Eine Publikation der Binkert Medien AG
Zoll-Seminar der Dachser Speditions AG im Mövenpick Hotel in Egerkingen : Ausgabe 06/2015, 09.06.2015

Sicher durch das Zoll-Labyrinth

Das Logistikunternehmen Dachser Schweiz empfing Ende April 2015 im Mövenpick Hotel in Egerkingen mehr als 50 Kunden und Gäste zum Zoll-Seminar. Dort referierten drei kompetente Redner über Zoll-Themen wie «Freihandelsabkommen Schweiz–China», «EU-Verzollung» und «Urspungsnachweise/Ermächtigter Ausführer» – und brachten dabei die Teilnehmer auf den neuesten Wissensstand.

Gross war das Interesse am Zoll-Seminar von Dachser. Urs Häner, Managing Director European Logistics der Dachser Spedition AG, konnte in Egerkingen zahlreiche Teilnehmer begrüssen. Der erfahrene Vollblut-Logistiker erklärte in seiner kurzen Eröffnungsrede, dass die komplexe Thematik des Zollwesens bzw. der Verzollung gleichermassen sowohl Spediteure und Logistiker als auch Verlader in ihrer tagtäglichen Arbeit beschäftige und vor viele, immer wieder neue Herausforderungen stelle. Auf vielfach geäusserten Kundenwunsch hin habe man sich bei Dachser deshalb dazu entschieden, wieder einmal ein Zoll-Seminar auf die Beine zu stellen. Das Motto des Anlasses lautete knapp und prägnant: «Zielsicher. Zollsicher. Dachser hilft Ihnen sicher durchs Zoll-Labyrinth.» Nach Häners Einleitung übernahm Moderatorin Ursula Schmeling das Wort. Sie hiess sogleich die drei Referenten Ralf Aeschbacher, Vinzenz Hingerl und Stefan Meinigg willkommen.

Freihandelsabkommen Schweiz–China

Der stellvertretende Chef des Dienstes Freihandelsabkommen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) Ralf Aeschbacher informierte als erster Redner über erste Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen (FHA) zwischen der Schweiz und China. Das FHA zwischen der Schweiz und China ist seit dem 1. Juli 2014 in Kraft. Aeschbacher, der seit 1991 bei der EZV ist und seit 2009 Ursprungsregelungen und Handelserleichterungen für die Schweiz verhandelt, erklärte, dass die Schweiz seit 1973 bis heute insgesamt 30 Freihandelsabkommen abgeschlossen hat. Weil die Schweizer Exportwirtschaft unter dem starken Franken leide, setze die Schweiz mehr denn je auf solche Abkommen, sagte er. Dies, um den Handel zu erleichtern und neue Absatzmärkte für die Exportwirtschaft zu erschliessen. An den Verhandlungen an vorderster Front mit dabei ist jeweils auch die EZV. Der Schweizer Zoll stellt bei der Ausarbeitung von neuen Freihandelsabkommen jeweils einen Teil der Verhandlungsdelegation. «Für die Zollbehörden sind die Ursprungs- und Listenregeln das Hauptthema, immer wichtiger werden aber auch die Handelserleichterungen – sogenannte «Trade facilitations» – in Zollangelegenheiten», sagte Aeschbacher. Ursprungsregeln gelten als das Herzstück von Freihandelsabkommen. Vereinfacht gesagt definieren sie, welche Produkte vom Zollabbau profitieren. Für die Schweiz ist China der grösste Handelspartner in Asien. Aeschbacher erläuterte anhand einiger eindrücklicher Beispiele, wie gross die Unterschiede zwischen der kleinen Schweiz und dem Riesenreich China sind.

