Eine Publikation der Binkert Medien AG
Silvano Lorenzini, Instruktor, ASFL SVBL : Ausgabe 05/2017, 09.05.2017

Lizenz zum sicheren Staplerfahren

Am Samstag, den 18. März, hatte Material Handling Gelegenheit zu einem Besuch des zweitägigen Staplerkurses in der Ausbildungsstätte der ASFL SVBL in Goldach/SG. Die Kursteilnehmer hatten bereits am Mittwoch einen Tag lang geübt und bereiteten sich am Samstag auf die am Nachmittag stattfindende Prüfung vor.

Rege Betriebsamkeit herrschte am frühen Samstagmorgen in der grossen Halle des AZL Goldach. Im Gegensatz zu der hektischen und sehr lauten Atmosphäre in einem Verteilzentrum konnte man buchstäblich die Nadel auf den Boden fallen hören. Nur die leisen Geräusche der elektrischen Hydraulikpumpen bzw. Fahrmotoren waren zu vernehmen. Plötzlich hallte eine Stimme durch den Raum: «Simon, brauchst du Hilfe?», Kursleiter Silvano Lorenzini hatte einen der Kursteilnehmer entdeckt, der beim Einlagern in grosser Höhe seine Mühe hatte. Mit gezielten Schritten ging Lorenzini auf den Prüfungskandidaten zu, fasste den im Stapler Sitzenden an der Schulter und erklärte ihm, dass es besser sei, die Staplergabel bereits am Boden in die Waagrechte zu stellen, bevor die Last in grosse Höhen angehoben werde. Simon Künz hatte noch eine weitere Frage zum Display im Fahrzeug, die vom Kursleiter kompetent beantwortet wurde. «Ist die Sache jetzt klar bei Dir, Simon?», fragte der Kursleiter. «Besten Dank, Silvano», antwortete Simon, bevor sich Lorenzini einem weiteren Staplerfahrer zuwandte, der beim Kurvenfahren eine Pylone umgefahren hatte. «Patrik, wenn Du beim Rückwärtsfahren mit einem Kontaktblick auf die Fahrbahn bereits hier einlenkst, dann passiert Dir das nicht.» «Verstanden», kam es vom Kursteilnehmer zurück. So ging es etwa zwei Stunden weiter. Der Kursleiter hatte eine Menge zu tun und die Kursteilnehmer waren mit Ehrgeiz, Motivation und Konzentration an der Arbeit. Nach einer Pause folgte die theoretische Ausbildung im «Klassenzimmer». Was früher im Frontalunterricht weitergegeben worden ist, wird heute direkt am Laptop erlernt. Jeder Kursteilnehmer ist im Bilde, wo er mit seinem Wissen steht. Er weiss genau, wie viele Fragen von ihm richtig beantwortet worden sind. So ist es nicht verwunderlich, dass es Leute gibt, die bereits eine halbe Stunde vor der Mittagspause den Kursraum verlassen, weil der Prozentsatz der richtigen Antworten auf hohem Niveau liegt, während für andere die Angelegenheit doch schwerer erscheint, als von ihnen erwartet wurde. Das Auffallende an diesem Staplerkurs: Das ungezwungene und freundschaftliche Klima zwischen den Kursteilnehmern und dem Instruktor. Der Informationsaustausch auf Du-Basis, das heisst auf Augenhöhe, ist Garant für eine effiziente Vorbereitung der Kursteilnehmer auf einen erfolgreichen Prüfungsabschluss.

Material Handling hatte in einer Ausbildungspause Gelegenheit zu einem Interview mit dem Kursleiter Silvano Lorenzini.

Material Handling: Herr Lorenzini, was reizt Sie an der Aufgabe als Instruktor bei der ASFL SVBL tätig zu sein?

Silvano Lorenzini: Mein Aufgabenspektrum bei der ASFL SVBL umfasst nicht nur Staplerkurse, sondern auch Ausbildungen im Bereich der allgemeinen Logistik. Die Logistik ist in jeder Hinsicht ein ganz spannendes und herausforderndes Metier. Die Technologien sind in einem ständigen Umbruch begriffen. Das macht auch vor mir nicht halt. Die ASFL SVBL gibt mir die Möglichkeit, mich stets auf dem neuesten Stand der logistischen Prozesse beweisen zu können. Grund für meine Motivation ist der Umgang mit diesem Wissen. Hinzu kommt, dass ich als kommunikativer Mensch gerne Auszubildende zu einem erfolgreichen Kursabschluss begleiten möchte.

