Eine Publikation der Binkert Medien AG
Thomas Kretz, Führungsmitglied der TGW Systems Integration AG, Rotkreuz/ZG : Ausgabe 03/2017, 07.03.2017

Erfolgreiches halbes Jahrzehnt

Am 20. Januar 2017 feierte die TGW Systems Integration in den Büroräumen am Standort Rotkreuz ihr fünfjähriges Bestehen. Thomas Kretz, einer der drei Führungsmitglieder der Landesgesellschaft Schweiz, gab im Interview Einblicke in die noch junge Unternehmensgeschichte.

Im Januar 2012 schrieben drei Schweizer Unternehmensgeschichte und planten einen Neubeginn in der Intralogistik. Beat Losenegger, Peter Tobler und Thomas Kretz gründeten die TGW Systems Integration AG, als Schweizer Landesgesellschaft des Stammhauses in Wels. Hoch motiviert und bestens auf ihre Vorhaben vorbereitet, gingen die drei Logistikexperten damals ans Werk. Bereits im ersten Jahr konnte der zu jenem Zeitpunkt grösste Auftrag der TGW-Firmengeschichte gewonnen werden. Der Lebensmittelriese Coop gab das Intralogistikzentrum in Schafisheim in Auftrag. Die Leergebindezentrale, der Tiefkühlbereich, der Bereich der allgemeinen Ware, der Kälteautomat und schliesslich das Servicegesamtpaket inklusive Betreuungsteams vor Ort, waren grosse Herausforderungen für das noch junge Unternehmen. Sie wurden mit Bravour gemeistert.

MH: Wie viele Anlagen von TGW sind in der Schweiz in Betrieb?

Thomas Kretz: In der Schweiz gibt es ca. 70 Standorte, in denen TGW-Technologie integriert ist. Es handelt sich dabei auch um Subsysteme und Anlagen, die bereits vor unserer Firmengründung im Jahr 2012 an diverse Logistikanlagenbauer geliefert worden sind. Wir legen unseren Fokus jedoch auf die Systemintegration von Gesamtanlagen.

MH: War das Projekt Coop in Schafis- heim der Auslöser für die Firmengründung in Rotkreuz?

Kretz: Nein. In der Unternehmensleitung von TGW in Wels ist das grosse Potenzial des Schweizer Intralogistikmarktes erkannt worden. Darum hat man sich gemeinsam entschlossen, hier eine eigene Landesgesellschaft aufzubauen.

MH: Wo sehen Sie dieses Potenzial?

Kretz: Die Bodenpreise in der Schweiz sind sehr hoch und die Landreserven sehr begrenzt. Darum muss der vorhandene Grund optimal genutzt werden. Hocheffiziente Anlagen und das Ware-zur-Person-Prinzip sind ein Lösungsweg. Auch bei Intralogistikanlagen hat sich bei uns die verdichtete Bauweise mittlerweile durchgesetzt. Wir hatten kürzlich amerikanische Gäste bei uns. Dort werden Anlagen ohne Keller und mit maximal 15 Metern Höhe gebaut. Warum? Weil genügend günstige Fläche zur Verfügung steht. In der Schweiz kommen noch stets steigende Lohnkosten hinzu. Ein Anlagenbauer kann darum sein Projekt nur schwer ohne einen hohen Automatisierungsgrad möglichst wirtschaftlich auslegen. Automatisierung ist hier der Schlüssel zum Erfolg - die Kernkompetenz von TGW.

MH: Sind lokales Expertenwissen und Know-how kombiniert mit den Ressourcen des TGW-Netzwerks ein unschlagbarer Erfolgsfaktor?

Kretz: Unser Team hier in Rotkreuz verfügt über eine jahrzehntelange und sehr breite Erfahrung in Sachen Intralogistik. Wir verfügen über beste Marktkenntnisse und sind direkt vor Ort bei unseren Kunden. Das Projektbeispiel Schafisheim zeigt auf, dass wir zusammen mit dem geballten Know-how unseres Mutterhauses auch komplexeste Anlagen realisieren können. Unschlagbar? Ich würde es so formulieren: Es ist unser Anspruch, die Latte möglichst hoch zu setzen.

MH: Was meinen Sie mit dem geballten Know-how im Mutterhaus?

