Eine Publikation der Binkert Medien AG
Stefan Taxer, Produktmanager Mobile Automation, B&R Industrie-Automation AG : Ausgabe 01/02/2017, 07.02.2017

«Homogenität unabdingbar für die mobile Automatisierung»

Mobile Systeme in der Landwirtschaft, im Kommunalbereich, im Transportwesen und in der Intralogistik werden vermehrt automatisiert.Wichtig bei diesen Systemen ist ein sicherer Betrieb in allen Einsatzszenarien.

Mit dem rasant wachsenden Funktionsumfang von mobilen Maschinen steigen auch die Anforderungen an das Automatisierungssystem. Weit mehr als gute Hardware ist notwendig. Benötigt wird ein performantes Automatisierungssystem, das umfangreiche Basisfunktionen und moderne Werkzeuge out of the Box anbietet. Stefan Taxer, Produktmanager Mobile Automation bei B&R erklärt, wie insbesondere mittelständische Hersteller mobiler Maschinen von 35 Jahren B&R-Automatisierungs-Erfahrung profitieren.

Material Handling: Herr Taxer, wieso halten Sie bisherige Automatisierungskonzepte in der mobilen Automatisierung für überholt?

Stefan Taxer: Die Zahl der Automatisierungskomponenten in mobilen Maschinen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In beinahe allen Maschinen sind mittlerweile mehrere ECUs, Displays, Sensoren und andere Elektronikkomponenten verbaut. Diese müssen miteinander koordiniert werden.

MH: Auch in industriellen Anwendungen kommt immer mehr Elektronik zum Einsatz. Wo liegt der Unterschied?

Taxer: Im Gegensatz zur industriellen Automatisierung gab es bisher keinen Anbieter, der Herstellern mobiler Arbeitsmaschinen ein homogenes Automatisierungssystem zur Verfügung stellen kann. So gibt es zum Beispiel proprietäre Steuerungssysteme, Antriebssysteme, Visualisierungssysteme – alle von unterschiedlichen Herstellern und mit unterschiedlichen Tools für Engineering, Diagnose und Wartung. Solch heterogene Systeme zu entwickeln und aktuell zu halten, ist mit einem hohen Aufwand verbunden.

MH: Was schlagen Sie vor, um dieser zunehmenden Komplexität entgegenzuwirken?

Taxer: Alle Komponenten der mobilen Automatisierung sollten mit einem einzigen Werkzeug projektiert werden – von der Maschinensteuerung bis hin zu den Sensoren. Mit Automation Studio bietet B&R ein etabliertes Tool, das genau für diesen Zweck geschaffen wurde. Und es kann sogar noch viel mehr: Diagnose, Simulation und Wartung werden über dieses eine Werkzeug abgewickelt. Dadurch sinkt nicht zuletzt der Schulungsaufwand des Personals.

MH: Mit mapp Technology haben Sie ein Tool für die Erstellung von Applikations-Software geschaffen, das in der industriellen Automatisierung sehr gut angenommen wurde. Profitieren davon auch Hersteller mobiler Arbeitsmaschinen?

Taxer: Absolut. Mit den vorprogrammierten, modularen mapp-Bausteinen wird die Entwicklungszeit von Applikationssoftware um durchschnittlich 67 % verkürzt – das gilt auch für mobile Arbeitsmaschinen. Neben allgemeinen mapp-Komponenten, zum Beispiel für Alarm-Monitoring oder eine Benutzer-/Rollen-Verwaltung stehen auch spezifische Komponenten für mobile Arbeitsmaschinen zur Verfügung. Mit mapp J1939 lassen sich zum Beispiel beliebige Dieselmotoren ganz einfach in eine B&R-Applikation einbinden.

MH: Software wird bei der Entwicklung immer wichtiger. Welchen Investitionsschutz bieten Sie Ihren Kunden bei der Software-Entwicklung?

Taxer: Die Applikationssoftware wird bei einer B&R-Lösung völlig hardwareunabhängig entwickelt. So kann heute projektierte Software problemlos auf Nachfolgegenerationen wiederverwendet werden. Dies bedeutet bei Maschinenlebenszeiten von bis zu 25 oder mehr Jahren den bestmöglichen Investitionsschutz für Kunden. Auch wenn in ein paar Jahren eine Steuerung durch einen leistungsfähigen Industrie-PC ersetzt werden soll, um rechenintensive Vision-Systeme zu integrieren, kann ohne Funktionseinschränkung bestehende Software weiterverwendet werden. Daraus ergibt sich für den Kunden ein hoher Investitonsschutz und Zukunftssicherheit.

MH: Was hat B&R auf der Hardwareseite für mobile Arbeitsmaschinen zu bieten?

Taxer: Wir haben das System X90 mobile entwickelt, das schock- und vibrationsfest ist, extremen Temperaturen und widrigen Umwelteinflüssen widersteht und umfassend zertifiziert ist – kurz gefasst: Es entspricht allen Anforderungen für den Einsatz auf oder an mobilen Arbeitsmaschinen.

Welche Produkte umfasst X90 mobile?

Taxer: In einem ersten Schritt haben wir ein modulares Steuerungs- und I/O-System vorgestellt. Durch Schnittstellen für CAN und das Echtzeitnetzwerk POWERLINK lassen sich alle nötigen weiteren Komponenten problemlos integrieren. Vorzertifizierte Safety-Funktionen und Funkanbindungen zu Cloud-Anwendungen lassen sich optional ergänzen. Weitere Optionen und Produkte – zum Beispiel Panels – entwickeln wir gerade.

MH: B&R ist ein weltweit agierendes Unternehmen. Was bedeutet das für die Kunden in der mobilen Automatisierung?

Taxer: Mit mehr als 180 Büros bieten wir ein flächendeckendes Vertriebs- und Supportnetz mit geschulten Mitarbeitern. Unsere Kunden erhalten weltweit die gleiche hochqualifizierte Unterstützung für alle Anliegen. Das schliesst selbstverständlich die schnelle Lieferung von Produkten auf allen Kontinenten ein.


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«Das System X90 entspricht allen Anfor­derungen für den Einsatz auf oder an mobilen Arbeitsmaschinen.» Stefan Taxer Produktmanager Mobile Automation B&R Industrie-Automation AG