Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Pierre Wenger, Leiter der Coop-Division Interdiscount & Microspot, Jegenstorf: Ausgabe 07-08/2018, 21.08.2018

High-Tech-Logistik im Dienste der Kundschaft

Das neue, vollautomatische Logistikzentrum in Jegenstorf eröffnet neue Möglichkeiten. Microspot wird zur zentralen Non-Food-Plattform von Coop ausgebaut. Sortiment und Angebot ­werden massiv vergrössert. Das neue Online-Logsitikzentrum stärkt zugleich die Cross-Channel-­Lösungen von Interdiscount.

Vom zentralen Standort in Jegenstorf aus werden täglich die über 180 Interdiscount-Filialen beliefert. Das bedeutet eine noch bessere Warenverfügbarkeit für Kundinnen und Kunden direkt in den Verkaufsstellen. Material Handling hatte an der Eröffnung Gelegenheit zu einem Interview mit dem Leiter der Coop-Division Interdiscount & Microspot
Pierre Wenger.

Material Handling: Herr Wenger, wieso baut Interdiscount ein Logistikzentrum?
Pierre Wenger: Das Aufkommen des Online- und Cross-Channel-Handels bringt ganz neue Anforderungen an die Logistik eines Händlers mit sich. Während früher beim reinen stationären Handel die Filiallager  zirka zwei Mal die Woche aufgefüllt wurden, ist beim Onlinekauf jede Bestellung auch eine einzelne Lieferung an den Kunden. Das heisst, dass wir viel mehr und zunehmend Einzelaufträge abwickeln, die dann je nach Wunsch des Kunden nach Hause geliefert oder in einer Filiale abgeholt werden. Das bringt natürlich mit sich, dass wir viel mehr Platz benötigen, um diese Einzelbestellungen zu rüsten und zu verpacken. Zudem möchten wir für unsere Kundinnen und Kunden die Anzahl der zugänglichen Artikel nochmals erhöhen. Auch das bringt  einen weiteren Platzbedarf mit sich.

Welches Ziel verfolgt Interdiscount damit?
Schliesslich geht es bei uns immer darum, den heutigen und zukünftigen Anforderungen der Kundinnen und Kunden gerecht zu werden. Diese wandeln sich in einer zunehmend digitalisierten Welt stark. Wir Konsumenten entscheiden heute von Fall zu Fall, ob wir für den Kauf eines Produktes in den Laden gehen oder es online kaufen und ob wir das gekaufte Produkt lieber nach Hause geliefert haben wollen oder auf dem Weg von der Arbeit nach Hause in einer Filiale abholen. Diese nahtlose Verknüpfung von Möglichkeiten nennt man neudeutsch Cross-Channel-Handel.
Der Bau des neue Logistikcenters in Jegenstorf ist ein wichtiger Bestandteil, damit Interdiscount der führende Cross-Channel-Anbieter in der Heimelektronik bleibt und die Marktführerschaft auch in Zukunft gegen in- und ausländische Mitbewerber behaupten kann.

Was bedeutet Cross-Channel?
Wie gesagt, geht es bei Cross-Channel um die Kundenorientierung. Die Kundinnen und Kunden sollen entscheiden, wie sie sich über ein Produkt informieren wollen (Webseite oder Beratung im Laden), wie sie das Produkt schliesslich kaufen wollen (auf www.interdiscount.ch oder in einer Filiale oder per Telefon bestellen) und wie es ihnen schliesslich übergeben werden soll (Versand nach Hause oder Abholung/ direkter Kauf in Filiale). Ebenso stehen den Konsumenten im Reparaturfall oder technischen Problemen alle Möglichkeiten offen.

Wie hoch ist die finanzielle Investition für das Projekt?
Das Investitionsvolumen beträgt rund 80 Millionen Schweizer Franken.
Welche Dimensionen hat das neue Gebäude und welchen Zweck erfüllt es?
Der Neubau umfasst eine Brutto-Geschossfläche von 22 000 Quadratmetern. Dabei ist das bestehende Gebäude  mit dem Neubau durch eine Passerelle verbunden. Durch diese wird der Waren- und Personentransfer zwischen den Gebäuden hin und her geführt. Kernstück des Neubaus ist ein automatisiertes Kleinteilelager mit ca. 60 000 Lagerplätzen. Hier werden Produkte automatisch ein- und ausgelagert.