Kretz: An eine Schweizer Baustelle werden Anlagenmodule geliefert, die vormontiert und bereits getestet sind. Es kann von Plug-in Systemen gesprochen werden. TGW hat ihr Potenzial durch Firmenzukäufe entschieden erweitert. Ich nenne hier Klug Integrierte Systeme im IT-Bereich – heute TGW Software Services – und den Industrieroboterhersteller CHM – heute TGW Robotics. Gemeinsam mit dem leistungsstarken Partner CHM Automatisierungstechnik GmbH wurden und werden bereits einige erfolgreiche Projekte realisiert. Das neue TGW-Mitglied TGW Robotics kon- struiert und baut Sondermaschinen, darunter auch Portalroboter und Greifer sowie Sonderfördertechnik. Auch die Steuerung der Roboter inklusive Knickarm-Roboter ist ein wesentlicher Leistungsumfang der neuen TGW-Unit. Diese Bündelung verschiedener Technologiebereiche macht TGW so stark. Zudem hält TGW nichts von Zentralismus. Das angestammte Know-how muss vollumfänglich in den Landesgesellschaften zur Verfügung stehen.

MH: Was waren die Projekt-Highlights in den abgelaufenen fünf Jahren?

Kretz: Coop Schafisheim war in aller Munde. Wegen der Projektgrösse natürlich das Aushängeschild. Ich möchte aber auch Walter Meier, Möbel Pfister, das Musikhaus Thomann und Interdiscount nicht unerwähnt lassen. Allesamt – auch von der Komplexität her gesehen – höchst interessante Anlagen. Mein persönliches Highlight: Die Fähigkeit des internationalen TGW-Teams, solch grosse und komplexe Intralogistikanlagen in sehr kurzer Zeit zur Zufriedenheit der Kunden umzusetzen.

MH: Hat das Coop-Projekt zu einer Verbesserung der Servicequalität in der Schweiz mit beigetragen?

Kretz: Es war mitunter der Auslöser zum Aufbau einer eigenen Serviceorganisation. Wir konnten mit Coop einen umfassenden Service- und Wartungsvertrag abschliessen. Hanspeter Egli leitet bei uns den Service. Das entlastet natürlich unser Mutterhaus. Mittlerweile stehen in der Schweiz fünf Servicetechniker im ständigen Einsatz.

MH: Sie haben anfangs der Geschäftstätigkeit zu mir gesagt, der Name TGW müsse in der Schweiz besser etabliert werden. Ist dem so?

Kretz: Wir wollten nicht den Namen TGW etablieren, sondern TGW als Systemintegrator und Gesamtanbieter. Ich glaube, das ist uns bisher hervorragend gelungen. Auch von unseren Mitbewerbern wird das so gesehen. Wir sind vor fünf oder zehn Jahren als reiner Komponentenlieferant wahrgenommen worden. Es ist ein gewaltiger Wandel eingetreten: Heute werden rund 80 Prozent vom Gesamtumsatz der TGW Group aus dem Systemgeschäft generiert. Das beinhaltet auch die Umsetzung von Betreibermodellen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Esprit in Mönchengladbach. Rund 25 TGW-Techniker sorgen dort für einen reibungslosen technischen Betrieb hinsichtlich Verfügbarkeit und Durchsatz. Aber auch bei Coop sind zur Zeit ca. 15 TGW-Mitarbeiter mit der Betreuung der Anlage rund um die Uhr vertraut.

MH: Logistikanlagen reichen von hundert Gramm schwerer Ware bis zu 1500 Kilogramm schwerem Paletten-Handling. Worauf ist TGW spezialisiert?

Kretz: Hochdynamische Anlagen mit Ware-zur-Person-Lösungen. Hochdrehende Waren – vor allem im Kleinteilebereich, die sehr schnell das Lager wieder verlassen sollten: Kleinteile-Kommissionierung in Behälter. In der Branche anerkannt ist das sehr breite Portfolio in der Kartonkommissionierung. Mit den Twister-Lastaufnahmemitteln nimmt TGW weltweit eine führende Position ein. Warum ist das so? TGW setzt sehr viele Projekte im Fashion-Bereich um und das ist vorwiegend Karton-Direkthandling.

MH: Ist die starke Nachfrage im Handel und in der Textil- und Lebensmittelindustrie nach wie vor steigend?

