Eine Publikation der Binkert Medien AG
«Smart Data» und vorausschauende Instandhaltung : Ausgabe 05/2017, 08.05.2017

Maximale Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit

Unabhängig von Land und Branche laufen heute viele automatisierte Logistik-Anlagen an fast 365 Tagen im Jahr beinahe rund um die Uhr. Der Markt fordert immer kürzere Lieferzeiten, was für moderne Kommissioniersysteme in Verteilzentren höchste Verfügbarkeit erfordert – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Um trotz Dauereinsatz ungeplante Ausfallzeiten zu vermeiden, bedarf es innovativer, ganzheitlicher Wartungskonzepte.

Dabei setzt der Logistik-Generalunternehmer Witron in vielen von ihm geplanten und realisierten Distributionszentren auf «Predictive Maintenance» – vorausschauende Instandhaltung, basierend auf einer umfangreichen Erfassung und Analyse von Betriebsdaten. Die generierten Informationen werden automatisch und somit höchsteffizient zu Wartungsaufträgen für die Instandhaltungs-Teams umgewandelt. Aus «Big Data» werden bei Witron «Smart Data» und diese ermöglichen «Maintenance Excellence».

Beim Parksteiner Generalunternehmer sind Technologien entstanden, die es ermöglichen, eine Fülle an Daten in einfach handhabbare Informationen umzuwandeln. Ein wichtiges Thema für die Intralogistik-Experten, die seit einiger Zeit auch als Betreiber von Logistikzentren fungieren. «Smart Data» nennt sich eine Initiative der Deutschen Bundesregierung, die das Ziel verfolgt, Big Data-Technologien zu verbessern, Entscheidungen zu beschleunigen, Geschäftsprozesse zu optimieren und somit Innovationen aus reinen Daten zu schaffen. Gemäß dieser Hightech-Strategie entstehen auch in den Denkfabriken bei Witron zukunftsweisende Lösungen.

«Mit den von Witron entwickelten Tools können wir im Prinzip sämtliche Daten aller Anlagen-Komponenten detailliert erfassen: von den Betriebszeiten der Fördertechnik, den Spielen der Regalbediengeräte oder die Laufzeit von Sondermaschinen, bis hin zu den Taktzeiten jedes einzelnen Motors und Sensors», erklärt Florian Wittmann, der seit mehr als zwei Jahren für Witron weltweit ODC-Systeme (Operation Data Capturing) integriert und die Service-Teams mit deren Umgang schult. Operation Data Capturing bedeutet die Verlinkung von Anlagendaten mit Instandhaltungsmanagement. «So erstellen wir für jeden Kunden ein anlagenbezogenes Wartungskonzept. Denn die Daten werden von uns automatisch qualifiziert, interpretiert und zu aussagekräftigen, praxistauglichen Informationen umgewandelt, wodurch die Arbeit der Service-Mannschaft optimiert und gesteuert wird».

Ziel: Erstellung eines individuellen Wartungskonzeptes

Ist eine Anlage in Betrieb genommen und die Erstwartung der Komponenten gemäss Herstellerempfehlung erfolgt, beginnt Witron unmittelbar mit der Aufzeichnung der Betriebsdaten. «Ziel ist es, weg von einem pauschalen, hin zu einem individuellen Instandhaltungsplan mit hoher Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu gelangen», so Florian Wittmann. Obwohl alle eingesetzten Elemente in den Witron-Anlagen weitestgehend standardisiert sind, werden sie doch unterschiedlich stark beansprucht. Produkte, Laufzeiten, Dynamik, Spitzentage, Temperaturbereiche, klimatische Umgebungs-Begebenheiten des Standorts – eine Vielzahl von Faktoren und Parametern hat Auswirkungen auf den Verschleiß der eingesetzten Technologie.

Vorteil: Von einem grossen Service-Netzwerk profitieren

Daher profitieren Witron-Kunden von einem grossen, weltweiten Daten-Netzwerk, dessen Input ebenso in das Wartungskonzept mit einfliesst. Über 300 aktive Service-Verträge betreut das Witron-Support-Center, und bereits an mehr als 40 Standorten ist Witron mit eigenen OnSite-Teams – Service-Experten, die permanent in der Anlage des Kunden arbeiten – für die Instandhaltung und den Betrieb von hochautomatisierten Logistik-Systemen unterschiedlichster Grösse, Durchsatz und Branche verantwortlich Dies schafft für die Anwender eine Vielzahl an Mehrwerten: ständiger Informations- und Erfahrungsaustausch der Witron-Service-Experten untereinander, kontinuierliche und standortübergreifende Verbesserungsprozesse, und in Konsequenz – höhere Verfügbarkeit und mehr Anlagenleistung.

