Eine Publikation der Binkert Medien AG
Paul Vögtli, Geschäftsleitung, DEVO-Tech AG, Ziefen/BL : Ausgabe 06/2017, 05.06.2017

Meilenstein in der Unternehmensgeschichte

Die DEVO-Tech AG entwickelt, produziert und vertreibt weltweit technologisch und qualitativ hochstehende Maschinen und Geräte für die Tunnelbau- und Vakuumhebetechnik. Zweites Standbein ist die 2015 gegründete DEVO-Tools AG. Dieses Jahr feierte das Unternehmen sein 20-jähriges ­Jubiläum.

Das Familienunternehmen mit Sitz im Kanton Baselland beschäftigt 25 Personen, die bestens ausgebildet im Dienste der Kunden tätig sind. 2015 erfolgte die Umfirmierung der DEVO-Tech AG und Neugründung der DEVO-Tools AG, die sich mit dem Vertrieb von hochwertigen Schraubwerkzeugen für Industriekunden befasst. Als Meilenstein in der Unternehmensgeschichte erfolgte im Jubiläumsjahr der Hallenanbau und die Inbetriebnahme des automatisierten Blechlagers. «Material Handling» sprach mit Geschäftsleiter Paul Vögtli.

Material Handling: Herr Vögtli, was hat sich seit der Unternehmensgründung im April 1997 verändert?

Paul Vögtli: Angefangen haben wir als Metallbauer. Zudem waren wir im Heizungs- und Sanitärbereich tätig. Ab dem Jahr 2000 kam es zu einer grundlegenden Umorientierung: Wir legten unseren Fokus auf den Tunnelbau und die Vakuumtechnik.

Wie kam es zur Spezialisierung auf den Tunnelbau und die Vakuumtechnik?

Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Die Firma Busch vertreibt – unweit von uns gelegen – Vakuumpumpen und Komponenten. Ein Kunde dieses Unternehmens suchte damals einen Zulieferanten, der Vakuumgeräte für den Tunnelbau herstellen und liefern sollte. Wir waren aufgrund unserer Leistungsfähigkeit in der Fertigung in der Lage, solche Aufträge auszuführen. Über die Firma Busch ist dieser Kontakt entstanden. Ich kann mich noch genau an unser erstes Projekt im Tunnelbau erinnern. Unsere Vakuumgeräte wurden damals nach Slowenien geliefert.

Wie ging es dann weiter?

Beim Projekt Uetliberg hatten wir erstmals Kontakt mit der Firma Marti Tunnelbau AG. Das war der Beginn einer sehr erfolgreichen partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die bis heute anhält. Der Eppenbergtunnel ist mittlerweile das sechste Projekt, für das wir DEVO-Tech-Geräte liefern durften.

Was würden Sie rückblickend als das Highlight der DEVO-Tech-Firmengeschichte bezeichnen?

Als den spektakulärsten Auftrag betrachte ich die Lieferung von zwei Vakuumhebegeräten für das erwähnte Projekt Eppenbergtunnel. Erstmalig wurde die Statik eines Vakuumhebers auf eine Nutzlast von 28 Tonnen ausgelegt. Der Eppenberg-Tübbing ist zwar deutlich weniger schwer, die Marti Tunnelbau AG investierte jedoch mit Hinblick auf nachfolgende Projekte in eine zukunftssichere und ausbaufähige Anlage.

Gibt es in den Bereichen neben den Vakuum-Handling-Geräten auch Höhepunkte, die erwähnenswert sind?

Im Apparatebau haben wir etliche Aufträge für die Chemie- und Lebensmittelbranche ausgeführt. Wir liegen hier in Ziefen dafür auch geografisch am richtigen Ort. Besonders stolz bin ich auf den kontinuierlichen Ausbau unserer Fertigungstechnik, der auch externen Firmen in Form von Lohnaufträgen zu gute kommt. Wir sind zudem in der Lage, auch schlüsselfertige Projekte inklusive zugekaufter Komponenten für Kunden abzuwickeln. Unsere Vakuumhebetechnik wird vermehrt auch im Holz- und Fensterbau eingesetzt.

Warum wurde die DEVO-Tools AG gegründet?

Wegen eines Kontaktes bei einem Weihnachtsessen bei der Marti Tunnelbau AG. Einer der Anwesenden erklärte mir, dass er jemanden suche, der die Schraubtechnik besser vertreten könne, als er. Nach reiflicher Überlegung kam der Entschluss, 2015 in diesen Technikbereich einzusteigen. Wir vertreiben Druckluftschrauber, Akkuschrauber und hydraulische Schrauber für grosse Bauelemente. Die Ansprechpartner kommen aus dem Tunnelbau, dem Kraftwerksbau, dem Stahlbau, können aber auch Automechaniker sein. Egal ob 0,5 Newtonmeter oder 150 000 Newtonmeter, wir haben für jeden Anwendungsfall das richtige Werkzeug für unsere Kunden.

Warum haben Sie im Jubiläumsjahr den Erweiterungsbau realisiert?

Wir wollten unseren Materialfluss auf einen neuen Level bringen. Der Platz im und um unser Fertigungsgebäude ist mit der Zeit sehr knapp geworden. Das sehen Sie auch an den zahlreichen Lagerplätzen im Freien. Wir exportieren über sechzig Prozent unserer Handling-Geräte für den Tunnelbau ins Ausland. Um dem Preiszerfall entgegenzuwirken, haben wir uns entschlossen, den Automatisierungsgrad in unserer Fertigung zu steigern.

