Eine Publikation der Binkert Medien AG
Postdrohne (SLA) und Winterdienst Nationalstrassen (SLPA) setzten sich 2017 durch : Ausgabe 01/02/2018, 06.02.2018

Zwei verdiente Gewinner

GS1 Schweiz und die Schweizerische Post zeichnen mit dem Swiss Logistics Award hervorragende Leistungen im Supply Chain Management und in der Logistik aus. Ende November war es im Bally-Areal in Schönenwerd wieder so weit.

Der Award geht an Unternehmen, die mit kundenorientierten und innovativen Lösungen ihren Erfolg steigern. Mit dem Award will GS1 Schweiz die Bedeutung von Supply Chain Management und Logistik in der Öffentlichkeit hervorheben.

Postdrohne gewinnt SLA 2017

Mit autonomen Transportdrohnen das Gesundheitswesen effizienter gestalten, die Behandlung von Patienten verbessern und Kosten reduzieren. Für dieses Projekt erhielt die Schweizerische Post den Swiss Logistics Award 2017. Die Auszeichnung geht jedes Jahr an zukunftsweisende Logistikleistungen.

Nur wenige Minuten Transportzeit

Die Navigation der Drohne erfolgt via GPS, die Kommunikation mit dem Hauptsteuerungscomputer über das Mobilfunknetz oder – falls erforderlich – über eine redundante Satellitenverbindung. Kurz vor der Ankunft wird der Empfänger über einen definierten Kanal, beispielsweise eine SMS, informiert. Die Drohne landet, deponiert die Sicherheitsbox in der Ladestation und fliegt gegebenenfalls zurück. Gemäss Post können mit der Drohne die Transportzeit um bis zu 70 Prozent und die Prozesskosten um 80 Prozent verringert werden. Ausserdem kann der Transport getrackt und überwacht sowie die Umwelt geschont werden.

Insgesamt zwei Dutzend weitere Business Cases für den Transport von Blutproben oder auch Medikamenten liegen der Post mittlerweile vor. Zurzeit erarbeitet das Unternehmen eine Lösung für gekühlte Transporte. Auch eine vollautomatisierte Abwicklung und der Transport von grösseren Ladungen sind in Planung.

Gegen Verkehrsproblem und Fachkräftemangel

Für die Jury des Swiss Logistics Award stellen die Transportdrohnen der Post ein Flagship-Projekt dar. Nicht nur, weil das Unternehmen über die bisher weltweit einzige Bewilligung verfügt, die Drohnenflüge über besiedeltem Gebiet zulässt. «Mit den traditionellen Verkehrsmitteln stossen wir langsam aber sicher an die Grenzen des Machbaren im Strassen- und Schienenverkehr», begründete Präsident Hans Rudolf Hauri die Wahl. «Wir benötigen intelligentere Fahrzeuge und eine zeitliche Ausweitung über das Nachtfahrverbot hinaus.» Für den Transport spezieller Güter in die dritte Dimension auszuweichen, habe eine Vorreiterrolle. Und nicht nur das, ist sich die Jury einig: Der Einsatz der Drohnen kann auch dazu beitragen, vor dem Hintergrund von Zentralisierung und dem voranschreitenden Zusammenschluss von Spitälern zu Verbünden den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zu entschärfen.

Der Swiss Logistics Award geht an ein Unternehmen für besondere Markt- und kundenorientierte Prozesslösungen, die mit ihrer Realisierung nachweislich einen überdurchschnittlichen Markterfolg eingeleitet haben. Der SLA ist der bedeutendste nationale Logistikpreis der Schweiz, der Gewinner und die Nominierten können an der Ausschreibung für den European Award for Logistics Excellence teilnehmen.

Winterdienst räumte Preis ab

Dass auf den Nationalstrassen der Verkehr trotz Schneefall und Glätte ohne Zwischenfälle fliessen kann, dafür sorgt zwischen Oktober und April der Winterdienst. Diese Arbeit würdigten GS1 Schweiz und die Schweizerische Post mit dem Swiss Logistics Public Award 2017.

Der Winterdienst auf den Nationalstrassen ist ein gesetzlicher Auftrag und ist in 18 Normen und Rechtstexten geregelt. Seit fast zehn Jahren ist der Bund dafür zuständig. Die Verantwortung liegt beim Bundesamt für Strassen ASTRA, die Ausführung des Winterdienstes erfolgt durch 11 Gebietseinheiten. 60 Standorte (Werkhöfe, Stützpunkte oder Salzlager) entlang der Nationalstrasse mit insgesamt 850 Beschäftigten ermöglichen ein schnelles Eingreifen.

