Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Thomas Heesch, CEO Linde Material Handling Schweiz AG, Dietlikon: Ausgabe 9/2018, 11.09.2018

Professionelles Supply Chain Managament braucht Digitalisierung

Anlässlich der World of Material Handling vom 4. bis 11. Juni 2018 in Mannheim gab der Geschäftsführer der Schweizer Niederlassung von Linde Material Handling in Dietlikon im Interview Einblick in die digitale Welt der Intralogistik.

Um die passenden Lösungen für Unternehmen zu entwickeln, setzt Linde Material Handling auf innovative Produkte und Systeme. Die Kunden profitieren von modularen, skalierbaren und vor allem einfach zu implementierenden Komplettlösungen für hochkomplexe Aufgaben der modernen Intralogistik. Wie sieht das Thomas Heesch im Detail?

Material Handling: Wie wird der digitale Wandel in der Logistik bei Schweizer Unternehmen aufgenommen?
Thomas Heesch: Der Linde Material Handling Schweiz AG geht es gleich wie unseren Kunden. Basierend auf Daten und Fakten können Analysen durchgeführt und nachhaltig die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Die Digitalisierung baut auf einem guten Datenmanagement auf und liefert uns die gewünschten Informationen. In der Logistik mit dem stetigen Wettbewerbsdruck und den sich ändernden Kundenbedürfnissen legen die Kunden grossen Wert auf digitale Produkte. Die Marke Linde reagiert hierauf und der Stapler «spricht» in vermehrtem Sinne mit uns. Wir können Nutzungsdaten des Fahrzeuges, Fahrverhalten in Gefahrensituationen, wie auch die Pflege einzelner Komponenten, wie zum Beispiel der Batterie, auswerten. So ermöglichen wir es dem Kunden, selber Analysen durchzuführen oder bieten es als Dienstleistung an. Der Bereich Digitalisierung der Produkte und Dienstleistung ist ein integraler Bestandteil unserer Strategie. 

Ein Kernthema bei der Digitalisierung sollte Zero Accident sein. Ist das in der Realität wirklich so oder hat der Kunde immer noch den Gerätepreis im Fokus (nur so viel Ausrüstung, wie eben unbedingt erforderlich ist)?
Generell sehen wir den Trend bei unseren Kunden, dass Sicherheitsaspekte mehr in den Vordergrund gestellt werden und losgelöst von dem reinen Preisgedanken diskutiert werden. Die Langzeitfolgen von Betriebsunfällen sind nicht nur in erhöhten Betriebskosten sondern vielmehr in persönlichen Schicksalsschlägen messbar. Wir versuchen mit Features wie Linde Load Control, die Fahrer elektronisch darauf hinzuweisen, wenn die Traglast des Staplers überschritten wird und Kippgefahr besteht. Auch mit einer Pre-Check-App kann der Kunde seine Fahrer dazu «zwingen» den einwandfreien Zustand des Fahrzeuges zu prüfen und seine Fahrfähigkeit zu bestätigen, bevor die Zündung freigeschaltet wird. Diese elektronische Checkliste kann je nach dem kundenindividuellen Sicherheitsprogramm customized werden.

Wie stark werden in der Schweiz autonome Fahrzeuge – besser bekannt unter dem Namen Linde Robotics – nachgefragt?
Die Nachfrage nach Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) wächst und wir setzen hier mit der Produktfamilie Linde Robotics ganz neue Massstäbe in der Schweiz. Ein FTS hat den Vorteil, bei wiederkehrenden Prozessen die interne Logistik massgeblich zu entlasten und das knappe Humankapital verstärkt für wertschöpfende Tätigkeiten einzusetzen. Die Return-on-Invest-Kalkulationen sind eindeutig. FTS fahren verschleissärmer und leisten durch ihre Personenschutzeinrichtungen auch einen positiven Beitrag zur Unfallverhütung im Lager. Linde ist in der Lage, dem Kunden hier als Generalunternehmer ein komplettes Lösungspaket, bestehend aus einem FTS mit Anbindung eines Leitstandes und  Rückwärtsintegrierung in die Lagerverwaltungssoftware zu offerieren. Wir haben Referenzanlagen in der Schweiz. Diese zeigen, wie leistungsstark wir in diesem Teilbereich der Intralogistik sind. Die Nachfrage ist im Steigen begriffen.  

Veränderungen durch die Digitalisierung können dem Markt nicht einfach vorgegeben werden. Wieviel Überzeugungsarbeit wird von Ihren Verkäufern geleistet, um den Kunden ein digitales Umfeld schmackhaft zu machen?
Ich behaupte das Umgekehrte, ein professionelles Supply Chain Management kommt nicht mehr um das Thema Digitalisierung herum. Der Begriff wird zurzeit stark in verschiedene Richtungen interpretiert und viele Firmen, die ich kenne, machen sich hierzu intern Gedanken. Wir werden somit sehr oft vom Kunden darauf angesprochen. Natürlich sprechen wir Kunden auch proaktiv an, wenn wir sehen, dass die Einsatzbedingung des Staplers durch digitale Produkte verbessert werden kann. Wir haben zum Beispiel unser Produktportfolio «Connect». Bei tiefergehenden fachlichen und technischen Fragen ziehen wir unsere internen Fachexperten hinzu.

