Eine Publikation der Binkert Medien AG
Dirk Lemke, Country Manager, UPS United Parcel Service (Switzerland) : Ausgabe 11/2016, 08.11.2016

Zur rechten Zeit am richtigen Ort

Es ist keine leichte Aufgabe, den Überblick über Hunderte von Paket- und Frachtsendungen auf der ganzen Welt zu behalten. Mit den richtigen Tools geht das sehr viel einfacher.

Flex Global View von UPS Supply Chain Solutions unterstützt den Kunden bei globalem Versand und Lieferketten-Management. Er erhält vollständige Transparenz; auch bei unterschiedlichen Transportarten und zwar mit einer Reihe von Tools, die sein Unternehmen mit relevanten Informationen versorgt, damit er sich von den Mitbewerbern absetzen kann. Mit Flex Global View können Sendungsinformationen oder wichtige Versandschritte eingesehen werden. Material Handling hatte Gelegenheit zu einem Interview mit dem Country Manager Switzerland Dirk Lemke.

Material Handling: Herr Lemke, was reizt Sie, für UPS als Country Manager in der Schweiz tätig zu sein?

Dirk Lemke: Die Logistik bietet ein sehr spannendes Umfeld. Nachdem ich in verschiedensten Bereichen bei UPS tätig war, bot es sich an, in einem Land wie der Schweiz Verantwortung zu übernehmen.

Was ist für den KEP-Markt Schweiz charakteristisch?

Die Schweiz hat ein Alleinstellungsmerkmal. Sie gehört nicht zu Europäischen Union (EU). Die Verzollung ist daher ein wichtiges Thema. In der Schweiz gibt es viele KMUs. Grosse Lager sind hier im Vergleich zu den anderen Ländern in Europa eigentlich kaum anzutreffen. Zudem wird Outsourcing betrieben. Nicht jede Niederlassung unterhält in der Schweiz ein eigenes Lager. Wer beispielsweise in Deutschland über ein vollautomatisches Hochregallager verfügt, wird die Schweiz von dort aus bedienen.

Wie hat E-Commerce das Geschäft bei UPS verändert?

Der Privatkunde stellt sehr hohe Anforderungen an uns. Wie behandeln wir seine Lieferung auf der letzten Meile? Die Steigerungsraten bei B2B sind bedeutend höher als bei B2C. Diesem Trend im KEP-Markt kann man sich nicht verweigern. UPS hat Lösungen dafür parat. Mit unserem UPS Access Point-Netzwerk bieten wir den Kunden vielseitige Möglichkeiten im Versandbereich und darüber hinaus. In Europa verfügen wir über 16 000 Annahmestellen. Diese Abdeckung ist einzigartig. Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres 27 000 Annahmestellen anbieten zu können. Firmen wie Amazon tun uns sehr gut, weil unser Geschäft damit wächst.

Wie kann der Kunde seine Sendung verfolgen?

Er gibt eine mit der Sendung in Verbindung stehende Nummer in Flex Global View ein (Rechnung, UPS Sendungsverfolgungs-Nummer oder eine Frachtreferenz) und schon bekommt er den vollständigen Zugriff auf Informationen zu seiner Sendung während ihres gesamten Weges. Er erfährt Details zu den einzelnen Paketen bis hin zu dem Namen der Person, die für den Erhalt der Sendung unterschrieben hat. Mit den Zoll-Benachrichtigungen von UPS Supply Chain Solutions geht der Kunde sicher, dass seine Sendungen Grenzen ganz leicht überqueren.

Wenn das Zustellvolumen wächst, steigen auch die Datenmengen. Wie kommt UPS mit den wachsenden IT-Anforderungen zurecht?

UPS verfügt über eine enorme Rechenleistung in den Rechenzentren. Schon vor Jahren gehörten unsere IT-Rechnerkapazitäten zu den grössten weltweit.

Wie wird UPS den Kundenanforderungen betreffend Paketübergabe gerecht?

Bei uns hat der Kunde die Wahl, wie er sein Paket zugestellt haben möchte und wo. Ein entscheidendes Kriterium ist die Schnelligkeit der Lieferung. Wir beraten den Kunden sehr detailliert, was für Ihn die beste Lösung ist.

Was bieten Sie im B2B-Bereich?

Besonders wichtig erscheint mir hier das Lieferantenmanagement. Die Erfüllung meiner Bestellung kann beim Lieferanten mit dem UPS Supply Chain Solutions Lieferantenmanagement-Service kontrolliert werden. Die Leistung des Lieferanten können mit einer massgeschneiderten Leistungsanzeige verglichen werden. Die Lieferantenbestellungen können verwaltet werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verfolgung des Warenbestands. Flex Global View verfolgt, wie viele Einheiten noch im Lager sind und wie viele bestellt sind. Der Warenbestand der Verteilungszentren kann proaktiv kontrolliert werden. Die Bestellungen werden effizienter verwaltet. Der unverkaufte Warenbestand wird reduziert, wenn der UPS Material- und Verteilungsservice in Anspruch genommen wird.

