Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ruedi Wenk, Abteilungsleiter Technik und Entwicklung Flurförderzeuge, Stöcklin Logistik AG : Ausgabe 10/2017, 16.10.2017

Kompromisslos konstruiert und umgesetzt

Flurförderzeuge werden auch in explosionsgefährdeten oder hygienisch sauberen Umgebungen eingesetzt. Anwendungsgebiete sind chemisch-pharmazeutische Unternehmen, Gas- bzw. Ölförderanlagen oder der Bergbau. Die Stöcklin Logistik AG verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Konstruktion und Herstellung solcher Stapler.

Die Bezeichnung ATEX leitet sich aus der französischen Abkürzung für Atmosphères Explosibles ab. Die Direktive umfasst Richtlinien auf dem Gebiet des Explosionsschutzes. «Material Handling» hinterfragte im Interview mit Ruedi Wenk, Abteilungsleiter Technik und Entwicklung Flurförderzeuge, bei der Stöcklin Logistik AG, was beim Bau solcher Stapler speziell zu berücksichtigen ist.

Material Handling: Herr Wenk, welche Lösungen bietet Stöcklin für die Prozess- industrie an?

Ruedi Wenk: Die Stöcklin Logistik AG ist mit ihrem Standort in Dornach seit Jahrzehnten mit der Chemie- und Pharmabranche in Basel verbunden. Somit wurden schon früh Geräte und Stapler für den Ex-Schutz- sowie auch für den Hygienebereich entwickelt und hergestellt. Wir bieten heute eine breite Palette von Flurförderzeugen, Elektrostaplern und Handhubwagen für den Chemie-, Pharma- und Lebensmitteleinsatz an. Stöcklin ist auch seit jeher bekannt für robuste und langlebige Produkte von hoher Qualität. Ebenso hat Stöcklin im Bereich Sonderbau einen hervorragenden Namen. Besonders zu erwähnen sind hier unsere Produkte aus Edelstahl. Vom Handhubwagen, Hubwagen mit Waage, Elektro-Deichselstapler bis hin zum Quersitzstapler, hier können wir auf viele Standards zurückgreifen und individuelle Spezialanfertigungen anbieten. Für den Ex-Schutzbereich ist die Stöcklin Logistik AG als ATEX- und IECEx-zertifiziertes Unternehmen gut organisiert und eingerichtet, um die Produkt- und Sicherheitsanforderungen unserer Kunden bestens zu erfüllen.

Ex-Schutz ist in der Prozessindustrie ein zentrales Thema. Für welche Ex-Zonen sind Ihre Produkte zugelassen und welche Produktvarianten stehen zur Verfügung?

Explosionsschutz ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, ist sich bewusst, dass hier keine Kompromisse zugelassen sind. Deshalb baut Stöcklin darauf, vor allem baumustergeprüfte Stapler anzubieten. Weiter führen wir auch Schulungen und Tagungen für Ex-Schutz- Verantwortliche der Betriebe und für Servicepersonal durch, das für den Unterhalt der Ex-Flurförderzeuge verantwortlich ist.

Stöcklin kann eine grosse Palette von selbstgebauten Ex-geschützten Produkten vorweisen.

Handhubwagen: für Zone 1 und 21, Gas und Staub

Handhubwagen Waage: für Zone 1 und 21, Gas und Staub

Deichselstapler: bis Zone 1 und 21, Gas und Staub

Quersitzstapler: für Zone 2, Gas

Wie kommt ein Interessent zu seinem passenden Ex-Schutz-Stapler?

Wir bieten viele Varianten und Spezialausführungen an. Unser Kompetenzzentrum für Ex-Schutz prüft jede einzelne Anfrage auf Machbarkeit und Baumusterprüfung, respektive Konformitätseinhaltung.

Wichtig ist, dass uns der Kunde schon möglichst früh seine einsatzspezifischen Anforderungen mitteilt.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Geschäft im Ex-Schutz-Bereich mittelfristig entwickeln?

Im Ex-Schutz- und Hygienebereich haben wir es oft mit wirtschaftlich stabilen Unternehmen zu tun, die auch an der Börse kotiert sind. Die Produkte dieser Firmen sind am Markt sehr gefragt, Tendenz steigend.

Daher wird sich auch die Nachfrage nach Flurförderzeugen für diesen Bereich steigern. Deshalb wird Stöcklin im Ex-Schutzbereich weiter investieren und das Angebot kontinuierlich ausbauen.

Stöcklin hat einen Ex-Schutz-Auftrag beim Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck KGaA erfolgreich abgewickelt. Welche Flurförderzeuge stehen dort im Einsatz?

Ende 2015 haben wir die Staplerflotte der Merck KGaA am Hauptsitz in Darmstadt um eine Reihe modernster Elektro-Deichselstapler erweitert. Diese Fahrzeuge entsprechen der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU in Analogie zur europäischen Richtlinie 94/9/EG für das Inverkehrbringen explosionsgeschützter elektrischer und mechanischer Maschinen und Komponenten. Sie eignen sich sowohl für den Einsatz in Zone 1, wo gelegentlich eine explosionsfähigen Gas-Atmosphäre vorherrschen kann, als auch in Zone 21 für explosionsfähige Staubatmosphäre. Als Spezialist für kundenspezifische Lösungen haben wir die elektrisch angetriebenen Ex-Geräte nach weitergehenden Vorgaben durch Merck angepasst.