EU-Verzollung/Fiskalvertretung

Als zweiter Redner des Dachser-Zoll-Seminars trat Vinzenz Hingerl auf. Der Fachbereichsleiter Zoll bei der Dachser Group SE & Co. KG sprach zum Thema «Lieferungen in die EU: EU-Verzollung, Fiskalvertretung und Unionszollkodex». Hingerl stieg gleich ins Thema der EU-Verzollung ein: «Wenn Sie sich die Landkarte der EU mit ihren 28 Mitgliedsländern anschauen, so ist dort alles schön grün, sprich, es handelt sich um ein einziges, zusammenhängendes Zollgebiet. In der Mitte befindet sich mit der Schweiz jedoch ein weisser Fleck, der ja bekanntlich nicht zur EU gehört.» Diese Situation führe insbesondere dann zu Problemen, wenn Waren aus der Schweiz ausgeführt oder in die Eidgenossenschaft importiert werden, «weil halt zwischen der EU und der Schweiz der Zoll steht», so Hingerl. Der Zoll-Experte verwies auf ein Dilemma: Einerseits wollten Schweizer Firmen gerne mit der EU zusammenarbeiten, weil rund 60 % aller Schweizer Exporte in die EU gehen, andererseits möchten die Schweizer weiterhin eigenständig bleiben. Das alles führe dazu, dass Schweizer Unternehmen als Importeure gerne in der EU auftreten wollen und wie ein EU-Lieferant agieren, sodass deren Kunden in der EU nicht mit Zollangelegenheiten «belästigt» werden. Das Problem dabei: Ein Schweizer Unternehmen darf nicht einfach in die EU importieren ohne selber im EU-Zollgebiet ansässig zu sein. Die Hauptthemen, mit denen Dachser als Spediteur in diesem Zusammenhang immer wieder konfrontiert werde, sind gemäss Hingerl folgende Aspekte: Wann kann eine Schweizer Firma Waren in die EU importieren, wann nicht? Unter welchen Voraussetzungen kann ein schweizerisches Unternemen zum zollrechtlichen Anmelder in der EU werden? Wie muss sich ein Unternehmen zoll- und steuerrechtlich registrieren lassen? Als Alternative zur steuerlichen Registierung in der EU leitete Hingerl elegant zum Thema der Fiskalvertretung über. Zolldienstleister, Zollagenten oder Spediteure haben die Möglichkeit, selber diese steuerliche Registrierung vorzunehmen und eine sogenannte Fiskalvertretung anzubieten. Konkret bedeutet das, dass eine Schweizer Firma in der EU eine Drittpartei damit beauftragt für sie «fiktiv» Ware in die EU zu importieren, sofern sich im Anschluss an die EU-Verzollung eine steuerfreie, innergemeinschaftliche Lieferung anschliesst. Unter Verwendung der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Fiskalvertreters kann so ein Schweizer Unternehmen Güter an seine EU-Kunden liefern.

Ursprungsnachweise

Das dritte Referat hielt Stefan Meinigg. Der stellvertretende Chef Sektion Ursprung und Textilien bei der EZV ging in seinem Vortrag «Bedingungen für die Ausstellung von Ursprungsnachweisen/Ermächtigter Ausführer» detailliert auf diese Themenbereiche ein. Damit eine Ware bei der Einfuhr im Bestimmungsland präferenzbegünstigt (zollfrei oder mit reduziertem Zollansatz) veranlagt werden könne, sei der im entsprechenden FHA vorgesehene Ursprungsnachweis notwendig. Meinigg ergänzte: «Es genügt nicht, dass ich als Exporteur Ursprungsware habe, ich muss eine solche auch belegen können. Der Exporteur ist für den Ursprungsnachweis verantwortlich, und er haftet allenfalls auch für die Folgen, sollte sich herausstellen, dass ein Ursprungsnachweis unrechtmässig ausgestellt wurde.» Meinigg sagte auch, dass die Anwendung der FHA für die Wirtschaft zunehmend schwieriger werde und zugleich für den Zoll erheblicher Mehraufwand entstehe.

Robert Altermatt


Info
Dachser Spedition AG
8105 Regensdorf
Tel. 044 8721 100
Fax 044 8721 198
dachser.regensdorf@dachser.com
www.dachser.ch

Die Moderatorin Ursula Schmeling führte die interessierten Teilnehmer des Zollseminars von Dachser Schweiz durch den halbtägigen Anlass. (Bild: Dachser)