Eine Publikation der Binkert Medien AG
Bei Camille Bloch trifft Chocolatier-Tradition auf modernste Antriebstechnik : Ausgabe 09/2017, 11.09.2017

Zart schmelzen – smart laufen

Das klassische Ragusa gab es ursprünglich nur in der 50-Gramm-Riegelform mit ganzen Haselnüssen in einer Haselnuss-Praliné-Füllung, ummantelt von einer feinen Schokoladenschicht – heute ist Ragusa die wichtigste Marke von Chocolats Camille Bloch und steht für eine fast 90-jährige Chocolatier-Tradition aus der Schweiz. Aktuell investiert das Schweizer Familienunternehmen am Standort Courtelary in ein Logistikzentrum. Lenze Smart Motoren geben den Rollen- und Kettenförderern in der vom Materialflussspezialisten Stöcklin gebauten Anlage den Antrieb.

Camille Bloch zählt zu den typischen Vertretern traditionsreicher Familienunternehmen, die auf der Langstrecke erfolgreich sind und nachhaltig wachsen. In dritter Generation von Daniel Bloch geführt, produziert das 1929 von Camille Bloch in Bern gegründete Unternehmen jährlich etwa 3700 Tonnen Schokoladenspezialitäten. 180 Mitarbeitende sind am Standort Courtelary angestellt – ein gewachsener Betrieb innerhalb einer ländlichen Region. Bewährte Rezepte treffen hier auf moderne Technologien. Und Camille Bloch hat in Zukunft noch viel vor – was aktuell in anspruchsvollen Bauprojekten sichtbar wird.

Im Vergleich zum Neubau auf der grünen Wiese bringen Erweiterungen bestehender Produktionen immer die Herausforderung mit sich, dass verfügbarer Platz und damit räumliche Ausdehnungsmöglichkeiten begrenzt sind. Dies wird beim Blick in das neue Hochregallager für Rohstoffe, Packmittel und Fertigwaren bei Bloch schnell deutlich. Die Materialflussexperten von Stöcklin aus der Schweiz konzipieren deshalb ihre Lösungen der horizontalen Materialflusstechnik so kompakt wie möglich, ohne dabei Abstriche bei der Funktion oder der Installationsfreundlichkeit machen zu müssen.

Funktion und Leistung auf engstem Raum

Bei einer Rollenfördereinheit mit Hubfunktion heisst das zum Beispiel, dass auf engstem Raum zwei Antriebe unter den Rolleneinheiten unterzubringen waren. «Ein Getriebemotor treibt die Rollen an, der andere über eine Exzentermechanik das Hubwerk», beschreibt Oliver Colombo, Bereichsleiter für horizontale Fördertechnik bei Stöcklin, die Funktion. Der Vorteil des Lenze Smart Motors ist, dass seine Baugrösse kleiner ist als vergleichbare am Netz betriebene Antriebe.

Auch beim aktuellen Logistik-Projekt bei Camille Bloch ist knapper Bauraum ein Thema für Stöcklin. Der Lenze Smart Motor erfüllt den sich daraus ergebenden Anspruch an hohe Leistungsdichte vor allem durch seine vierfache Überlastfähigkeit. Lenze hat diese Eigenschaft deshalb in die auf die horizontale Fördertechnik spezialisierte Antriebslösung gebracht, weil Losbrechmomente im Materialfluss ein wichtiger Aspekt bei der Auslegung und Dimensionierung von Antrieben sind.

«Wenn wir Paletten fördern wollen, brauchen wir Energie. Weil aber die Antriebe nicht ständig durchlaufen, muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich diese Aufgabe möglichst intelligent und energiesparend löse», meint Oliver Colombo. Während sich in der Vergangenheit die vergleichsweise hohen Losbrechmomente nur mit einer entsprechend üppigen Antriebsauslegung beherrschen liessen, deckt der Lenze Smart Motor diesen temporär auf wenige Sekunden begrenzten Maximalleistungsbedarf durch die kurzfristige Vervierfachung der Nennleistung ab. Damit liefert die Antriebselektronik ausreichend Leistung beim Anfahren und der Getriebemotor selbst braucht nur für den Normalbetrieb ausgelegt zu werden. «Ist die Fracht einmal in Bewegung, brauche ich ja auf der Strecke ganz wenig Energie im Vergleich zum Anfahren. Diese Antriebslösung ist ein echter Nutzen, weil wir kleiner bauen können, günstigere Antriebe einsetzen und auch noch energieeffizienter unterwegs sind», fasst Colombo die Vorteile des Lenze Smart Motors zusammen.

