Eine Publikation der Binkert Medien AG
Linde Material Handling stellte auf der LogiMAT die Inventurdrohne «Flybox» vor : Ausgabe 05/2017, 09.05.2017

Inventur im Fluge

Durch den Einsatz von Drohnen kann sich die Inventur von Lagerbeständen in Zukunft radikal vereinfachen. Auf der Fachmesse LogiMAT in Stuttgart stellte Hersteller und Lösungsanbieter Linde Material Handling den Prototyp einer solchen Inventurdrohne vor. Durch die Kopplung der Drohne mit einem automatisierten Hochhubwagen sind dauerhafte Energieversorgung und Ortung in der Halle garantiert.

Erst ist ein Surren zu hören, dann hebt sie ab: die cirka 50 Zentimeter grosse, mit sechs Rotoren, Kamera, Barcode-Scanner und Telemeter ausgestattete Inventurdrohne «Flybox» von Linde robotics und Balyo. Langsam fliegt sie senkrecht vor dem Regal nach oben, macht von jedem Palettenstellplatz ein Foto, erfasst die Barcodes der gelagerten Waren. Ist die Drohne an der obersten Regalebene angelangt, bewegt sie sich gemeinsam mit dem Fahrzeug um eine Regalposition weiter nach rechts oder links, um ihren Dokumentationsprozess nun von oben nach unten fortzusetzen. Dann geht es erneut eine Position weiter und wieder nach oben – immer weiter, in Wellenformen, bis das gesamte Regal und alle dort gelagerten Paletten von der Drohne erfasst und die Informationen an den Computer übertragen sind. Dort werden sie dokumentiert und können jederzeit mithilfe einer Anwendungssoftware abgerufen werden, die am Bildschirm die Regalposition mit dazugehörigem Barcode und Foto zeigt. «Das entscheidend Neue an der Erfindung ist, dass wir die Drohne zusammen mit einem autonomen Flurförderzeug nutzen», sagt Tobias Zierhut, Head of Product Management Warehouse Trucks bei Linde Material Handling. Denn die «Flybox» wird bei ihrem Inventureinsatz von einem automatisierten Linde-Hochhubwagen, dem L-Matic, geführt. Beide Geräte sind über einen Spannungswandler sowie ein sich selbst justierendes Kabel miteinander verbunden.

Durch die innovative Kopplung löst Linde zwei Herausforderungen, die einem breiten Einsatz von Drohnen in Lagerhallen bisher im Wege standen: Zum einen die Energieversorgung (Drohnenakkus reichen in der Regel nur rund 15 Minuten), zum anderen die Lokalisierung unter dem Hallendach ohne GPS-Empfang. Dank innovativer Geonavigation weiss das Linde-System stets genau, wo sich die Drohne befindet: Das Fahrzeug sendet die Flächenkoordinaten, die jeweilige Flughöhe ermittelt ein in der Drohne verbauter Höhensensor. Die Drohne, die Linde Material Handling zusammen mit dem französischen Automatisierungs-Experten Balyo entwickelt, soll die gesetzlich vorgeschriebenen Inventurprozesse radikal vereinfachen und Unternehmen damit wertvolle Zeit und hohe Kosten sparen. Die Drohne soll komplett automatisiert arbeiten und die Inventur ausserhalb der regulären Arbeitszeiten durchführen – nachts, am Wochenende oder an den Weihnachtsfeiertagen. Linde Material Handling will die «Flybox» in Zukunft als Zusatzausstattung zu seinen automatisierten Matic-Fahrzeugen anbieten. Markteinführung ist frühestens im Jahr 2018.


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Die Drohne macht von jedem Palettenstellplatz ein Foto, erfasst die Barcodes der gelagerten Waren und überträgt die Informationen an einen Computer. (Bild: Linde Material Handling)