Eine Publikation der Binkert Medien AG
Intralogistik-Automation und Robotik : Ausgabe 09/2016, 13.09.2016

Zwei Welten wachsen zusammen

Trends wie der immer bedeutender werdende Absatzkanal e-Commerce, Schlagwörter wie Industrie 4.0 oder Internet of Things ... all diese Begriffe werden oft in einen gemeinsamen Topf geworfen. Wobei die wachsende Bedeutung des e-Commerce zumeist als der bestimmende Faktor für den technologischen Wandel im Bereich Intralogistik-Automation gesehen wird.

Diese Betrachtung erscheint aus mehreren Gründen zumindest unvollständig, wenn nicht sogar fragwürdig zu sein. Denn auch alle anderen klassischen Bereiche in der Welt der Intralogistik-Automation, also vor allem der klassische Handel (welcher in den meisten Branchen immer noch den grössten Anteil an der Endkundendistribution ausmacht) oder auch der spezielle Bereich Pharmadistribution sehen sich heute mit weitaus höheren Anforderungen konfrontiert als noch vor zehn Jahren. So besteht nicht nur generell ein enormer Kostendruck quer durch alle Branchen, sondern auch die Faktoren Zeit und Fehlervermeidung werden immer wichtiger. Als ein Beispiel seien hier die neuen Vorgaben zur Rückverfolgbarkeit in der EU-Richtlinie 2011/62/EU (Falsified Medicines Directive) genannt, welche die durchgängige Rückverfolgbarkeit kodierter Verpackungen mit eindeutiger Seriennummer für nahezu alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel vorschreibt - und zwar von der Produktionsstätte bis zum Endkunden. Aber eben nicht nur in der Pharmabranche, sondern auch im Lebensmittelbereich ist Rückverfolgbarkeit ein immer wichtigeres Thema, ebenso wie eine durchgängige Temperaturführung heute schon regulatorisch verankert ist (wenngleich die heute bereits vorhandenen Technologien zur entsprechenden Kontrolle der Regularien wie spezielle Label, Sensoren etc. noch nicht verpflichtend einzusetzen sind).

Wachsende Herausforderungen in der Intralogistik

All diese Faktoren führen in der Intralogistik zu wachsenden Herausforderungen nicht nur in Bezug auf Kosten, sondern zumindest mit gleicher Relevanz auch zur Suche nach neuen Strategien und Technologien für schnellere Durchlaufzeiten, Qualitätssicherung und Service. Nun kommen zum Beispiel im Bereich der Kommissionierung schon relativ lange leistungsstarke Automationslösungen zum Einsatz und auch die Weiterentwicklung solcher Automaten hat in der Vergangenheit einen Riesenschritt gemacht, bis zu dem Punkt wo wir heute sind, nämlich dass auch moderne Kommissionierautomaten grundsätzlich als Stand der Technik angesehen werden. Relativ neu aber ist der Einsatz von Robotertechnologie in anderen Bereichen der Intralogistik-Automation, was wohl auch damit zusammenhängen dürfte, dass das (potenzielle) Einsatzspektrum dieser Technologie erst in den letzten Jahren massiv grösser wurde. (Vorwiegend getrieben durch modernste Kameratechnologien und die heute zur Verfügung stehenden extrem hohen Rechnerleistungen im Vergleich zu früher.)

Vielseitige Robotikanwendungen

Dadurch bestehen heute auch immer weniger Limitierungen hinsichtlich Verpackungsformen oder anderer Produkteigenschaften sowie auch hinsichtlich flexibler, ständig wechselnder Manipulationsschritte. Denn während in der Vergangenheit im Bereich der Intralogistik-Automation wenn überhaupt meist nur sehr statische Roboter-Lösungen eingesetzt wurden, welche vorwiegend simple und genau vordefinierte Bewegungen ausführten (und zusätzlich meist auch auf symmetrische Produktabmessungen limitiert waren), so können heute moderne Robotersysteme durch die Kamera nicht nur verschiedenste Produkte erkennen (und je nach Anwendung funktioniert dies heute sogar auch schon ohne bzw. mit beschädigtem Barcode) sondern danach je nach spezifischer Anforderung auch sanft greifen, schnell Kommissionieren, genau Schlichten etc. Alle relevanten Entscheidungen werden dabei in Bruchteilen von Sekunden getroffen und im Anschluss daran der jeweilige Prozessschritt ausgeführt und bestätigt. Nach Abschluss des Prozesses kann automatisch ein digitales Beweisbild erstellt und jederzeit zusätzlich in die logische Bestätigungsmeldung integriert werden, wodurch die Prozesskettenverfolgung im Falle von Fehlern wesentlich vereinfacht wird.

Effizienter und wirtschaftlicher Betrieb

Fakt ist, dass sich heute unter intelligenter Ausnutzung der spezifischen Vorteile beider Systemwelten (Intralogistik-Automation und Robotik) Intralogistikprojekte in den verschiedensten Bereichen und Branchen effizienter denn je realisieren und bei gewissenhafter Planung auch sehr wirtschaftlich umsetzen und betreiben lassen. Die Erfahrung aus der Realisierung vieler voll- oder teilautomatisierter Logistikzentren hat dabei allerdings auch gezeigt, dass dabei nicht nur eine ganzheitliche Betrachtung und sorgfältige Planung wichtiger denn je ist, sondern dass auch die Projektumsetzung, egal welcher Grösse, möglichst durch einen einzigen Generalunternehmer erfolgen soll, um einen optimalen Projekterfolg zu erzielen. Die Öffnung hin zur Welt der Robotik wird also wohl auch einer der Bausteine für den langfristigen und nachhaltigen Erfolg von Intralogistik-Systemhäusern sein.

Langfristiger Trend in Gang gesetzt

Wenn man die Übernahme von Swisslog durch Kuka im November 2014 unter diesem Aspekt betrachtet, so kann man durchaus zum Schluss kommen, dass hier ein langfristiger Trend in Gang gesetzt wurde. Dies unabhängig davon, ob in Zukunft Robotikunternehmen durch grosse Intralogistik Systemhäuser übernommen werden oder umgekehrt.

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Pickroboter bei der Kommissionierung. (Bild: Bastian Solutions)


Arno Draxler, agiplan ag: «Die Öffnung hin zur Welt der Robotik wird wohl auch einer der Bausteine für den langfristigen und nachhaltigen Erfolg von Intralogistik-Systemhäusern sein.»