Smart und einfach: Festdrehzahlen frei einstellbar

Ein weiterer Pluspunkt: Mit den mechatronischen Einheiten sind per Knopfdruck vier unterschiedliche Drehzahlen wählbar – zum Beispiel um SPS-gesteuert vorwärts und rückwärts mit zwei Geschwindigkeiten zu fahren. Stehen zudem in einer Applikation Geschwindigkeitsanpassungen an, lassen sich diese ganz einfach mit der Lenze-App über die NFC (Near Field Communication)-Schnittstelle ändern. Hierbei sind Drehzahlen genauso veränderbar wie die Länge und die Steigung von Start-Stopp-Rampen sowie die generelle Drehrichtung des Motors. Die Reversiermöglichkeit stellt aus Sicht von Stöcklin ein weiteres Auswahlkriterium dar, weshalb sich die Logistiker aus der Schweiz für den Lenze Smart Motor entschieden haben. «Wir bekommen einen Antrieb, der einen ähnlichen Preis hat wie Produkte anderer Hersteller − aber mehr Funktionalität bietet.»

Neue Wege in der Logistik beschreiten

Nach Abschluss des auf zwei Phasen aufgeteilten Projekts werden bei Camille Bloch mehr als 120 dieser mechatronischen Logistikantriebe als Teil von Ketten- und Rollenförderern, Hubumsetzern sowie Aufgabestationen Rohwaren, Fertigprodukte und Verpackungsmittel in Fahrt bringen. Die unterschiedlichen Aufgaben und Anforderungen an Drehzahl sowie Drehmoment gehen dabei nicht mehr auf Kosten der Varianz. Im Vergleich zu herkömmlichen Getriebemotoren mit fester Drehzahl sinkt die Vielfalt um bis zu 70 Prozent: Für Produktionsunternehmen wie Camille Bloch bedeutet dieser Aspekt, dank der einstellbaren Festdrehzahlen deutlich weniger Ersatzmotoren aufs Lager legen zu müssen.

«Am liebsten haben wir überall den gleichen Antrieb, der sich vor allem auch einfach tauschen lässt, ohne dass ich dafür einen Ingenieur brauche», fasst Werner Prysi zusammen. Der Instandhaltungsleiter bei Camille Bloch erwartet auch, dass die eingesetzte Technik verlässlich arbeitet, zumal der begrenzte Platz keinen Raum für Redundanzsysteme lässt. Und wenn doch ein Antrieb zu tauschen ist, dann muss es schnell gehen. Die Anschlüsse am Lenze Smart Motor sind deshalb mit Steckern realisiert. Die Parametrierung des Austauschmotors ist ebenfalls nach wenigen Handgriffen erledigt, weil sämtliche Einstellungen der zu wechselnden Einheit stromlos per NFC ausgelesen werden können, um sie nach der Speicherung in der Lenze-App wieder in den neuen Motor einzuspielen – fertig.

Ausblick: NFC erst der Anfang

Die Near Field Communication (NFC) bezeichnet Oliver Colombo als gute Sache. Sie werde «nicht der letzte Entwicklungsstand bleiben – wobei ich heute aber auch nicht weiss, wie es mit der industriellen Kommunikation weitergehen wird». So praktisch drahtlose Verbindungen auch sein mögen – die Frage nach der Bezahlbarkeit wird bleiben. «In der Fördertechnik sprechen wir von Platzkosten, also den Kosten von Fördertechnikabschnitten bezogen auf die Anzahl Paletten, die darauf Platz haben.» Die Kosten beinhalten unter anderem den Stahlbau samt Mechanik und Motor sowie die Installationstechnik, Software und Montagezeit. «Neue Funktionen sind immer schön, der Markt muss aber innerhalb von TCO-Berechnungen einen Nutzen davon haben.» Mit dem Lenze Smart Motor ist es gelungen, genau bei den Total Costs of Ownership anzusetzen und dem Materialfluss eine komplett neu gedachte Antriebslösung zu bieten.

Autor: Adrian Zürcher, Lenze Bachofen


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In einer Förder- und Hubeinheit sind zwei Lenze Smart Motoren mit angepasster Anschlusstechnik versetzt eingebaut. Camille Bloch produziert jährlich rund 3700 Tonnen Schokoladespezialitäten. (Bilder: Camille Bloch, Lenze)


Dank der vierfachen Überlastfähigkeit bewältigt der Lenze Smart Motor die hohen Losbrechmomente im Paletten-
transport spielend.


Erfolgreicher Start des neuen Antriebs: Instandhaltungsleiter Werner Prysi und Oliver Colombo von Stöcklin (von links).