Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Die Georg Utz AG im Wandel der Zeit: Ausgabe 07-08/2018, 21.08.2018

Vom Zickzackstich zum Hightech-Kunststoffbehälter

Behälter, Paletten und Werkstückträger aus Kunststoff von der Georg Utz AG in Bremgarten sind weltweit anzutreffen und ein Begriff. Ein Ausflug in die Geschichte des Unternehmens zeigt, wie sich die Dinge im Lauf der Zeit entwickelt haben.

Unglaublich, wie viele bunte Geschichten in einem Kunststoffbehälter Platz haben. Das weiss auch Gustav Karli, der Dienstälteste der Firma Georg Utz AG. Munter erzählt er, woran er sich gerne erinnert. Es entwickelt sich beim Zuhören das angenehme Gefühl, dass Kunststoff jung und frisch hält.
«So, dann wollen wir mal.» Gustav Karli steht in seinem Büro in Bremgarten. Es ist Montagmorgen und draussen ist es noch dunkel. Auf seinem Tisch stapeln sich Anfragen mit technischen Zeichnungen und Datenblättern. Das Geschäft läuft gut, und diese Tatsache macht Gustav Karli immer noch stolz.

Bald 50 Jahre Utzler
Karli ist nicht einfach Karli. Er ist ein Utzler. Durch und durch. Seit bald 50 Jahren arbeitet er bei der Firma. Ein halbes Jahrhundert im Dienste eines einzigen Unternehmens.
Noch bevor Karli den Computer startet, nimmt er die oberste Anfrage für eine Kunststoffpalette zur Hand, an der er letzte Woche schon gearbeitet hat und sich während dem Wochenende weitere Gedanken gemacht hat: Gesucht wird eine saubere und clevere Verpackungslösung für ein hochwertiges technisches Bauteil. Langlebig, praktisch und aus Kunststoff soll sie sein. Das Herz von Firmengründer Georg Utz hätte bei dieser Aufgabe gejubelt, denkt sich Karli. Wie es immer jubelte, wenn jener praktische Lösungen suchen und entwickeln durfte. Seine Gedanken schweifen zurück in eine Zeit, als alles etwas hemdsärmeliger war. Nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders und auch schön.

Der Anfang
Anno 1970 begann Karli seine Lehre als Maschinenzeichner. Georg Utz persönlich hatte ihn damals eingestellt. Ein Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht. Gewiss auch ein bisschen Stolz. Die Büros waren mit Zeichenbrettern ausgestattet. Computer mit moderner CAD-Software gab es noch nicht, auch keine Taschenrechner. Man musste alles von Hand ausrechnen und vordenken. So richtig «old school» eben.
Karli erinnert sich gerne an den Patron: Georg Utz war ein Macher und Gestalter. Ein geborener Tüftler. Alles Mögliche hat er erfunden: von der Kellerhorte über Kaninchenställe, Briefkästen, Hühnerkörbe und Paletten. Fast alles aus Kunststoff und für die Lagerung und den Transport von Gegenständen und Tieren bestimmt. Einiges davon wird heute noch produziert. Der Kunststoffbehälter RAKO zum Beispiel, 1965 hergestellt, schlug ein wie eine Bombe. Bis heute ein Kassenschlager und in fast jedem Schweizer Haushalt vorhanden. Wen wundert es? Die Rahmenkonstruktion verkörpert in gewisser Weise die Firma Utz und deren Gründer: stabil und geradlinig.
Seine berühmteste und eine der revolutionärsten Erfindungen war der Zickzackstich für Nähmaschinen. Dank seiner Zickzack-Platte konnten selbst herkömmliche Nähmaschinen ohne seitlich bewegliche Nadel, einen Zickzackstich ausführen.

Auch Tops und Flops gehören dazu
Das umweltschonende Recycling von Kunststoffen war bei Utz vor einigen Jahrzehnten schon ein Dauerthema – darum auch die Erfindung der «Deckelianlage». Die Idee dahinter ist clever und nachhaltig. Die Firma kaufte vom Markt Kunststoffschraubverschlüsse von Getränkeflaschen, reinigte sie und produzierte aus dem gemahlenen Kunststoffgranulat Paletten in allen Formen und Abmessungen. Diese Paletten werden noch heute im gleichen Verfahren hergestellt. Gustav Karli erinnert sich auch an Rückschläge, wie diese Geschichte mit auf Baustellen herumliegenden Werkzeugen von Handwerkern. Georg Utz hatte Anfang der siebziger Jahre eigens ein Schalungselement mit Werkzeugbehälter für den Bausektor entwickelt und produziert. Die Idee dazu hatte er während einer Baustellenbesichtigung in Bremgarten. Er beobachtete die Männer, wie sie fortwährend nach verlegten Werkzeugen suchten. Ein Unding, wenn effizientes Arbeiten verlangt wird und Aufträge an Deadlines gekoppelt sind. Ein Werkzeugbehälter aus Kunststoff musste also her, der für Tempo und Ordnung sorgte. Nur, das Produkt verkaufte sich leider nicht. Keine grosse Nachfrage. Fazit: Die Firma sass auf einem Lagerbestand, der keinen müden Franken einbrachte. Was war zu tun? Man überlegte, den Bestand zu recyclen und den Verlust unter «Erfahrungen» zu verbuchen.
Ein glücklicher Zufall wollte es, dass ein Kunde für seine Elektromotoren Kunststoffbehälter benötigte. So wurden die bereits produzierten Behälter an Ecken und Rändern leicht abgeändert, und letztendlich doch noch verkauft. Diese Agilität und Flexibilität zeichnet die Georg Utz AG auch heute noch aus. Ein «Geht nicht» oder «Haben wir nicht» gibt es bei Gustav Karli nicht.

Wahre Werte
Die Kirchenuhr schlägt acht Uhr. Draussen wird es langsam hell. Auf Karlis Schreibtisch die Anfrage mit einigen Handskizzen über eine neue Kunststoffpalette für die Pharmabranche. Knifflig, komplex aber die Lösung fällt ihm bestimmt auch hier ein. Es wird niemals alleine entwickelt, sondern immer im Team, und in den Meetings kommen immer die besten Ideen, wenn die Erfahrungen und das Know how der Kollegen und Kolleginnen wie ein Puzzle zusammengefügt werden.
Es tut gut, hin und wieder alte Geister zu wecken. Das motiviert und hält einem vor Augen, für was die Georg Utz AG steht: Partnerschaft und Qualität.

Georg Utz AG
5620 Bremgarten
Tel. 056 648 77 11
Fax 056 648 79 12
info.ch@utzgroup.com
www.utzgroup.com



Beginn der Kunststoff-Palettenproduktion.
(Bilder: Georg Utz AG)


Damals ein Grossereignis in Bremgarten: Anlieferung einer neuen Spritzgussmaschine für die Georg Utz AG.


Die berühmteste und eine der revolutionärsten Erfindungen von Georg Utz war der Zickzackstich für Nähmaschinen.

Die Kunststoff-Spezialisten

Die Georg Utz AG ist Hersteller von Lager- und Transportbehältern, Paletten, Werkstückträgern und technischen Teilen aus wiederverwertbarem langlebigen Kunststoff. Die Utz-Gruppe mit Gesellschaften in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, England, Polen, USA, Mexiko und China beschäftigt etwa 1200 Mitarbeitende, davon ca. 220 in Bremgarten. 10 % der Mitarbeitenden sind Auszubildende. Das Schweizer Familienunternehmen besteht seit 1947.