Ebenso produziert das Tochterunternehmen FAS die Fördertechnik-Elemente für Witron-Projekte selbst – und Erfahrungswerte aus dem Produktivbetrieb fliessen unmittelbar in die Entwicklung neuer Produkte ein. Ein enormer Qualitätsaspekt.

Ganzheitlich: Instandhaltung und Ersatzteil-Strategie

«Schon nach gut einem Jahr Anlagenbetrieb haben wir ausreichend Parameter ermittelt, um für jede Komponente einen individuellen Wartungszyklus festzulegen», erläutert der Elektroniker-Meister (Fachrichtung Automatisierungstechnik) Florian Wittmann. Dies hat natürlich auch eine optimale Ersatzteil-Strategie für den Kunden zur Folge. «Denn aufgrund von Forecast-Berechnungen gibt das Witool eine exakte Handlungsempfehlung, wann ein Teil proaktiv getauscht werden muss. Ebenso welche Ersatzteile wann, in welcher Menge gebraucht werden – bzw. rechtzeitig nachdisponiert werden müssen. Unwirtschaftliche Über- bzw. Unterinstandhaltung sowie Mehr- oder Minderbestände an Ersatzteilen gehören der Vergangenheit an.»

Service 4.0: Das Witool

Das Witool ist eine von Witron entwickelte, webbasierte, praxisorientierte Service Management Software. Darin ist eine ganzheitliche Instandhaltungsabwicklung integriert. Denn auch im Bereich von Service und Wartung geht die Tendenz klar in die Richtung von selbstlernenden Systemen. Es gilt, einen umfangreichen Datenpool zu schaffen, mit den vorhandenen Daten Prozesse zu optimieren, anhand von Daten und Prozessen Trends zu erkennen und anhand dieser Trends genaue Handlungsempfehlungen für das Instandhaltungs-Team zu erstellen. Witool ermöglicht diese volle Transparenz über alle Service- und Wartungsaufgaben: Die Organisation der aktiven und proaktiven Wartung auf Basis einer effizienten Betriebsdatenerfassung, ein Ressourcenmanagement für das gesamte Wartungsteam, eine professionelle Störfallabwicklung, das Ersatzteilmanagement, Empfehlungen für die Arbeitssicherheit und Vieles mehr. Flexible Cloud Hosting-Modelle sowie offene Schnittstellen ermöglichen den problemlosen Einsatz in den unterschiedlichsten Instandhaltungsbereichen. Die wichtigsten Dialoge sind dabei auch für die mobile Nutzung mittels Tablet bzw. Smartphone optimiert.

Null Prozent ungeplante technische Reparaturen

«Bei Witron werden wir die Betriebsdatenerfassung und Betriebsdatenanalyse gemäss der «Smart Data»-Motivation permanent weiterentwickeln, um für die Servicetechniker noch aussagekräftigere Prognosen zu erstellen bzw. damit diese mit qualifizierteren Informationen noch effizienter arbeiten können», schaut Florian Wittmann in die Zukunft «Die völlige Eliminierung jeglicher Stillstandzeiten werden wir nicht schaffen, denn dafür gibt es in einem Logistikzentrum – egal ob automatisiert oder manuell – zu viele Störquellen. Defekte Paletten, defekte Verpackungen, Warenbruch, etc…. Aber null Prozent ungeplante Reparaturen aufgrund technischer oder mechanischer Fehler – das ist zweifelsfrei möglich. Und darauf arbeiten wir konsequent hin».


Info
Witron Logistik + Informatik GmbH
DE-92711 Parkstein
Tel. +49 9602 600 0
Fax +49 9602 600 211
info@witron.de
www.witron.de



Aus analysierten Betriebsdaten werden Wartungs­aufträge für die Instand­haltungs-Teams generiert. (Bilder: Pasi Salminen)


Florian Wittmann: «Auf Basis ganzheit­licher Datenpools erstellen wir individuelle Instandhaltungs­konzepte für unsere Kunden.» (Bild: Witron)


Witool – moderne Anlagen-Instandhaltung mit mobilen Geräten auf webbasierter Service Management Software.


Hohe Verfügbarkeit und Anlagenleistung aufgrund permanenter proaktiver Instandhaltung.