Für die Nationalstrassen gilt die so genannte Schwarzräumung, das heisst die komplette Entfernung des Schnees inklusive Massnahmen gegen Strassenglätte. Seit einigen Jahren kommt der präventive Winterdienst mit Flüssigstreuung zum Einsatz. Rechtzeitig vor dem Schneefall wird salzhaltiges Wasser (Sole) auf die trockene oder feuchte Strasse gesprüht und so das Festfrieren von Schnee und Eis verhindert. Die Sole kann ausserdem bei hoher Geschwindigkeit eingebracht werden, so dass kein Stau entsteht. Beim präventiven Einsatz mittels Flüssigstreuung werden rund 60 Prozent der Streumittel gegenüber der traditionellen Trockenstreuung eingespart und so nicht nur die Umwelt, sondern auch das Budget geschont. Dazu tragen auch die Infrarot-Thermometer an den Fahrzeugen bei, welche die Bodentemperatur in Echtzeit messen und so ein flexibles Anpassen der Salzmenge ermöglichen. In einem Winter werden im Mittel 25 Tonnen Salz pro Strassenkilometer gestreut.

In der Regel muss bei Schneefall die erste Räumung innerhalb von zwei Stunden nach Mobilisierung erfolgen. Damit ein schneller Einsatz möglich ist, müssen die Gebietseinheiten einen Pikettdienst organisieren. Dieser muss 30 Minuten nach der Alarmierung ausrücken. Den Gebietseinheiten stehen entlang der Nationalstrassen über 800 Strassenwetterstationen zur Verfügung, welche bei gefährlichen Situationen auf der Fahrbahn oder bei Ankunft einer Wetterfront die Gebietseinheiten alarmieren.

Die Kosten für den Winterdienst schwanken je nach Schwere des Winters zwischen ungefähr 30 bis 60 Millionen Franken. Ein Tag Winterdiensteinsatz auf dem Nationalstrassennetz kostet rund 1 Million Franken.

Organisatorische und logistische Meisterleistung

Mit dem Swiss Logistics Public Award 2017 würdigte die Jury die grosse Herausforderung, die der Winterdienst auf den Nationalstrassen aufgrund der unsicheren Planungsgrundlagen und des grossen Einsatzgebietes für die Beteiligten jedes Jahr bedeutet. «Für die Sicherheit auf der Strasse – und damit für eine funktionierende Logistik - sind Glatteisbekämpfung und Schneeräumung von grösster Notwendigkeit», sagte Jurypräsident Hans Rudolf Hauri. «Aber nur den Wenigsten ist bekannt, welche organisatorischen und logistischen Meisterleistungen hinter schwarz geräumten Nationalstrassen stecken.»

Der Swiss Logistics Public Award wird jedes Jahr an Organisationen des öffentlichen Interesses für besondere Leistungen in der Logistik verliehen. Der Gewinner erhält eine Trophäe, eine Urkunde und das Recht, den Titel «Gewinner des Swiss Logistics Public Award» als Marketing- und Kommunikations­instrument ein Jahr lang einzusetzen.


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In Lugano transportieren moderne Lieferdrohnen Laborproben zwischen zwei EOC-Spitälern. Federführend sind dabei die Schweizerische Post, der Tessiner Spitalvebund EOC und der Drohnen­hersteller Matternet. (Bild: Post CH)


Die Gewinner des Swiss Logistics Award (v.l.n.r.): Dieter Bambauer (Leiter Post Logistics und ICT), Janick Mischler und Andrea Marrazzo (Leiter Autonomous Delivery Post CH AG) mit Hans Rudolf Hauri (Jurypräsident SLA/CEO RUAG Real Estate AG).


Für die Automobilisten ist es eine Selbstverständlichkeit, dass im Winter die Nationalstrassen geräumt sind. Kaum einer macht sich Gedanken, welche logistische Meisterleistung dahinter steckt. (Bild: ASTRA)


Die Gewinner des Swiss Logistics Public Award (v.l.n.r.): Jürg Röthlisberger (Direktor Bundesamt für Strassen ASTRA) , Dieter Flückiger (NSNW AG) , Thomas Leuzinger (NSNW AG) , Mona Vetsch (Moderatorin) , Pablo Julià (Bereichsleiter Betrieb Nationalstrassen, Bundesamt für Strassen ASTRA) mit Hans Rudolf Hauri (Jurypräsident SLA/CEO RUAG Real Estate AG).