Welche Aufgabe hat in diesem Sinne die World of Material Handling?
Das Leitthema der diesjährigen World of Material Handling lautete «Simplexity». Es soll verdeutlichen, dass Linde in der Welt der Intralogistik, Automation und Digitalisierung schwierige Kundenanforderungen durch die eigene Expertise vereinfacht darstellen und erfüllen kann. Auch wir als Linde Material Handling Schweiz AG haben hier in interne Kapazitäten investiert, um diese Anforderungen des Marktes zu erfüllen.

Die Achillesferse der Elektromobilität ist nach wie vor die Batterietechnik. Ein voller Tank wiegt 70 Kilogramm, eine gleich schwere Batterie bringt etwa 11 kWh. Damit kommt man aber nur einen Bruchteil so weit wie mit einem vollen Tank. Was dürfen wir in den nächsten Jahren in Sachen effiziente Batterietechnologie im Staplerbereich erwarten?
Die Lithium-Ionen(LiOn)-Batterien setzen hier ganz neue Masstäbe im Hinblick auf Leistungsdichte und Ladeeffizienz. Die Umschlagsleistung eines Stapler mit LiOn-Technologie wird der eines Staplers mit verbrennungsmotorischem Antrieb immer ähnlicher. Wir sehen das zum Beispiel im Traglast-Segment von sechs bis acht Tonnen bei den Frontstaplern. Das war lange eine Domäne des Diesel-Staplers.  Hier werden wir dieses Jahr mit der Baureihe 1279 einen 80-Volt-LiOn-Antrieb in den Markt bringen, als Ergänzung zur bisherigen Bleisäure-Batterie. Das ist ein tolles Fahrzeug. Unsere Kunden konnten es auf der World of Material Handling bereits bewundern und die ersten Bestellungen sind bereits platziert.

Haben Sie erste Langzeiterfahrungen mit LiOn-Batterien gesammelt und wie sehen Sie die Entsorgung?
Die Linde Material Handling Schweiz AG hat jetzt acht Jahre Erfahrungen mit der LiOn-Technologie. Die Batterie ist sicher und wirklich sehr störungsarm. Im Flugzeug wird man ja heute darauf hingewiesen, dass bei einer eventuellen Rauchentwicklung im Akku des Smartphones sofort das Kabinenpersonal zu verständigen ist. Die Linde Material Handling Schweiz AG wurde noch nicht einmal vom Kunden hierzu verständigt, und wir haben an die 1000 Systeme im Einsatz. Unsere Stapler laufen unter härtesten Bedingungen in Drei-Schicht-Anwendungen bei den Kunden. Sie werden in der Regel nach fünf Jahren durch neuere Modelle getauscht, wobei die LiOn-Batterien in Einzelfällen weiter verwendbar sind. Somit stellt sich für uns die Frage der Entsorgung noch nicht in dem Masse, aber wir haben ein Konzept hierfür.

In Richtung Umwelteffizienz könnten die Stapler auch mit Gas (LPG) betrieben werden. Warum hat diese Möglichkeit in der Schweiz – im Gegensatz zu Deutschland – bisher wenig Anklang gefunden?
Wir haben vereinzelt Kunden, die eine LPG-Technologie einsetzen. Die Vorteile im Hinblick des günstigeren Kraftstoffes sind gegeben. Was eine grössere Verbreitung in der Schweiz hemmt, sind die langfristigen Investitionen in Infrastrukturkosten der Dienstleister (Tankstellen und Lieferanten).

Wie entwickeln sich die Flurförderzeug-Verkäufe von Linde Material Handling in der Schweiz? Fällt dabei etwas besonders auf?
Wir sind sehr zufrieden. Der Staplermarkt zeigt einen sehr positiven Wachstumstrend und wir gehen auch dieses Jahr wieder von einem Markt von 7000 neu zugelassenen Staplern aus. Der Trend hin zum Elektrostapler ist klar abzulesen, sei es in der Lagertechnik oder beim Frontstapler.

Denken wir drei Worlds of Material Handling weiter. Wie stellen Sie sich dann die Highlights eines solchen Events auf der Produkteseite vor?
Wir werden eine Weiterentwicklung bei Anwendungen der Automation sehen. Stapler, die vollautomatisch Picken und Kommissionieren. Ich sehe den vollautomatischen Frontstapler, der Lkw be- und entladen kann. Weiters wird es neue Dimensionen im Elektrostapler-Bereich mit Starkstrom geben. Als Alternative ist der Einsatz von Flurförderzeugen mit Brennstofftechnologie vorstellbar. Das ist das Schöne an der Staplerbranche: Hier wird es noch über Jahre hinaus Innovationen zu sehen geben und Linde Material Handling wird Masstäbe setzen.

Linde Material Handling Schweiz AG
8305 Dietlikon
Tel. 044 835 23 00
Fax 044 835 23 20
info@linde-mh.ch
www.linde-mh.ch



Mit dem flexiblen Mietkonzept für LiOn-Batterien von Linde Material Handling sind Kunden sowohl technisch als auch wirtschaftlich auf der sicheren Seite. (Bilder: Linde Material Handling)


Thomas Heesch «Linde kann in der Welt der Intralogistik, Automation und Digitalisierung schwierige Kundenanforderunge durch die eigene Expertise vereinfacht darstellen und erfüllen.»