Eine Publikation der Binkert Medien AG
Strategische Partnerschaft von Bauberger AG und Tschudy AG in der Südostschweiz: Ausgabe 06/2016, 07.06.2016

Zu zweit «Berge» versetzen

Die Bauberger AG mit Sitz in Elgg/ZH und das zur Calanda Gruppe gehörende Bündner Transportunternehmen Tschudy AG haben gemeinsam eine Kooperation vereinbart. Ziel ist es, zusammen in der Südostschweiz Stärke zu zeigen und den dortigen Markt intensiver zu bearbeiten.

Die beiden Kooperationspartner haben sich vorgenommen, die Führungsposition im Bereich Kranarbeiten, Schwertransporte, Verschiebungen und Maschinenmontagen in Graubünden auszubauen. Zum Aufgabenbereich gehören komplexe Verschiebungen in Bündner Kraftwerken, Sanierungen und Modernisierungen von Generatoren, Trafos oder Druckleitungen sowie Projekte im Anlagenbau. «Material Handling» hatte Gelegenheit zu einem Interview mit den beiden Geschäftsführern Ruedi Bauberger und Giancarlo Weingart.

Material Handling: Wer hatte die Idee für diese Kooperation?

Ruedi Bauberger: Die Tschudy AG war für mich seit jeher ein Begriff, weil meine Grosseltern aus dem Kanton Graubünden stammen. Der Hauptgrund dafür, dass über diese Zusammenarbeit nachgedacht wurde, liegt darin, dass die Tschudy AG über spezielle Werkzeuge verfügt, die sie gekauft und relativ selten eingesetzt haben. Diese Werkzeuge sind eine willkommene Ergänzung für die Ausrüstung unserer Montage-Teams. So sind wir miteinander ins Gespräch gekommen.

Giancarlo Weingart: Die Tschudy AG hatte wegen der bevorstehenden Räumung des alten Werkhofs Platzprobleme. Es waren Werkzeuge vorhanden, die besser zur Ausrüstung der Bauberger AG passten, als für den Bereich Kran und Transport. Dafür musste eine Lösung gefunden werden.

MH: Herr Weingart, stellen Sie bitte kurz die Tschudy AG respektive die Calanda Gruppe vor.

Weingart: Die Tschudy AG wurde 2014 von der Calanda Gruppe übernommen. Diese Bündner Traditionsfirma bestand zu diesem Zeitpunkt seit fast 80 Jahren. Die Firma Tschudy ist ein Schwertransport-Pionier: Anhänger und Seitenträgerbrücken für Transporte von Trafos bis zu 240 Tonnen entwickelten sie selber. Das Unternehmen geniesst in unserer Region einen guten Ruf als Logistikdienstleister. Die Calanda Gruppe ist in erster Linie als Zulieferer im Baugewerbe angesiedelt. Wir sind Partner für Kies, Sand, Beton, Pumpen, Recycling und Transporte. Derzeit beschäftigen wir rund 60 Mitarbeitende. Die Tschudy AG wird unter dem bestehenden Namen in unserer Gruppe weitergeführt.

MH: Es sollen partnerschaftlich Synergien genutzt werden. Was heisst das konkret?

Bauberger: Synergien stelle ich bereits beim äusseren Erscheinungsbild beider Unternehmen fest. Die Parallelen des neuen Markenauftritts – also der optischen Wahrnehmung – transferieren eine zeitgemässe und offene Botschaft. Das strahlt Dynamik aus. Nach dieser Devise wird auch in beiden Unternehmen gearbeitet. Wenn ich mir beispielsweise die Homepage der Calanda Gruppe betrachte, dann hat das nichts mehr mit der traditionell konservativen Ausrichtung der Tschudy AG in früheren Zeiten zu tun.

MH: Herr Bauberger, was macht Sie so sicher, dass die Chemie zwischen beiden Unternehmen stimmt?

Bauberger: Bereits in den ersten Gesprächen habe ich festgestellt, dass das neue Team der Tschudy AG – im Gegensatz zu früher – eine andere Sprache spricht. Motivation und Aufbruch sind unter dem Dach der Calanda Gruppe spürbar. Auffallend ist bei beiden Partnern, dass sie von Pioniergeist geprägt sind. Zudem stimmt für uns der Zeitpunkt für diese Zusammenarbeit, weil im neuen Gewerbepark genügend Platzreserven verfügbar sind.

MH: Herr Weingart, wo liegen die Stärken der Tschudy AG?

Weingart: Wenn es um Transporte unter besonderen topografischen Bedingungen geht, dann sind wir der richtige Partner. Unsere Spezialisten sind darin geübt, schwere Lasten durch die Bündner Bergwelt zu manövrieren. Das haben wir in etlichen Einsätzen bewiesen. Wir haben beispielsweise einen tonnenschweren Trafo mit dem Tieflader über den Julierpass transportiert. In diesem Bereich gibt es wenige Unternehmen, die eine solche Herausforderung zu meistern im Stande sind. Wir führen jedoch auch ganz alltägliche Arbeiten, wie das Stellen von Turmdrehkranen und den Transport von Baumaschinen aus.

