Eine Publikation der Binkert Medien AG
BOXer SE von Stöcklin Logistik überzeugt internationalen Pharmakonzern : Ausgabe 12/2016, 13.12.2016

Smarte Prozesslösung mit Sparpotenzial

Im Zuge der Erweiterung des Produktionsstandortes Marburg hat CSL-Behring auch in die Intralogistik investiert. Mit Blick auf die gewünschte Performance und Energieeffizienz der neuen Anlage sowie auf Basis von Betriebskostenrechnungen hat sich das weltweit agierende Pharmaunternehmen gegen den Einsatz von Lagerliften und stattdessen für den BOXer SE (Smart Edition) von Stöcklin Logistik entschieden.

Als einer der weltweit führenden Hersteller von Plasmaprotein-Biotherapeutika entwickelt und produziert CSL Behring am Standort Marburg lebenserhaltende und lebensrettende Arzneimittel aus Humanplasma.

Wertvolle Arbeit für die Gesundheit

Im März 2015 wurde im Rahmen eines Festaktes der erste Spatenstich für ein neues Erweiterungsgebäude gesetzt. Die Baumassnahme am Standort Marburg ist ein weiterer Schritt innerhalb eines langfristigen Investitionsprogramms. Ziel ist, die Produktionskapazitäten über einen Zeitraum von fünf Jahren an die weltweit wachsende Nachfrage, insbesondere nach Spezialprodukten zur Behandlung von Blutgerinnungsstörungen, anzupassen. Parallel sind auch die Logistikprozesse unter Berücksichtigung der aktuellen und zukünftigen Erfordernisse neu ausgerichtet worden.

Im Neubau werden die hergestellten Medikamente abgefüllt und verpackt. Angegliedert ist ein automatisches Kleinteillager (AKL) mit rund 900 Stellplätzen, das der Bevorratung und Kommissionierung von Etiketten, Gebrauchsinformationen und Faltschachteln dient. Betrieben wird die Anlage 16 Stunden pro Tag, an fünf Tagen in der Woche. Als Ladungsträger kommen im AKL Kunststoffbehälter mit den Abmessungen 800 × 600 mm sowie einer maximalen Beladung von 50 kg zum Einsatz. Diese werden via Behälterfördertechnik zu- und abgeführt. Ergänzend ist eine Palettenfördertechnikstrecke für die Bereitstellung und den Transport von Industrie- und Auftragspaletten installiert.

BOXer als überzeugende Alternative

«Bei diesem Projekt haben wir uns gegen eine Lösung auf Basis von Lagerliften entschieden und zwei automatischen BOXer SE-Kleinteilegeräten von Stöcklin Logistik den Vorzug gegeben», berichtet Marc Herbener, der verantwortliche Projektleiter seitens CSL Behring. Mit Liftsystemen liesse sich das zur Verfügung stehende Raumvolumen natürlich sehr gut nutzen, doch im Hinblick auf die erforderliche Pickleistung stiesse man auch an Grenzen. «Charakteristisch für Umlaufregale, die nach dem Prinzip «Ware-zur-Person» arbeiten, ist eine hohe Verfügbarkeit der Lagerfläche bei erhofft kurzen Kommissionierwegen und Zugriffszeiten», erklärt Christian Kuner, Bereichsleiter Regalbediengeräte bei Stöcklin Logistik.

«Soweit die Theorie, denn in der Praxis sieht das oft anders aus.» Wenn etwa die Anzahl der parallel eingesetzten Lifte wächst, werde genau dieses Bereitstellungsverfahren unterlaufen. Die Werker müssten sich die Waren an den einzelnen Stationen zusammensuchen, Laufwege und Auftragsdurchlaufzeiten steigen, die Pickleistung sinkt. «Sofern die Integration mehrerer Lagerlifte nebeneinander erforderlich ist, addieren sich zudem die Kosten für Anschaffung und Betrieb», so Kuner weiter. Dann stehe auch stets aufs Neue die Frage nach dem Return of Invest im Raum. Die Strategie gehe also nicht immer auf. Erweise sich eine solche Lösung letztlich gänzlich als Fehlinvestition, relativierten sich scheinbare Vorteile schnell.

Im Vergleich zu rotierenden Regalen rechnet sich der Einsatz eines BOXer SE laut Kuner in der Regel bereits ab dem vierten oder fünften Lift oder ab etwa 1500 Behältern. Über die Smart Edition dieser Baureihe ist das für die Mitarbeitenden komfortable Ware-zur-Person-Prinzip auch bei wachsenden Systemen durchgängig sichergestellt. Die Pickleistung nehme dank des «single point of access» dann nur äusserst geringfügig ab.

