Eine Publikation der Binkert Medien AG
Peter Spycher, Director Business Development, Vanderlande Industries GmbH : Ausgabe 03/2016, 15.03.2016

Volle Konzentration auf den Warehouse-Sektor

Vanderlande hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschäftsabläufe seiner Kunden zu optimieren und damit deren Wettbewerbsposition zu stärken. Diese Vorgabe gilt auch für den Markt Schweiz, wo Peter Spycher seit 1. September 2015 als Director Business Development das Team von Vanderlande unterstützt.

Das Unternehmen Vanderlande wurde 1949 von Eddie van der Lande im niederländischen Veghel gegründet. Was als kleiner Maschinenbaubetrieb begann, hat sich mittlerweile zu einem global operierenden Unternehmen entwickelt, das beispielsweise in der Flughafenlogistik Weltmarktführer ist. Peter Spycher war zu Besuch in der Material Handling-Redaktion.

Material Handling: Herr Spycher, was ist Ihre Aufgabe hier in der Schweiz?

Peter Spycher: Vanderlande will die Marktbearbeitung in der Schweiz intensivieren. Dabei geht es um eine konsequentere Erschliessung. Darum bin ich nun Teil des Vanderlande-Teams.

MH: Sie sind ein ausgewiesener Intralogistik-Experte mit mehr als zwanzig Jahren Branchenerfahrung. Wie hilfreich ist das für Ihre neue Herausforderung?

Spycher: Tatsächlich bin ich kein Unbekannter in der Branche, was durch meine Mitarbeit in der IGFT (Interessensgemeinschaft Fördertechnik) als Vorstand für die Markt- und Wirtschaftskommission unterstrichen wird. Das Fachwissen, welches ich aus meinen Management-Tätigkeiten in namhaften Logistikunternehmen erworben habe, bildet die Grundlage für meine höchst interessante Herausforderung. Der Name Vanderlande soll zu einem Begriff im Warehouse-Bereich werden.

MH: Was hat in der bisherigen Marktbearbeitung in der Schweiz bei Vanderlande gefehlt?

Spycher: Wichtig ist die lokale Präsenz, das Beherrschen der Umgangssprache und die Fähigkeit vernetzt arbeiten zu können. Diese Grundvoraussetzungen sind nunmehr gegeben und wir blicken zuversichtlich in die Zukunft.

MH: Wo liegen die Stärken von Vanderlande als Lösungsanbieter für die Intralogistik?

Spycher: Unser Unternehmen ist in vier Geschäftsbereiche unterteilt: Lagerautomatisierung, Pakete & Post, Gepäckförderung und den Kundenservice. Dass wir in all diesen Sektoren im Jahr 2015 einen Rekordauftragseingang in der Höhe von 1,4 Milliarden Euro erzielen konnten, bestätigt unsere Spitzenposition im Weltmarkt. Dies entspricht einer Steigerung um bis zu 400 Millionen Euro gegenüber dem Auftragseingang im Vorjahr. Solche Ergebnisse können nur dann erzielt werden, wenn auch technologisch eine Vorreiterschaft gegeben ist.

MH: Was zeichnet den Schweizer Markt für Logistikprojekte aus?

Spycher: ich würde sagen, klein aber fein. Klein, weil sich die Projektgrössen im unteren bis mittleren Auftragsbereich bewegen. Fein, weil sich die Schweizer Interessenten sehr gerne von innovativer Technologie überzeugen lassen, wenn es sich rechnet.

MH: Was sind für Schweizer Verhältnisse durchschnittliche Projektgrössen?

Spycher: In der Regel reden wir von einem normalen Projektvolumen von drei bis fünf Millionen Schweizer Franken. Das können neue Anlagen sein, aber beispielsweise auch Erweiterungen, wie wir sie bei der Schweizerischen Post in Härkingen und Frauenfeld vorgenommen haben, die jedoch ein wesentlich grösseres Volumen hatten.