Bauberger: In der Öffentlichkeit erregen die spektakulären Transporte Aufsehen. Das gilt für beide Unternehmen. Das sind die Highlights, die unser Alleinstellungsmerkmal darstellen. Geht nicht gibt es nicht. Wo andere kapitulieren, fangen wir erst an. Es steckt Leidenschaft dahinter, auch bei sogenannten normalen Arbeiten.

Welche Geräte hat Bauberger nicht, die bei der Tschudy AG im Einsatz stehen?

Weingart: Wir haben vier Mobilkrane in unserem Fuhrpark mit Tragfähigkeiten von 35 bis 300 Tonnen. Es handelt sich um drei Liebherr-Fahrzeuge und unsere neueste Anschaffung, den Grove-Mobilkran.

MH: Ist es absehbar, dass die Tschudy AG durch die Zusammenarbeit mit der Bauberger AG auch an Aufträge ausserhalb Graubündens herankommt?

Weingart: Durchaus. Bei den meisten Aufträgen kommt es darauf an, dass zum angefragten Zeitpunkt alles zusammenpasst. Transportgerät, Werkzeuge und die Transportspezialisten müssen rasch verfügbar sein. Die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Transportaufgabe müssen sicher und effizient abgedeckt werden können. Ich denke, dass wir in dieser Hinsicht in der Lage sind, auch Aufträge in anderen Gegenden der Schweiz zur vollen Zufriedenheit der Kunden abzuwickeln.

Bauberger: Zunehmend gibt es Anfragen, wo innert kurzer Zeit eine Lösung gefunden werden muss. Das erfordert Vertrauen zum Auftragnehmer. Es bleibt keine Zeit, um drei Wochen lang Verträge auszuarbeiten. In solchen Fällen steht der Nutzen für den Endkunden im Vordergrund. Abgerechnet wird nachher. Die gleiche Denkweise und Offenheit sind gefragt.

MH: Warum war die Tschudy AG bevorzugter Transporteur für die Bündner Kraftwerke?

Weingart: Weil wir sehr spezielle Aufträge höchst professionell ausgeführt haben. Nach dem Motto «Never Change a Winning Team» sind uns die Bündner Kraftwerke als Kunde treu geblieben. Stellen Sie sich vor, was es für Planungsarbeiten braucht, bis ein solcher Transport überhaupt begonnen werden kann. Wie wird die Zufahrt zum Kraftwerkshaus gelöst? Braucht es bauliche Massnahmen, um den Trafo überhaupt auf das Gelände zu bringen? Wie wird der Transport mit den Behörden abgestimmt? Es gibt eine ganze Reihe von anspruchsvollen Planungsarbeiten, die miteinander abgestimmt werden müssen. Das schweisst zusammen.

MH: Herr Bauberger, wo sehen Sie das Potenzial für Ihr Unternehmen am Bündner Markt?

Bauberger: Erstens haben wir nun einen Partner vor Ort, der uns empfehlen kann. Zweitens sind in den Kraftwerken Maschinen im Einsatz, die in die Jahre gekommen sind. Es wird also in nächster Zeit vermehrt zu Anfragen bezüglich Trafo- oder Generatorentransporten kommen. Wir haben bereits für einige namhafte Kunden in Graubünden Aufträge durchgeführt. Darum sind wir zuversichtlich, dass in Zusammenarbeit mit der Tschudy AG unsere Führungsposition in Graubünden weiter ausbaufähig ist. Die Fähigkeit der Tschudy AG, hochalpine Transporte ausführen zu können, kommt uns da sehr entgegen.


Info
Bauberger AG
8353 Elgg
Tel. 052 368 60 60
Fax 052 368 60 70
info@bauberger.ch
www.bauberger.ch 

Calanda Gruppe
7004 Chur
Tel. 081 286 34 00
Fax 081 286 24 14
info@calanda.ch
www.calanda.ch



Mit Spezial-Hubanlagen bringt die Bauberger AG schwerste Lasten auch in grosse Höhen. (Bilder: Bauberger AG, Tschudy AG, Otmar Feurstein)


Die neuste Anschaffung der Tschudy AG ist der Grove GMK 6300L Mobilkran.


Ruedi Bauberger: «Geht nicht gibt es nicht. Wo Mitbewerber kapitulieren, fangen wir erst an.»


Giancarlo Weingart: «Die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Transportaufgabe müssen sicher und effizient abgedeckt werden können.»


Die Tschudy AG hat ihr Können bei etlichen hochalpinen Transporten unter Beweis gestellt, wie beispielsweise bei diesem Trafotransport über Bündner Bergstrassen.