Das bisherige Hochregallager wird nun als Wareneingangslager benutzt. Genügt es leistungsmässig noch den Anforderungen?
Das Hochregallager wird aktuell saniert und modernisiert. Für die Realisierung dieses Projektes haben wir TGW gewählt. Unser Ziel war es, möglichst mit nur einem Ansprechpartner die gesamte Logistik zu realisieren. Damit wollten wir schon von Anfang an die Anzahl der Schnittstellen zwischen den einzelnen Gewerken minimieren. Es wird sich dann im Verlauf des Betriebes zeigen, welche Anpassungen noch vorgenommen werden müssen, um einen gesicherten Nachschub für das neue AKL zu gewährleisten.

Wie ist das Retouren-Management gelöst?
Wir trennen schon im Wareneingang Retouren, die nicht mehr in den Handel gehen und solche, die als Restpostenware wieder eingelagert und dann vergünstigt verkauft werden. Dazu wird diese Ware hier vor Ort so instandgesetzt, dass sie wieder in den Handel gebracht werden kann.

Was sind über das gesamte Projekt hinweg gesehen für Sie die Highlights?
Die Professionalität und Begleitung der gesamten Prozesse von Anfang an durch TGW war wirklich beeindruckend. Daraus resultierte eine sehr genaue Einhaltung des Zeitplans. Das neue Logistikzentrum ist natürlich für sich selbst schon eine Faszination: Wer die kleinen, grauen Behälter mit verschiedensten Artikeln vom Wareneingang bis zum Warenausgang über insgesamt 3,2 Kilometer  Fördertechnik durch das 22 000 Quadratmeter grosse neue Gebäude flitzen sieht, ist begeistert. Die Produkte werden in 65 700 Behältern im Kleinteilelager aufbewahrt. Auch höchst interessant ist es, den roten TGW StingRay-Shuttles beim Ein- und Auslagern der Behälter zuzusehen. Die Shuttles laufen dabei auf Hochtouren und leisten bis zu 4200 Behälterbewegungen pro Stunde. Bei Besuchern dieser Anlage kommt immer wieder Begeisterung auf, wenn sie das sehen.

Warum eine Shuttle-Lösung?
Wir brauchen im Omni-Channel-Bereich eine sehr hohe Dynamik bei unserem geforderten Durchsatz. Deshalb wurde einer Shuttle-Lösung der Vorzug gegeben.
Sie haben hier WAMAS von SSI Schäfer im Einsatz. Wie schwierig war die Integration der TGW-Software?
Unsere IT-Spezialisten von Coop haben sich mit ihren Kollegen von TGW bzw. SSI Schäfer an einen Tisch gesetzt. Das Endergebnis ist eine funktionierende Anlage. Die Fehlerrate ist sehr tief. Trotz allem können Fehler aber nicht ausgeschlossen werden. Wichtig ist, dass beim Kommissionieren konzentriert gearbeitet wird. Die Anlage wird von unserem Personal gewartet.

Welche Gründe haben den Ausschlag für Jegenstorf gegeben?
Wir haben eine umfassende Analyse gemacht und uns schliesslich entschieden, dass wir das Projekt in Jegenstorf realisieren wollen. Es besteht eine gute Beziehung zur Gemeinde und Interdiscount ist seit über 40 Jahren hier verwurzelt. Zudem nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden wahr, die am Standort Jegenstorf bereits seit vielen Jahren beschäftigt sind.

Was bringt das neue Logistikzentrum für die Kundschaft?
Dank des neuen Logistik-Zentrums sind bis Ende Jahr über 100 000 neue Artikel aus der Heimelektronik in den Filialen und im Onlineshop sofort verfügbar. Bei Lagerartikeln gilt: Bis 20 Uhr bestellt, am nächsten Tag nach Hause geliefert. Gesamthaft wird bereits jetzt jährlich ein Verkaufsvolumen von circa einer Milliarde hier abgewickelt.

Interdiscount & Microspot
Geschäftsbereiche
der Coop Genossenschaft
3303 Jegenstorf
Tel. 031 764 44 44
info@interdiscount.ch
www.interdiscount.ch



Das neue Logistikzentrum in Jegenstorf beeindruckt mit einer eleganten Fassade
und ist perfekt in die Landschaft integriert. (Bilder: Interdiscount/Feurstein)


«Wir brauchten eine Shuttle-Lösung wegen der hohen Dynamik im Omni-Channel-Bereich.»
Pierre Wenger, Leiter Interdiscount & Microspot