MH: Pakete & Post, Gepäckförderung sowie Kundenservice sind bei Vanderlande drei Hauptgeschäftsfelder. Das vierte – nämlich die Lagerautomatisierung – scheint mir doch noch sehr jung zu sein. Stimmt das?

Spycher: Das scheint von aussen so wahrgenommen zu werden, stimmt aber nicht. Vanderlande hat mit vielen Kunden schöne Projekte umgesetzt. Es wurde aber auf Wunsch der Kunden darauf verzichtet, die Referenzen im Markt zu veröffentlichen. Erst der Erfolg von Vanderlande in Deutschland hat es möglich gemacht, diesen Bereich auch auf den internationalen Märkten anzubieten.

MH: Der technologische Fortschritt – beispielsweise bei den Shuttles – war aber auf Messen spürbar. Wo würden Sie Vanderlande rangmässig einordnen?

Spycher: Meiner Meinung nach gehört Vanderlande zu den drei stärksten Anbietern von Lagerautomatisierung. Wir haben praktisch aus dem Stand heraus im Lebensmittelbereich Projekte für 400 Millionen Euro verkauft. Das sind Projekte, die dann an anderen Standorten praktisch kopiert werden. Die Aussichten stehen also nicht schlecht. Eine weitere Kernzielgruppe ist der E-Commerce, wo Vanderlande bereits weltweit zur Nummer eins aufsteigen konnte.

MH: Wie hoch ist die Fertigungstiefe im Unternehmen?

Spycher: Es ist ein strategischer Vorteil, die zentralen Bausteine der automatischen Lagertechnik selber herzustellen. Deswegen verfügen wir über eine hohe Fertigungstiefe. Die verschiedenen Shuttle-Typen wie Quickstore HDS, ACP Adapto und Microshuttle werden von uns selber hergestellt, ebenso die ganze Bandbreite an Regalbediengeräten. Die Fertigung erfolgt in Deutschland, Holland und neu auch in unserem Werk in Spanien.

MH: Wo sehen Sie Ansatzpunkte für Erfolge im Warehouse-Bereich in der Schweiz?

Spycher: Ein Beispiel: Unser 3D-Shuttle Adapto. Es sorgt für Flexibilität bei der Lagerautomatisierung. Dieses neue Lager-, Entnahme- und Transportkonzept besteht aus einer Regalstruktur mit einem integrierten Shuttle-Schienensystem, multidirektionalen Microshuttles, Liften und einer Verkehrs-Steuerungssoftware. Die Lagerkapazität kann durch die Erweiterung vorhandener Gänge oder durch zusätzliche Gänge erhöht werden, während das System weiterhin einsatzfähig bleibt. Der Durchsatz eines Adapto-Systems kann durch die Ergänzung mit Microshuttles oder Liften erhöht werden. Der Anwender kann zunächst klein starten und das System später einfach anpassen. Die Nichtverfügbarkeit eines Lifts oder Shuttles beeinträchtigt nicht die Produktverfügbarkeit, da jedes Shuttle jeden Standort innerhalb des Systems erreichen kann. Und auch in Notfällen, etwa bei einem Stromausfall, können Eilaufträge weiterhin ausgeführt werden, da alle Produkte sich in Reichweite befinden.

MH: Welche Faktoren spielen in der Schweiz – neben den hohen Bodenpreisen – bei den Anforderungen für Logistiksysteme eine Rolle?

Spycher: Die hohen Bodenpreise erfordern kompakte Anlagen. Weiters wichtig ist auch das Thema Energie. Wir können mit dem Adapto-Shuttle fünfzig Kilogramm heben. Das Shuttle selbst ist annähernd gleich schwer, wie die Last. Wir brauchen bei diesem System keine Fördertechnik. Das heisst, die vielen Antriebe an langen Förderstrecken fallen weg. Was nicht existiert, braucht auch keinen Strom. So einfach ist das. Ein weiterer Faktor ist die Gebäudehülle. Auch hier kann mit intelligenten Massnahmen der Gesamtwirkungsgrad der Anlage verbessert werden.