MH: Welcher Voraussetzungen bedarf es, um bei der ASFL SVBL als Instruktor tätig sein zu dürfen?

Lorenzini: Bereits sehr früh bin ich mit der Logistik konfrontiert worden. Während meiner kaufmännischen Lehre vor bald dreissig Jahren durfte ich bereits meine logistischen Erfahrungen sammeln. Ein Teil meiner Tätigkeit bei einem grossen Betrieb der Spielwarenbranche in Sankt Gallen war die Lagerbewirtschaftung. Um mich beruflich weiterentwickeln zu können, startete ich mit Erwachsenenbildung. Da ich die italienische Sprache bestens beherrsche und meine Frau aus dem Tessin stammt, habe ich dort die Instruktorenprüfung abgeschlossen. Ich arbeite derzeit als Freelancer für die ASFL SVBL.

MH: Ist Ihre Tätigkeit geografisch hier auf das AZL Goldach konzentriert?

Lorenzini: Mein Wohnort ist Zuzwil/SG. Selbstverständlich freut es mich, wenn mich mein Weg zur Arbeit hier an das AZL Goldach führt. Ich werde je nach Bedarf von der Ausbildungsleitung am AZL Rupperswil aber auch zu verschiedensten Kursen in der ganzen Schweiz aufgeboten. Hauptsächlich bin ich mit überbetrieblichen Kursen für Lehrlinge ausgelastet.

MH: Geben Sie auch Staplerkurse bei Kunden?

Lorenzini: Selbstverständlich bilden wir auch vor Ort bei unseren Kunden aus. Das wird verstärkt nachgefragt.

MH: Wo sehen Sie die Vor- bzw. Nachteile solcher Vor-Ort-Kurse?

Lorenzini: Die Kursteilnehmer können auf den firmeneigenen Flurförderzeugen ihre Erfahrungen vor der Prüfung sammeln. Sie bewegen die Stapler auf jenen Fahrwegen, die sie tagein, tagaus benutzen. Der Nachteil: Weil sie sich in der eigenen Firma aufhalten, gibt es doch etliche Unterbrechungen wegen Telefonaten oder anderen Gründen. Es ist mir persönlich lieber, wenn sich die Kursteilnehmer hier im AZL Goldach ihre Kenntnisse aneignen, weil sie sich völlig losgelöst von den Firmenabläufen ungestört auf die Prüfungen vorbereiten können.

MH: Gibt es nach den Kursen Feedback der Kursteilnehmer?

Lorenzini: Wir gehen proaktiv auf die Kursteilnehmer zu. Es ist für uns sehr wichtig zu wissen, wie die Leute das erworbene Wissen in der Praxis, das heisst im eigenen Betrieb umsetzen konnten. Die ständige Kommunikation ist ein wichtiger Faktor, auch im Hinblick auf weitere Ausbildungsmassnahmen unserer Kursabsolventen.

MH: Wie schätzen Sie die Ausbildungsqualität bei der ASFL SVBL ein?

Lorenzini: Die ASFL SVBL ist ein Ausbildungsunternehmen mit langjähriger Tradition und Erfahrung. Sie ist zudem schweizweit präsent. Die Rahmenbedingungen beginnend von den zur Verfügung stehenden Arbeitsgeräten, über die Infrastruktur, bis hin zu Kursunterlagen entsprechen Top-Niveau. Das widerspiegelt sich in den zahlreichen Zertifikaten, die als Nachweis für die Qualität der Ausbildung für die ASFL SVBL ausgestellt worden sind. Dieses Niveau wird fortlaufend hinterfragt. Der Wandel ist stetig. Das gilt auch für Ausbildungsunternehmen.

MH: Welchen Status hat für Sie die Ausbildungsstätte in Goldach?

Lorenzini: Der Standort Goldach ist für mich einer der besten in der Schweiz. Im Jahr 2014 wurde in Goldach die Ausbildungstätigkeit begonnen. Es spricht sich in der Ostschweiz herum, dass hier hervorragende Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Logistikausbildung gegeben sind. Zudem hat sich mit den Kollegen hier im Hause ein quasi familiäres Verhältnis etabliert.

MH: Welchen Stellenwert hat ein erfolgreich abgeschlossener Staplerkurs?