Wie haben Sie das verwirklicht?

Die Inbetriebnahme unseres Blech-Hochregallagers ist mittlerweile abgeschlossen. Wir lagern momentan Schritt für Schritt unseren Blechvorrat ein. Es sind Maschinenverschiebungen vorgenommen worden. Ziel ist es, die Fertigungsmaschinen direkt ab dem Hochregallager via eine Zuführstrecke versorgen zu können, ohne dass dazu ein Stapler benötigt wird. Wir werden für eine effiziente Maschinenanbindung sorgen. Das passiert nicht von heute auf morgen, wird aber zielstrebig umgesetzt.

Haben Sie Details zum Blech-Hochregallager?

Das Blech-Hochregallager ist ein Kassettenlager. Es stehen 111 Kassettenplätze mit je drei Tonnen Last zur Verfügung. Mit dieser Lagerung sind die Bleche nicht mehr den Umgebungsbedingungen bei der Aussenlagerung ausgesetzt. Zudem können wir Blechreste besser verwerten, weil die Reststücke ab der Laserschneidemaschine wieder eingelagert werden können. Geliefert wurde die Anlage von der Firma Bystronic. Weil wir den eigenen Metall- und Stahlbau im Hause haben, ist ein grosser Teil der Konstruktionsteile für den gesamten Bau in Eigenregie gefertigt worden.

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Blech?

Eine sehr wichtige. Wir verarbeiten pro Jahr siebzig bis hundert Tonnen. Blech brauchen wir ständig am Lager und zwar alles, was auftragsbezogen vorhersehbar ist. Wir müssen jederzeit lieferfähig sein. Wenn bei einem Tunnelbauprojekt sehr rasch ein Gerät gebraucht wird, müssen wir prompt reagieren können. Das gleiche trifft für unsere Fertigungstiefe zu. Bis auf die Lackiererei haben wir alle wichtigen Prozesse hier im Haus. Wir können im Ernstfall nicht noch Angebote für Fremdaufträge einholen und von Zulieferanten abhängig sein. Der Kunde kauft dort, wo seine konstruktiven Vorstellungen rasch umgesetzt werden.

Wo liegt das spezifische Know-how bei diesen Tunnelbaugeräten?

Die Fähigkeit, stets neue Herausforderungen zu meistern, weil jedes Gerät praktisch einen Prototypen darstellt. Wir müssen uns in die Prozesse unserer Kunden hineindenken können. Das beherrschen wir. Der Erfolg gibt uns recht.

Was für einen Stellenwert hat die ISO 9001-Zertifizierung, die Sie letztes Jahr abgeschlossen haben?

Die Metallbaunorm EN 1090 ist bei uns zum Thema geworden. Da wir aber nicht nur im Metallbau tätig sind, haben wir uns für die ISO 9001-Zertifizierung entschieden, die alle unsere Bereiche abdeckt. Die Erkenntnisse bei der Begutachtung unserer Prozessabläufe durch Drittpersonen waren für uns von grossem Wert. Wir haben viel daraus gelernt und konnten etliche Schwachstellen, die für uns nicht unmittelbar ersichtlich waren, eliminieren.

Herr Vögtli, wie sehen Sie die Zukunft Ihrer beiden Unternehmen?

Tunnelprojekte wird es in Zukunft vermehrt geben, weil politisch gesehen die Tendenz Richtung Verkehr unter die Erde oder in den Felsen zunehmen wird. Wir sind in allen Bereichen bestens aufgestellt. Unsere Schaltschränke verdrahten wir selber und die Steuerungs-Software wird von unseren Automatisierungstechnikern in Eigenleistung entwickelt. In der Konstruktion arbeiten wir mit modernsten CAD-Systemen. Wir sind Impulsgeber für neue Ideen. Da wir die meisten Arbeiten direkt vor Ort erledigen können, sind kurze Umsetzungstermine garantiert. Dank dem neuen automatisierten Hochregallager haben wir jederzeit den schnellen Zugriff auf unseren Blechvorrat. Unsere Mitarbeitenden sind bestens geschult und mit sehr viel Energie bei der Sache, eigentlich unser wichtigstes Gut. Die Voraussetzungen sind bestens. So werden immer mehr Kunden weltweit plötzlich wissen, wo Ziefen im Baselland liegt und natürlich die Firma DEVO-Tech. Als Beispiel haben wir in Frankreich eine Vertretung etabliert. Über diese wird momentan ein grosses Tunnelbauprojekt in London mit Handling-Geräten von DEVO-Tech beliefert. Über 250 Anlagen von DEVO-Tech stehen im Tunnelbau weltweit im Einsatz. Auch für die DEVO-Tools AG sehe ich gute Chancen, unsere Marktposition weiter ausbauen zu können.

Herr Vögtli, besten Dank für das interessante Interview.


Info
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Auslagern von Blechen mit dem Verschiebewagen des neuen Bystronic Blech-Hochregallagers. (Bilder: DEVO-Tech AG)


«In der Tunnelbau- und Vakuumhebetechnik ist praktisch jedes Gerät ein Unikat.» Paul Vögtli, DEVO-Tech AG


Mit dem Pneukran wird das Lagergerüst des neuen Blech-Hochregallagers in die Gebäudekonstruktion eingefahren.


Vakuumheber zur Beschickung der Laseranlage im Einsatz bei der Müller MKR AG in Vordemwald/AG.