MH: Wie hoch ist der Anteil an Shuttle-Projekten im Vergleich zu herkömmlicher Technik?

Spycher: Die Shuttle-Projekte entwickeln sich erfreulich mit steigender Tendenz. Wir haben momentan eine Anlage in der Realisierung mit etwa 2000 Shuttles.

MH: Hat sich Vanderlande dem Bau hochkomplexer Logistikanlagen verschrieben?

Spycher: Das ist in der Tat so. Für ein automatisiertes Palettenhochregallager braucht es weniger Know-how als für ein komplexes Shuttle-System. Solche Aufträge sind auch von der Kostenstruktur her gesehen nicht unser Fokus. Wir suchen die Herausforderung gemeinsam mit dem Kunden auch in komplexen Systemen Prozesse abzubilden, die ihm mehr Wertschöpfung bringen. Es muss aber nicht immer Vollautomatisierung sein. Wir integrieren auch manuelle Kommissionierplätze in ganze Systeme.

MH: Wie kommt man zu Informationen, was neue Projekte anbelangt?

Spycher: Der eine Weg geht über die Planungsbüros oder Consultants. Der zweite führt über die Tagespresse. Wirtschaftsmeldungen sind von besonderem Interesse. Ins Gespräch kommt man mit Interessenten auch über Fachartikel oder Case Stories in der Fachpresse. Dabei wird aufgezeigt, was in einem bestimmten Projekt machbar ist. So mancher Interessent erkennt beim Lesen der Fachliteratur, dass bei ihm eigentlich die gleiche Problematik vorliegt und wendet sich dann an uns. Dann wären noch die Messen als eine wichtige Kommunikationsplattform und last but not least natürlich die Mundpropaganda. Denn über erfolgreich realisierte Projekte wird gesprochen. Dies führt dazu, dass interessierte Kunden den direkten Weg zu uns suchen.

MH: Wo liegen Ihre mittelfristigen Ziele?

Spycher: Hauptziel ist die Positionierung von Vanderlande als Automatisierungspartner im Warehouse-Bereich. Unser Unternehmen muss in der Branche als interessante Anlaufadresse wahrgenommen werden. Es gibt etliche Referenzen in der Schweiz, die mithelfen werden, unser Ziel erreichen zu können. Wir sind überzeugt, mit konzentrierter Arbeit erfolgreich zu sein.

MH: Was zeichnet das Umfeld bei Vanderlande aus?

Spycher: Der Mensch steht bei Vanderlande im Mittelpunkt. Ich hatte seit meinem Jobantritt drei interessante Schulungen. Es wird in die Mitarbeitenden investiert. Die Grundeinstellung würde ich als sehr mitarbeiterfreundlich bezeichnen. Das fördert natürlich die Motivation.

MH: Im Frühjahr stehen drei Messen für die Branche an: Die LogiMAT in Stuttgart, die Logistics & Distribution in Zürich und die CeMAT in Hannover. Wie sieht der Fahrplan von Vanderlande aus?

Spycher: Wir sind an der LogiMAT in Stuttgart vertreten. Sie ist unserer Meinung nach der Logistikanlass in Zentraleuropa und auch für Schweizer Interessenten von Bedeutung.

MH: Herr Spycher, wir bedanken uns für das interessante Gespräch.

«Im Jahr 2015 konnten wir einen Rekordauftragseingang in der Höhe von 1,4 Milliarden Euro erzielen.»

«Ein vollautomatisiertes Palettenhochregallager ist auch von der Kostenstruktur her gesehen nicht unser Fokus.»


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Das 3D-Shuttle Adapto sorgt für Flexibilität bei der Lagerautomatisierung. (Bild: Vanderlande)


Peter Spycher (links) war zu Besuch in der MH-Redaktion. (Bild: Binkert-Medien, Martin Beltinger)