Lorenzini: Der Absolvent eines solchen Kurses hat ein ausgeprägtes Bewusstsein vermittelt bekommen, das ihm die Fähigkeit gibt, bei seiner Arbeit erkennen zu können, wo Gefahren lauern. Damit ist er in der Lage, professionell reagieren zu können und sich selbst bzw. Mitarbeitende zu schützen. Zudem hat der Arbeitgeber die Gewähr, dass seine Mitarbeitenden im sorgsamen Umgang mit den firmeneigenen Betriebsmitteln bestens geschult worden sind. Es gilt, das Risiko betreffend Menschenschaden bzw. Ausfall von Betriebsmitteln auf ein Minimum zu reduzieren. Gerade im Hinblick auf zunehmende Logistikaktivitäten wegen dem Online-Handel ist dieser Faktor von besonderer Wichtigkeit.

MH: Haben Sie persönlich weitere Ausbildungsmassnahmen vorgesehen?

Lorenzini: Momentan nehme ich an einer Ausbildung des Schweizerischen Verbandes für Erwachsenenbildung in Rupperswil teil. In verschiedenen Teilmodulen bereite ich mich auf die Prüfung für den Eidgenössischen Ausbildner vor. Im Vordergrund steht dabei die Pädagogik. Die ASFL SVBL hat diesen Kurs organisiert, den 18 Logistikausbildner in Rupperswil besuchen.

MH: Herr Lorenzini, besten Dank für das interessante Gespräch.


Info
Schweizerische Vereinigung
für die Berufsbildung in der Logistik
5102 Rupperswil
Tel. 058 258 36 00
Fax 058 258 36 01
email@svbl.ch
www.svbl.ch


Nachgefragt: Was meint der Kursteilnehmer Künz?


Simon Künz arbeitet bei der Steffen Ries AG in Frauenfeld/TG. Das Unternehmen bereitet für diverse Grossverteiler Gemüse auf. Dafür stehen grosse Waschanlagen im Einsatz. Der Einsatz von Flurförderzeugen ist damit unumgänglich. Künz: «Um mit dem Stapler im Unternehmen überhaupt arbeiten zu können, braucht es eine abgeschlossene Staplerausbildung. Ich sitze hier nicht zum ersten Mal auf einem Stapler. Die Erfahrungen, die ich in diesem Kurs bereits gemacht habe, zeigen mir klar auf, wie wichtig eine intensive Staplerausbildung ist. Es ist vor allem die Kenntnis über die verschiedenen Arbeitsabläufe beim Umgang mit dem Stapler. Wann hebe ich die Staplergabel an oder was bringt der Einsatz des Seitenschubes beim Einlagern. Das sind alles Dinge, die ich vorher nicht gewusst habe. Dank dieser Ausbildung werde ich auch in die Lage versetzt, meinen Kollegen, die beispielsweise vor Jahren den Staplerführerschein gemacht haben, wichtige Tipps mitzugeben. Was mir hier am AZL Goldach sehr gefällt, ist die exzellente Infrastruktur.»

Nachgefragt: Was meint der Kursteilnehmer Landolt?


Patrik Landolt stammt aus dem Glarnerland und ist Kundendienstberater bei der Jungheinrich AG in Hirschthal: «Für die Jungheinrich AG betreue ich Kunden in der Ostschweiz im After Sales. Da ich im Aussendienst direkten Kundenkontakt habe, sollte es möglich sein, unsere Flurförderzeuge sicher bewegen zu können. Die Verantwortlichen der Jungheinrich AG in Hirschthal legen grossen Wert darauf, dass wir im Umgang mit unseren Staplern nicht nur die Theorie kennen, sondern auch das sichere Fahren beherrschen. Darum nehme ich an diesem Kurs teil. Ich muss selber erfahren, wie feinfühlig der Hubmotor anspricht, wenn ich diesen mit dem Joystick oder einem Schalter aktiviere. Für mich ist der Stapler im Gegensatz zu unseren Kunden kein Arbeitsgerät. Ich muss in der Lage sein, dem Kunden, der mir ein Problem anzeigt, zu sagen: Gib mir bitte den Schlüssel, ich werde versuchen beim Fahren dein Problem zu erkennen. Das ist die beste Argumentationsbasis für solche Gespräche. Am ersten Kurstag gab es für mich als Quereinsteiger eine Premiere. Ich durfte erstmals einen Stapler fahren. Für mich erzeugt daher jeder Moment in diesem Kurs einen Aha-Effekt.»