Ist die Verzollung für Sie ein Problem?

Wir machen die Verzollung im eigenen Haus. UPS gibt diese Aufgabe nicht an Dritte weiter. Das bedeutet, Kontrolle und Transparenz sind gegeben. Wir verfügen über ein weltweites Verzollungssystem. Zudem sind unsere Leute für diesen Job in eigenen Trainings dafür ausgebildet worden.

Gibt es ein Ranking für den KEP-Markt Schweiz?

Das ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Es kommt darauf an, was dabei gemessen wird. Von mir aus gesehen sind es immer wieder dieselben «Platzhirsche», die zum Zug kommen. Diese haben im Lauf der Zeit regional ein Netzwerk aufgebaut, das zusehend gewachsen ist. Wichtig für den Kunden ist nicht nur der Preis, sondern die persönliche Beziehung – das Vertrauen – zum KEP-Partner. Prozesse, die tadellos funktionieren, wird man meist nicht ändern wollen. Es sind gerade die kleinen Player, die in dieser Marktnische erfolgreich aktiv sind.

Sind die Forderungen der Kunden – betreffend Schnelligkeit der Lieferung – teils überzogen?

Dieser Bedarf, dass ich etwas Bestelltes in drei oder vier Stunden haben muss, ist nicht überall gleich ausgeprägt.

Ich bezeichne das als Luxus. Was meinen Sie?

Das kann ruhig so dargestellt, werden. Doch Sie müssen bedenken, dass die Schnelligkeit der Zulieferung auch den Kaufentscheid beeinflusst.

Wenn Not am Manne ist, beispielsweise weil ein Maschinenteil rasch ersetzt werden muss, dann sorgen wir dafür, dass das entsprechende Teil und der Servicetechniker zum vereinbarten Termin vor Ort sind. Das heisst, wir beherrschen die Expresszustellung, bieten aber noch viel mehr.

Was können Sie mit dem Begriff «Grüne Logistik» anfangen?

Wir kommen wieder zurück zu den Wurzeln. So wie es bei UPS angefangen hat – nämlich Fahrradzustellung, so weit sind wir heute wieder. In der City-Logistik haben wir in Hamburg die Fahrradzustellung eingeführt. Weil das ein sehr schneller und umweltverträglicher Weg ist.

Was tun Sie im Fahrzeugbereich?

Die UPS-Flotte umfasst weltweit zirka 100 000 Fahrzeuge. Zirka 6800 davon fahren mit alternativen Kraftstoffen. Der Trend geht hin zu Elektrofahrzeugen. Wir bauen dafür auch unsere bestehende Fahrzeugflotte um. UPS hat auch die Triebwerke der Frachtflugzeuge auf leisere und energieeffizientere Modelle umgestellt. Das hat natürlich auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Wir wollen weniger Treibstoff verbrauchen und kürzere Zustellstrecken fahren. Einen grossen Beitrag dafür leistet die Telematik, die in unseren Zustellfahrzeugen im Einsatz steht.

Wie sehen Sie den Einsatz von Drohnen auf der letzten Meile?

Ich denke, es ist ein guter Weg, um über die Presse Aufmerksamkeit zu erregen. Meines Erachtens sind die Drohnen nicht flächendeckend einsetzbar. Wenn wir beispielsweise an ein eingeschneites Dorf im Winter denken, das wegen Lawinengefahr auf der Strasse nicht erreicht werden kann, dann ist eine Drohnenzustellung sinnvoll. Ein praktisches Beispiel: Wir haben zusammen mit Partnern in Ruanda eine Arzneimittelzustellung mit Drohnen aufgebaut.

Was haben Sie auf dem Schweizer Markt mittelfristig für Ansprüche?

Mehr Paketvolumen und profitabler werden. UPS wird in den nächsten Jahren zwei Milliarden US-Dollar in Europa in den Ausbau der Infrastruktur investieren. Insofern sind wir auf gutem Wege. Wir müssen bereit stehen, denn das enorme Wachstum kommt unweigerlich auf uns zu.

Herr Lemke, wir danken Ihnen für das interessante Interview.


Info
UPS United Parcel Service (Switzerland)
4030 Basel Aitport
Tel. 0800 55 88 33
info@ups.com
www.ups.com



«Unser UPS Access Point-Netzwerk in Europa umfasst über 16 000 Annahmestellen und ist einzigartig.» Dirk Lemke Country Manager UPS United Parcel Service (Switzerland) (Bild: Martin Beltinger)


UPS geht bei der Feinverteilung der Pakete in der letzten Meile neue, innovative Wege: Abholung ab dem Anhänger und Zustellung per Lastenfahrrad. (Bild: UPS)