Können Sie uns Details zu diesen Anpassungen erläutern?

Es bestand beispielsweise der Wunsch nach einer geänderten Fussschutzleiste, Edelstahlaufschweissung an den Radarmen zur Reduzierung der Funkenbildung und einer speziellen Schaltung zur Bremsüberbrückung, damit das Fahrzeug im Reparaturfall aus einem Gefahrenbereich zum Beispiel einer Ex-Zone geborgen werden kann. Weitere Anforderungen waren eine Traglasterhöhung von 1600 auf 1800 Kilogramm, ein Lastschutzgitter, sowie die Versetzung von Schlüsselschalter und Warnleuchte auf das Chassis.

Welche Situation bot sich Stöcklin bei der Zusammenarbeit mit Merck?

Angesichts des angebotenen Artikelspektrums sind die logistischen Prozesse bei Merck von einem Sicherheitsdenken auf höchstem Niveau geprägt. Risiken entstehen beispielsweise beim Umgang mit brennbaren Gasen, Dämpfen und Stäuben. Für die im Einsatz befindlichen Flurförderzeuge bedeutet dies, dass bereits im Vorfeld international gültige Zertifikate und Baumusterprüfbescheinigungen vorzulegen sind, mit denen der Nachweis erbracht wird, dass ein sicherer Betrieb auch in explosionsgefährdeten Umgebungen ohne weitere Umrüstung möglich ist.

Stöcklin bietet auch Lösungen für Hygiene-Anwendungen. Was kennzeichnet diese?

Für solche Anwendungen ist es notwendig, die genauen Einsatzbedingungen zu kennen. Im Hygienebereich kann der Edelstahl-Handhubwagen sehr hohe Anforderungen erfüllen. Bei den Elektrostaplern wurden ebenfalls schon sehr viele Geräte für diverse Reinraumzonen hergestellt. In der Lebensmittelbranche wird beispielsweise oft mit aggressiven Salzen gearbeitet, daher müssen die Geräte in regelmässigen Abständen gereinigt werden. Unsere Edelstahl-Produkte sind so konstruiert, dass sie sich sehr gut reinigen lassen. Das heisst, es sind keine Schmutzecken vorhanden, in denen sich potentielle Keime bilden könnten.

Wie hat sich Ihr Unternehmen das Hygiene-Know-how erarbeitet?

Stöcklin hat bis in die 90er Jahre noch Edelstahl-Reaktionskolonnen konstruiert und hergestellt. Bis vor wenigen Jahren wurden jährlich auch noch mehrere tausend Edelstahlcontainer für die Lebensmittelbranche hergestellt. Somit verfügen wir über sehr hohe Kompetenz, was die Fertigung und Anforderungen im Bereich Hygiene betrifft.

Sie bieten nicht nur Stand-alone-Systeme, sondern auch grosse Gesamtsysteme an. Wie können Sie Kunden bei der Planung und Realisierung unterstützen?

Mit unserer langjährigen Erfahrung in der Planung und Realisierung von Gesamtsystemen in verschiedensten Industrien sind wir in der Lage, die für den Kunden effizienteste Lösung anzubieten. Je nach Interesse stehen wir als alleiniger Ansprechpartner zur Verfügung und koordinieren für den Auftraggeber alle Gewerke vom Bau der Bodenplatte, über Lüftungen bis hin zur Installation der Leuchten, oder wir übernehmen die Gesamtverantwortung für alle Belange der innerbetrieblichen Logistik und arbeiten mit einem Generalunternehmen für den Bau zusammen. Die Schaffung eines partnerschaftlichen Verhältnisses verstehen wir als Basis für eine offene und zielgerichtete Zusammenarbeit.

Besten Dank, Herr Wenk, für Ihre interessanten Ausführungen.


Info
Stöcklin Logistik AG
Förder- und Lagertechnik
4143 Dornach
Tel. 061 705 81 11
Fax 061 701 30 32
info@stoecklin.com
www.stoecklin.com



Marcus Kissel (NHK Stapler Service), Fabio Gheller (Exportleiter Stöcklin), Jörg Backhaus (Elektrotechniker und ATEX-Beauftragter Stöcklin) und Bernd Hörr von der Firma Merck KGaA (v. l. n. r.) mit dem speziell für Merck entwickelten EFI 1600 in der Light-Ausführung. (Bilder: Stöcklin Logistik AG)


«Unser Kompetenzzentrum für Ex-Schutz prüft jede einzelne Anfrage auf Machbarkeit und Bau­musterprüfung, respektive Konformitätseinhaltung.» Ruedi Wenk Stöcklin Logistik AG


EFI 1600 in der Ex-Zone-2-Ausführung.


Stöcklin-Deichselgeräte nach den Anforderungen der ATEX-Richtlinie für die Zone 1 und 21 sind am Markt sehr gefragt.