Eine Publikation der Binkert Medien AG
­Störungsmanagement und intelligente Entsorgung beeindrucken die Jury : Ausgabe 01/02/2017, 07.02.2017

Zwei verdiente Gewinner

Am 30.November 2016 fand im BallyHouse in Schönenwerd die Verleihung des Swiss Logistics Award 2016 statt. Zur mit Spannung erwarteten Entscheidung fanden sich zahlreiche Besucher in den Bally-Räumlichkeiten ein.

«Die Logistik verdient das Schweinwerferlicht» heisst es in der Broschüre zum Festakt der GS1. Dementsprechend gross war auch das Interesse der Logistik-Fachwelt, wer denn nun gewinnen würde. Moderiert wurde der Anlass von Monika Vetsch.

SBB-Störungsmanagement gewürdigt

Die Mobilität nimmt zu. Immer mehr Menschen pendeln täglich mit ÖV zwischen Wohn- und Arbeitsort. Dass sie auch bei unplanbaren Ereignissen am richtigen Bestimmungsort ankommen, ist unter anderem dem Fahrplanteam und den Mitarbeitenden auf den verschiedenen Leitstellen der SBB zu verdanken. Diese Arbeit würdigen GS1 Schweiz und die Schweizerische Post mit dem diesjährigen Swiss Logistics Public Award.

Täglich 10 000 Züge

Täglich rollen auf dem gut 3200 Kilometer langen SBB-Netz rund 10 000 Züge, die über eine Million Menschen und 200 000 Tonnen Güter befördern. Dass Menschen und Güter meist pünktlich ans gewollte Ziel kommen, ist dem Fahrplan-Team, das den Soll-Fahrplan erstellt, aber auch den Zugverkehrsleitenden, welche die Züge pünktlich an ihr Ziel lenken, zu verdanken. Die wachsenden Passagier- und Warenströme lassen sich nur durch ein komplexes Zusammenspiel innerhalb der SBB und mit externen Partnern überhaupt bewältigen. Und trotz grosser Mühen kann es die SBB nie allen recht machen. Events, Extrazüge und die steigende Nachfrage halten sie täglich auf Trab. Eine enorme Herausforderung für die Teams in den Betriebszentralen und Operation Centern sind insbesondere unplanbare Ereignisse wie Stellwerkstörungen, die Auswirkungen auf das gesamte Netz des öffentlichen Verkehrs haben können.

Organisatorische und logistische Leistung

Mit dem Swiss Logistics Public Award 2016 würdigt die Jury die organisatorische und logistische Leistung, mit der die komplexe Herausforderung insbesondere von Zwischenfällen von den Mitarbeitenden auf den verschiedenen Leitstellen der SBB bewältigt wird. Die Jury hebt ausserdem die Zusammenarbeit zwischen Dienstleistern und Zulieferern, wie beispielsweise Busunternehmen und anderen Bahnbetreibern, hervor. Sie betont, dass ein Ausfall einzelner Transportmittel oder Knotenpunkte vor allem zu den Stosszeiten weitreichende Konsequenzen haben kann. «Nur dank einer durchdachten und gleichzeitig agilen Gesamtlogistik kommen Pendler selbst bei einer Störung ökonomisch sinnvoll zur richtigen Zeit an den richtigen Ort: ihren Arbeitsplatz», sagt Jury-Präsident Hans Rudolf Hauri.

System-Alpenluft 4.0 ist Champion

Das intelligente und emissionsfreie Entsorgungssystem System-Alpenluft 4.0 gewann den Swiss Logistics Award 2016. Die Auszeichnung wird jedes Jahr von GS1 Schweiz und der Schweizerischen Post an zukunftsweisende Logistikleistungen vergeben.

Neben Mulden für beispielsweise Glas arbeitet das ganzheitliche und emmissionsfreie Entsorgungssystem der System-Alpenluft AG auch mit Abfallverdichtern, die den Abfall direkt an der Sammelstelle komprimieren. Damit können die Behälter grössere Mengen aufnehmen, die Entleerungsfrequenz wird gesenkt und Fahrten lassen sich einsparen. Der Transport erfolgt mit Fahrzeugen mit Elektroantrieb. Da die Verdichter je nach Standort unterschiedlich genutzt werden, schwankt die Dauer, bis sie voll sind, zwischen drei Tagen und vier Wochen.

Automatische Zustandserfassung

Um die Anzahl Fahrten noch weiter zu reduzieren, setzt das System-Alpenluft 4.0 zusätzlich auf eine automatische Zustands- erfassung der Verdichter über die Logic-Box. Durch die Digitalisierung werden alle aktuellen Zustände wie Geoposition, Füllstände oder Anzahl der eingeworfenen Abfallsäcke erfasst und bei Bedarf automatisch versendet. Über eine Plattform im Internet und eine Smartphone-App sind die Daten jederzeit einsehbar. Bei 75 Prozent und 100 Prozent Füllmenge werden SMS und E-Mails an die Zentrale versendet, und der Verdichter wird nur dann geleert, wenn er wirklich voll ist. Gleichzeitig wurde mit der Füllstandsmeldung eine automatische Wartungserinnerung realisiert, die unnötige oder verpasste Wartungen verhindert. Dank der Digitalisierung der Abfallverdichter konnten die Fahrten um 16 Prozent reduziert werden.

Grosses Potenzial

Die Jury des Swiss Logistics Award attestiert der Lösung System Alpenluft 4.0 ein grosses Potenzial. Jury-Präsident Hans Rudolf Hauri: «Denkbar sind weitere Anwendungen innerhalb der Nische Altstädte, Bergdörfer und Kurorte.» In ihrer Begründung hebt die Jury hervor, dass das System Alpenluft 4.0 den Waren-, Wert- und Informationsfluss vorbildlich miteinander verbindet und so einen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit leistet. «Mit dem automatisierten Erfassen und Versenden von Informationen, wie beispielsweise Füllstände, wird das Internet of Things, ein Aspekt von Industrie 4.0, im Bereich der Entsorgungslogistik umgesetzt», so Hauri weiter.

Der Swiss Logistics Award geht an ein Unternehmen für besondere Markt- und kundenorientierte Prozesslösungen, die mit ihrer Realisierung nachweislich einen überdurchschnittlichen Markterfolg eingeleitet haben. Der SLA ist der bedeutendste nationale Logistikpreis der Schweiz, der Gewinner und die Nominierten können an der Ausschreibung für den European Award for Logistics Excellence teilnehmen.


Info
GS1 Switzerland
3007 Bern
Tel. 058 800 70 00
info@gs1.ch
www.gs1.ch



Der Public Award 2016 geht an das Störungsmanagement der SBB. v. l. n. r.: Georg Burckhardt, Mitglied SLA-Jury, Ludwin Näf, Leiter Operation Center und Intervention, Linus Looser, Leiter Verkehrsmanagement, Monika Vetsch, Moderatorin, Hans Rudolf Hauri, SLA-Jurypräsident. (Bilder: GS1)


Das Gewinner-Team Swiss Logistics Award 2016. v. l. n. r.: Georg Burckhardt, Mitglied SLA-Jury, Manuel Wyss, Projektleiter System-Alpenluft AG und Matthias Schwendimann, Projektinitiator und Geschäfts­führer Schwendimann AG, Monika Vetsch, Moderatorin, Hans Rudolf Hauri, SLA-Jurypräsident.