Flexibler Materialfluss für Paletten

Die Implementierung des BOXer SE-AKL bei CSL Behring startete im Februar 2016 und wurde bereits im Juni gleichen Jahres mit dem Go-Live erfolgreich abgeschlossen. Seither werden aus dem Kühl- und Hochregallager zugeführte Paletten stapler- unterstützt auf den Aufgabekettenförderer übergeben. Hier verteilt ein Verschiebewagen (VW), der aus Sicherheitsgründen in einem komplett umwehrten Bereich verfährt, die Paletten auf die drei Arbeitsplätze, die auf einer komfortablen Höhe von 500 mm eingerichtet sind. Sollten sämtliche Stationen belegt sein, kann der VW die Paletten auf einem der acht Pufferplätze zwischenlagern. «Auf diese Weise haben wir in diesem Bereich einen äußerst flexiblen Materialfluss realisiert, der sich wechselnden Auftragsumständen anpassen kann», sagt Stöcklin-Projektleiter Matthias Föhner. Die Kommissionierung erfolgt von Lager- auf Auftragspaletten, die über das manuelle Lager zur Versorgung der Fertigung bereitgestellt werden. Nach Abschluss des Kommissioniervorgangs übernimmt wiederum der VW und fährt die Paletten zur Auslagerstrecke, wo sie zwecks Rücklagerung mithilfe von Staplern aufgenommen werden.

Leichtgewicht mit vorprogrammierter Effizienz

Im 900 Behälterstellplätze umfassenden, ebenfalls komplett umwehrten AKL verfahren zwei BOXer SE-Kleinteilegeräte (KTG) in zwei Gassen auf einer Länge von 21 Metern. Die fünf Meter hohen KTG sind mit je einem Lastaufnahmemittel in Form eines Kombiteleskops ausgerüstet, welches in der Standardausführung bis zu zwei Behälter mit einem Gewicht von je 50 kg gleichzeitig aufnehmen kann. «Die smarte Ausführung des BOXer ist eine ideale Lösung für Behälter-, Tablar- oder Kartonlager mit 1000 bis 8000 Stellplätzen pro Gasse», sagt Bereichsleiter Christian Kuner. Schon die klassische und seit mittlerweile fast 14 Jahren bewährte BOXer Baureihe zeichne sich durch konsequente Leichtbauweise aus. Das extrem niedrige Eigengewicht des BOXer SE habe man erreicht, indem ein Grossteil der schweren Komponenten nicht mit dem Gerät mitfährt, sondern festlandseitig installiert ist.

Frei wählbare Betriebsmodi

Kennzeichnend für den BOXer SE ist zudem das integrierte Stöcklin-Energiemanagement. Über bewährte Features wie «Zwischenkreiskopplung» und eine «intelligente Achsensteuerung» hinaus, überzeugt hier die standardmässig enthaltene, sogenannte «Boost-/Eco-/Sleep-Mode-Funktionalität». Im Boost-Modus fährt das Gerät mit den Nennwerten und erreicht damit eine Leistung von rund 110 Behälter Ein- und Auslagerungen pro Stunde und Gasse. Die Eco-Mode-Methode wird für Betriebszustände genutzt, in denen die maximale Systemleistung nicht erforderlich ist. Hierbei werden die Geschwindigkeiten und Beschleunigungen der Fahr- und Hubantriebe um bis zu 50 Prozent reduziert. Neben dem reduzierten Energiebedarf des Systems wird damit gleichzeitig auch der Verschleiss reduziert, bzw. die Lebensdauer der Komponenten erhöht. Eine Reduktion der dynamischen Werte auf beispielsweise 50 Prozent, reduziert den Energiebedarf um rund 20 Prozent. Die Systemleistung bzw. der Behälterdurchsatz würde in einem solchen Fall aber immer noch bei rund 75 Prozent der Nennleistung liegen. Bei längeren betriebsbedingten Stillstandzeiten kann das Gerät dann auch in den Schlaf-Modus versetzt werden. Dies lässt sich wahlweise am KTG oder über den Materialflussrechner vornehmen. Im «Sleep»-Zustand bleibt die Steuerung eingeschaltet. Alle weiteren Elektronikkomponenten, die auch im Stand-by-Modus ohne Fahrbewegungen Energie beziehen, werden hingegen ausgeschaltet. Ein Re-Start in den aktiven Betriebszustand dauert maximal 30 Sekunden.

Der Erfolg in Zahlen

KTG-Experte Christian Kuner: «Es lassen sich jährlich bis zu 1600 kWh an Strom einsparen bzw. der schädliche CO2-Ausstoss um rund 1000 kg verringern. Somit sei der BOXer SE nicht nur das leichteste, sondern auch das energieeffizienteste Kleinteilegerät auf dem Markt.

«Seit Inbetriebnahme läuft die Anlage stabil und wir sind mit der gewählten Lösung, die sich jederzeit flexibel auf neue Anforderungen und Aufgaben anpasst sowie bei Bedarf erweitern lässt, sehr zufrieden», resümiert Marc Herbener.

Autor: Urs Grütter, CEO Stöcklin Logistik AG


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Der BOXer SE ist nicht nur das leichteste, sondern auch das energieeffizienteste Kleinteilegerät auf dem Markt. (Bild: Stöcklin)