageequipen haben professionelle Arbeit geleistet.

Welche maximale Länge haben die Holz­pakete?

Wir fahren mit maximalen Längen von 13 Metern. Die Holzpakete werden auf Kassetten transportiert. Es bedurfte eingehender Berechnungen, um einen ruhigen Lauf gewährleisten zu können. Hinzu kommt, dass wir mit einer Ausschleusgeschwindigkeit von 100 Metern pro Minute fahren. Trotz allem kommt aber im Lager keine Hektik auf. Die Vorgänge laufen vollautomatisch ab.

Haben alle Kassetten die gleiche Dimension?

Neben den Standard-Kassetten gibt es noch solche, auf denen höhere Stapel gebildet werden können.

Für welche maximale Nutzlast sind die Kassetten ausgelegt?

Sowohl die Kassetten als auch das Regalbediengerät können maximal 3500 Kilogramm an Nutzlast aufnehmen.

Wie ist die Anbindung des Fehr «honeycomb» Hochregallagers an den Materialein- bzw. Materialausgang geregelt?

Das Holz wird von Camions angeliefert. Mit einem Seitenstapler wird es in die bereitstehende Kassette abgelegt und via Fördertechnik direkt dem Regalbediengerät zugeführt. Im umgekehrten Fall übergibt das Regalbediengerät eine Kassette an die Fördertechnik. Diese wird aus dem Lager ausgeschleust und an den Bereitstellplatz transportiert. Dort ist eine Aushubvorrichtung platziert, mit der die Pakete aus der Kassette entnommen werden. Daraufhin werden sie vom Stapler aufgenommen und auf den Camion geladen.

Wie wird auf das Material zugegriffen?

Die Kassette spielt bei der Zusammenstellung von Aufträgen keine Rolle. Manchmal haben wir zehn Kassetten mit dem gleichen Produkt. Wir rufen am PC das gewünschte Material auf, das dann ausgelagert wird. Die Bestände an jedem Lagerplatz haben wir stets unter Kontrolle. Für jedes Produkt ist im System eine Mindestmenge hinterlegt, ab der nachbestellt wird. Unser ERP der Marke Eurosoft haben wir selber entwickelt.

Welche Vorkehrungen mussten den Brandschutz betreffend getroffen werden?

Wir arbeiten im Hochregallager mit Sauerstoffreduktion. Im Ernstfall muss sichergestellt werden, dass die Bewegungsabläufe abgeschlossen sind, bevor die Brandschutztore schliessen. Die Anlage ist von Experten begutachtet und abgenommen worden. Wir sind davon überzeugt, ein optimal funktionierendes Brandschutzsystem in Betrieb genommen zu haben.

Welche Alternative hatten Sie zum Hoch­regallager?

In Frage gekommen wäre ein Kragarmlager mit Schieberegalen. Damit können allerdings nur Höhen von 6 bis 7 Metern realisiert werden. Wir sind sehr froh, dass zusammen mit der Fehr Lagertechnik AG ein unkonventionelles Konzept in Angriff genommen worden ist. Der Erfolg gibt uns recht. Wir haben uns mit dem Fehr Hochregallager entscheidende Vorteile im Wettbewerb geschaffen. Das merken nicht nur unsere Kunden, sondern auch die Lieferanten.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Fehr Lagertechnik AG?

Beide Partner wussten, dass mit dieser Logistikanlage Neuland in der Holzbranche betreten worden ist. Umso erstaunlicher kann festgestellt werden, dass die anfangs erhoffte Effizienz bei Weitem übertroffen wurde. Die Fehr Lagertechnik AG hat dank ihrer langjährigen Erfahrung und dem professionellen Einsatz für neue Impulse im Materialfluss unseres Unternehmens gesorgt.

Herr Haag, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.


Info
Fehr Lagertechnik AG
8406 Winterthur
Tel. 052 260 56 56
Fax 052 260 56 51
info@lagerlogistik.ch
www.lagerlogistik.ch



Mit dem 16 Meter hohen Regalbediengerät werden 604 Kassettenlagerplätze angefahren. (Bilder: Haag/Fehr)


Peter Haag: «Wir sind sehr froh, dass zusammen mit der Fehr Lagertechnik AG ein unkonventionelles Konzept in Angriff genommen worden ist.»


Einbringung der oberen Quertraverse des Regalbediengerätes mit dem Mobilkran.