Eine Publikation der Binkert Medien AG
Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Messe AG : Ausgabe 04/2018, 02.04.2018

Intralogistik – Schlüsselelement der Produktion

Vom 23. bis 27. April findet in Hannover zeitgleich mit der Hannover Messe die CeMAT statt. Die Weltmesse für Intralogistik erwartet wieder zahlreiche Besucher aus aller Welt. Material Handling hatte Gelegenheit zu einem Interview mit Dr. Jochen Köckler.

Material Handling: Was erwarten Sie sich von der zeitgleichen Durchführung der CeMAT mit der Hannover Messe?

Dr. Jochen Köckler: Es ist für beide Messen ein grosser Gewinn, da Produktion und Logistik in Zeiten der Digitalisierung immer mehr zusammenwachsen. Durch Industrie 4.0 ist die Intralogistik zu einem sehr wichtigen Schlüsselelement in der Produktion geworden. Je kleiner die Losgrösse, je flexibler der Fertigungsprozess – desto anspruchsvoller wird die Materialbereitstellung. Wir stellen fest, dass heute eine moderne Intralogistik bereits Industrie 4.0-fähig ist. Viele Produkte und Lösungen sind schon digitalisiert und vernetzt, autonome Transportgeräte oder eine intelligente Lagerautomation ermöglichen damit eine effiziente und vor allem flexible Produktionsversorgung.

Macht es Sinn, innerhalb von zwei Monaten zwei so hochkarätige Messen wie die CeMAT und die LogiMAT durchzuführen?

Der Termin der Hannover Messe und damit der CeMAT ist im globalen Messekalender fest im April gesetzt. Unsere Kunden sind natürlich nicht glücklich darüber, dass sie innerhalb von sechs Wochen gleich zwei Messen bespielen müssen. Dieses Problem können wir nicht allein lösen.

Hat die CeMAT durch die vielen CeMAT- Messen in den verschiedenen Erdteilen an Internationalität verloren?

Das Gegenteil ist der Fall. Mit der CeMAT sind wir international als globale Marke sehr gut aufgestellt. Jeder zweite CeMAT-Aussteller kommt aus dem Ausland sowie jeder dritte CeMAT-Besucher. Unsere internen Analysen zeigen, dass die Besucherzahlen aus den Regionen steigen, in denen wir CeMAT-Veranstaltungen durchführen, da wir die CeMAT zunächst einmal bekannt machen und gleichzeitig die Marke stärken. Dadurch wecken wir sowohl bei potenziellen Ausstellern als auch Besuchern das Interesse für die Hauptmesse in Hannover.

Wie viele Aussteller kommen aus der Schweiz?

Zum Messedoppel Hannover Messe/CeMAT erwarten wir insgesamt 80 Aussteller aus der Schweiz, davon zwei zur CeMAT. Bis zum Messebeginn darf diese Zahl gern noch steigen. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir deutlich mehr Zuspruch aus der Schweiz erhalten werden, wenn sich das Messedoppel erst einmal im Markt etabliert hat.

Warum soll sich der Schweizer Besucher auf den Weg nach Hannover machen?

Es ist ein weltweit einmaliges Angebot an Lösungen und Innovationen für Logistik und Industrie. Die Schweizer Besucher finden im Nachbarland die Messe für das globale Megathema «Industrie 4.0 trifft Logistik 4.0», das gibt es nur in Hannover.

Was verstehen Sie unter dem Zusatz «Connect & Collaborate» beim Leitthema Integrated Industry?

Die digitale Transformation schreitet rasant voran. Die Fabrik- und Energietechnik wird immer leistungsfähiger, die Möglichkeiten zur Datenauswertung auch. Industrielle IT-Plattformen drängen auf den Markt. Hinzu kommen künstliche Intelligenz und Machine Learning. Produktionsketten lassen sich digital simulieren, vorausschauende Wartung wird zum Standard, innovative Geschäftsmodelle entstehen, neue Player tauchen auf und Branchengrenzen verschwimmen zusehends. Aber erst die neue Konnektivität, d.h. die Organisation in Netzwerken, hebt Industrie 4.0 auf die nächste Stufe.

Intralogistiklösungen für den stetig wachsenden E-Commerce werden nachgefragt. Wird die CeMAT diesen Bedürfnissen gerecht?

Wir haben selbstverständlich den Handel als wichtige Besucherzielgruppe im Blick. Da sich dort die Strukturen aufgrund des stark zunehmenden Onlinegeschäfts verändern, werden immer mehr automatisierte Lager benötigt. Die CeMAT-Aussteller haben für den Handel passgenaue Lösungen im Gepäck. Thematisch unterstützen wir die handelsrelevanten Themen darüber hinaus mit unterschiedlichen Massnahmen, zum Beispiel durch eine Kooperation mit dem EHI Retail Institute, Köln, das ein eigenes Forum zum Thema «Robotics4Retail» organisiert. Mit weiteren Kooperationen sorgen wir dafür, dass der Handel auf der CeMAT stark vertreten sein wird.

Warum ist Hannover der Hotspot für das Thema Industrie 4.0?

Der Begriff Industrie 4.0 wurde vor sieben Jahren auf der Hannover Messe geboren und hat seitdem eine einzigartige Erfolgsgeschichte erlebt. In Hannover werden jedes Jahr Weiterentwicklungen rund um Industrie 4.0 präsentiert und diskutiert, und zwar sowohl von Wissenschaftlern und Firmenlenkern als auch von Politikern, und das auf einer sehr internationalen Ebene. Im April können wir uns auf das Zusammenspiel von Industrie 4.0 und Logistik 4.0 freuen.

Neben der Innovationskraft der Exponate steht das Thema Kosteneinsparungen in der Prozesskette ganz zuoberst auf der Frageliste der Besucher. Gibt es dazu Lösungsansätze, die auf der CeMAT präsentiert werden?

Der Einsatz neuer Automatisierungstechnologien sowie die Optimierung der Supply Chain erfolgen in erster Linie, um Kosten zu sparen. Die CeMAT-Aussteller werden neue Technologien präsentieren, die eine weitere Automatisierung der Prozesse ermöglichen. Aber auch die Hannover Messe-Aussteller zeigen entsprechende Lösungen, wie beispielsweise die Roboterhersteller, die neue kollaborative Roboter für den Einsatz im Lager zeigen und damit Kosteneinsparungen von 20 bis 40 Prozent ermöglichen.

Wird sich die Digitalisierung auch auf das Messewesen auswirken? Wie sehen Messen in zehn Jahren aus? Sind die Veranstalter gefordert?

Wir schauen sehr genau auf das Thema Digitalisierung und sind dabei, eine digitale Strategie für uns als Messegesellschaft aufzubauen. Unser Kerngeschäft wird durch die Digitalisierung ideal unterstützt, da sich Menschen auch fortan treffen wollen, um Geschäfte anzubahnen. Die Reichweite der Kontakte aus der Messehalle wird sich aber über soziale Medien verbreiten. Die Messe ist hier mittendrin.

Besten Dank Herr Dr. Köckler für das interessante Interview.


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«Der Begriff Industrie 4.0 wurde vor sieben Jahren auf der Hannover Messe geboren.»
Dr. Jochen Köckler, Deutsche Messe AG