Kretz: Für die TGW Group gilt das sicher. In der Schweiz gibt es praktisch keine Anlagen in der Textilindustrie, weil es nur noch vereinzelt Hersteller gibt. Diese haben ihre eigenen Lagerkonzepte oder lagern die Ware in Deutschland ein. Das Kerngeschäft bei uns spielt sich im Lebensmittelsektor bzw. bei General Merchandise ab. Darunter verstehe ich beispielsweise eine Firma Walter Meier. Möbel Pfister hat den Kleinteilebereich auf neue Beine gestellt.

MH: Wie schätzen Sie E-Business im Intralogistiksektor ein?

Kretz: Tendenz steigend. Internethandel erfordert immer dynamische Lösungen. Die Bestellgrössen sind sehr klein, wir reden von der Atomisierung der Warenlieferungen. Im Gegensatz dazu werden bei Business-to-Business hundert oder mehr Einheiten abgearbeitet. Wie eingangs erwähnt, kommen die Anforderungen des Internethandels der technologischen Ausrichtung von TGW sehr entgegen.

MH: Schnelle Betriebsbereitschaft einer Logistikanlage ist gefragt. Frühzeitig soll Geld verdient werden. Was tut TGW dafür?

Kretz: Unsere vorkonfektionierten Anlagenmodule sparen enorm Zeit bei der Anlageninstallation vor Ort. Beim TGW KingDrive-System können Sie beispielsweise die Funktion einer Rolle softwaremässig definieren. Ist das eine Antriebsrolle oder eine Bremsrolle? Haben wir es mit einer Beschleunigungs- einer Verzögerungs- oder einer Ausschleusstrecke zu tun? Das bestimmen Sie am PC. Es gibt keine Keilriemenwechsel oder eine Neuanordnung von Sensoren mehr. Diese einzigartige Technologie ist patentiert. TGW hat sehr viel aus der Praxis gelernt und lässt dieses Know-how in die Produkte einfliessen.

MH: Herr Kretz, Sie sind mittlerweile 25 Jahre in der Intralogistik tätig. Wo hat sich der Technologiewandel besonders bemerkbar gemacht?

Kretz: In der multiplen Ausrichtung neuer Logistikanlagen. Kennt der Betreiber sein Business-Modell, das er in fünf Jahren fahren wird? Will er nicht doch in den Internethandel einsteigen? Die Zukunftssicherheit ist bei Vertragsverhandlungen ein wichtiges Thema. Genau in diesem Punkt spielt die IT ihre überragende Rolle aus. TGW ist in der Lage, eine bestehende Anlage sehr rasch auf sich wandelnde Anforderungen einzustellen. Die Planungen dauern deshalb heute etwas länger, weil viel tiefer in Details gegangen wird. Früher waren die Planungen einfacher: Input, Output, Kubatur und geforderte Anlagenleistung standen als gesetzte Ausgangsdaten zur Verfügung. Die Anlagenkomplexität war auf einem weit niedrigeren Level angesiedelt.

MH: Wie sehen Sie mittelfristig die weitere Entwicklung von TGW?

Kretz: Wir werden auch in Zukunft mit demselben Engagement ans Werk gehen, wie in den vergangenen fünf Jahren. Einige vielversprechende Projekte stehen an. Grosses Interesse besteht vor allem bei den Frische- und Tiefkühlanlagen für die Lebensmittelbranche, für Logistiklösungen im allgemeinen Handel sowie für das E-Commerce-Geschäft. Wir sind gespannt, was die nächsten Jahre bringen werden. Aber eines ist sicher: Wir sind nach fünf Jahre noch mehr motiviert und es macht viel Spass, in sehr dynamischen Branchen arbeiten zu dürfen!

MH: Herr Kretz, besten Dank für das inter-essante Gespräch.


Info
TGW Systems Integration AG
6343 Rotkreuz
Tel. 041 799 40 00
systems.ch@tgw-group.com
www.tgw-group.com

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Nach fünf Jahren immer noch gleich motiviert, wie am ersten Tag: Die Geschäftsleitung der TGW Systems Integration AG: Peter Tobler, Thomas Kretz und Beat Losenegger (v. l. n. r.). (Bilder: MH Redaktion/TGW)


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